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RPlus | Aufregung statt Pause?
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Echte Entspannung versus Stress im Clickertraining

 

Gerade bei der Arbeit mit Futter ist es sehr wichtig, wirksame Instrumente zur Kontrolle der Erregungslage zu entwickeln. Dabei ist besonders zu bedenken, dass alle Clickerpferde aus meiner Sicht lernen sollten sich in Gegenwart des Menschen und des Futters wirklich zu entspannen. Nur so können zwischen den eigentlichen Trainingseinheiten Pausen eingelegt werden, in denen das Pferd selbstständig seine Energie reguliert und zu einem entspannten Basis-Energielevel finden kann. Doch woran merke ich überhaupt, dass mein Pferd während der angedachten Pause angespannt oder gar gestresst ist. Reicht es nicht, dass es „brav“ neben mir steht und seine Leckerlis bekommt? Ich erhöhe dann nach und nach die Dauer des Stehens und schon habe ich ein höfliches Pferd?

Zoom

Höfliches Pferd ist nicht immer gleich entspanntes Pferd

 

Wer sich im Training und besonders während der Pausen nur an der Verhaltensweise „Stehen am Platz ohne zu drängeln oder permanent Schritt vor und Schritt zurück zu gehen“ konzentriert, der übersieht häufig in welcher emotionalen Verfassung sich das Pferd befindet und arbeitet so auch in Ruhephasen mit einem angespannten Pferd an seiner Seite. Ich habe hier einige Fotos ausgesucht, die unterschiedliche Stressanzeichen in Trainingspausen dokumentieren und so dafür geeignet sind zu überprüfen ob das eigene Pferd unter Strom steht statt runterzukommen.

Moment # 1

Ruhiges Stehen?

 

In dieser abgelichteten Situation sehen wir die junge Freibergerstute Felina. Sie hat bereits gelernt ruhig neben dem Menschen zu stehen und auf Click und Leckerli zu warten. Dennoch zeigt sich in dieser Momentaufnahme eine starke Stress-Symptomatik, die man unbedingt beachten sollte, um nicht in eine sich selbst verstärkende Stress-Spirale einzusteigen. Felina steht zwar am Platz, sie zeigt aber sehr ambivalente Verhaltensweisen. Zum einen schildert sie das linke Hinterbein, was zunächst ein Zeichen für Entspannung sein kann, aber hier eben von vielen anderen Merkmalen überlagert wird. Schaut man ihr ins Gesicht, so zeigen sich Stress-Merkmale: Die Öffnung der Ohren zeigt nach seitlich-hinten mit einer Tendenz ganz nach hinten. Dieses Ohrstellung entsteht bei Stress mit einer unterschwelligen Aggression. Es zeigt sich eine Falte über dem relativ klein erscheinenden Auge, die Kaumuskulatur und die Lippen sind angespannt, obwohl sie auch als eher positives Merkmal eine leicht verlängerte Oberlippe zeigt.

Moment # 2

Nähe erzeugt Stress?

 

Reduziert der Mensch nun die Distanz zum Pferd, so verstärken sich die Stress-Merkmale. Die Stute kaut beschwichtigend, die Anspannung im Gesicht bleibt insgesamt gesehen auf einem ähnlich hohen Level wie zuvor. Interessant ist zu beobachten, dass sie nach wie vor hinten schildert. Das Verhalten „Stehen“ ist also so gut trainiert, dass sie für Belohnungen bleibt wo sie ist, auch wenn sie sich in dieser Situation nicht wohlfühlt.

Moment # 3

Emotionaler Konflikt

 

Bleibt der Mensch nun in dieser engen räumlichen Nähe des Pferdes und umrundet die Stute wie hier mit Berührung ihres Körpers, so verdeutlicht sich der empfundene Stress noch stärker. Felina stemmt ihre Beine in den Boden, ihre Körperspannung steigt, sie zeigt weiterhin die leicht drohende Stress-Mimik mit der typischen Ohrenstellung, angespannter Kaumuskulatur und Kiefer, kleinem Auge mit Sorgenfalte oberhalb und hier sehen wir zusätzlich, dass sich ihre Nüstern weiten. Gäbe es keine Belohnungshistorie und keine aktuellen Belohnungsleckerlis, so würde sie vermutlich nicht in dieser Position bleiben. Und das ist für uns bei der Arbeit mit positiver Verstärkung ein ganz wichtiger Hinweis. Das Pferd soll nicht nur bei uns bleiben, weil es dafür belohnt wird, sondern wir wollen lernen, eine Trainingseinheit so zu gestalten, dass sich das Pferd neben uns wohlfühlen kann.

Moment # 4

Stress-Schnappen

 

Bei vielen Pferden kann man in vergleichbaren Situationen ein weiteres Stress-Symptom beobachten. Schnappen in verschiedenen Variationen. Ist der Erregungslevel einmal stark erhöht, so suchen sich Pferde unterschiedliche Ventile mit ihrer Aufregung umzugehen. Ein weit verbreitetes Phänomen ist eine gierige Futteraufnahme oder gar ein Schnappen, entweder in die Luft oder direkt in Richtung des Menschen. Solche Pferde sind nicht unhöflich, sie haben vermutlich nur noch nicht gelernt emotional mit Futter in Ruheübungen zurechtzukommen.

Moment # 5

Was hilft?

 

Ruhe bewahren und Stress herausnehmen. Zum einen die Futterübergabe eventuell mit niedrigwertigem Futter üben, zum anderen zunächst Distanz vergrößern und den Druck durch eine eigene entspannte Körpersprache nicht erhöhen. Pferde spiegeln auch die Emotionen des Menschen. Bleibt man nicht so ruhig wie hier auf dem Bild, so kann sich eine solche Stress-Problematik leicht hochschaukeln. Daher ist es wichtig, die Mimik des Pferdes genau zu beobachten und an der Entspannung des Pferdes im Training zu arbeiten.

Moment # 6

Heureka, ein entspannter Gesichtsausdruck

 

Ziel erreicht, wir sehen in dieser Momentaufnahme das Ziel: Das Pferd steht gelassen neben dem Menschen, der seine Hände zu einer Nullposition übereinanderlegt. Felinas Gesichtsausdruck ist entspannt, sie spitzt die Ohren zu Orientierung nach vorne, sie hat eine leicht gespitzte Oberlippe, die Nüstern sind entspannt und nicht in ihrer Form verzogen, die Augen sind klar geöffnet ohne Faltenbildung oberhalb des Auges. Auch die Kaumuskulatur bleibt entspannt.

Viel Freude Euch allen, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt