q
Welcome to moose theme.
Enter any text or widget here.
RPlus | Blicktarget nach Marlitt Wendt
Video und Artikel zum Blicktarget nach Marlitt Wendt
Marlitt Wendt Conny Ranz Pferdsein RPlus R+ Clickertraining clicker training Clicker Clickern Positives Pferdetraining Positive Verstärkung Pferdeverhalten Pferde-Ethologie Pferdeethologie Equine ethology Native horses Shaping Target Pferdetraining empowered equestrians Wildpferde positive reinforcement Blicktarget Zirkuslektionen Bodenarbeit
356489
post-template-default,single,single-post,postid-356489,single-format-standard,eltd-cpt-1.0,ajax_leftright,page_not_loaded,,moose-ver-2.1, vertical_menu_with_scroll,smooth_scroll,side_menu_slide_with_content,width_370,blog_installed,wpb-js-composer js-comp-ver-5.5.2,vc_responsive

Es hat immer einen Grund!

 

Gerade introvertierte Pferde, die bei Stress eher passiv reagieren und immer langsamer werden und sich in sich selbst zurückziehen, sind im Training eine echte Herausforderung. Sie reagieren auf Druck mit Stehenbleiben und beobachten auch beim Training mit positiver Verstärkung oft intensiv ihre Umgebung, bevor sie sich öffnen und mitarbeiten können. Islandpferd Blacky und sein Lieblingsmensch Anja zeigen in diesem Video einen Prozess der sich über einige Monate hinweg vollzog.

Untertitel auf Deutsch verfügbar

Rückencheck

 

Es gibt meist verschiedene Gründe, die ineinandergreifen und dann gemeinsam Auslöser für vielfältige Probleme sein können. Hier bei Blacky waren Verspannungen im Rücken deutlich tastbar und er veränderte seine Mimik während des Rückenchecks: Besonders auffällig waren hier das verkleinert erscheinende Auge, mit Sorgenfalte, das häufige Blinzeln und die erhöhte Atemfrequenz trotz körperlicher Ruhe. Auch die typische Stress-Ohrenstellung mit an den Schädel gepressten Ohren mit der Öffnung nach seitlich hinten wurde deutlich gezeigt.

Bewegungsanalyse

 

Auch die Bewegungsanalyse zeigte die Verspannung im Rücken. Der Rücken schwingt nicht, die Hinterbeine werden nicht gut unter den Schwerpunkt gesetzt. Der erste Schritt zu mehr Bewegungsfreude und schwingendem Rücken kann das gezielte Belohnen besonders aktiver Momente sein. Anja arbeitet hier mit Belohnungen, die in der Bewegung überreicht werden, um Blacky möglichst in Bewegung zu halten und ihn nicht direkt wieder auszubremsen. Blacky läuft sich warm und hebt dabei die Hinterhufe mehr vom Boden und schwingt etwas besser im Rücken.

Warum im Trab füttern?

 

Pferde lernen immer aus den direkten Konsequenzen ihrer Handlungen. Für sie ist es sehr wichtig, was gleichzeitig geschieht. Eine Belohnung kann durch ein Markersignal angekündigt werden und dann später überreicht werden. Letztlich ist es allerdings immer am effektivsten das Pferd genau während der Handlung, die man fördern möchte, zu belohnen, also beispielsweise wie hier im Trab, im Liegen oder aber mit den Hufen auf dem Podest. Der Belohnungseffekt ist umso stärker, desto häufiger wir es schaffen während der eigentlich trainierten Verhaltensweise zu füttern. Darüber hinaus ist es gerade bei noch nicht so sehr bewegungsfreudigen Pferden oft eine Schwierigkeit diese nach einer Unterbrechung überhaupt wieder in Bewegung zu bringen. Pro Trainingseinheit kommt man dann auf zu wenige motivierende Belohnungserlebnisse. Als Faustregel kann man sich vergegenwärtigen, dass man um eine Verhaltensweise effektiv zu trainieren so viele kleine Erfolge wie irgend möglich schaffen sollte. Da wir ja meist ein Trainings-Zeitfenster von nur wenigen Minuten haben, ist es immer hilfreich sich genau zu überlegen, an welchem Detail man gerade arbeiten möchte.

Ein paar Monate später

 

Deutlich werden die positiven Veränderungen und das vermehrte Interesse nach einigen Monaten. Blackys gesamte Mimik wirkt wacher und lebhafter. Er spitzt vermehrt die Ohren, sein Anspannungsgrad im Gesicht ist weicher, Schmerzanzeichen sind kaum noch zu entdecken. So kann er auch endlich wirkliche Bewegungsfreude entwickeln. Trotz Anstrengung bei der Arbeit mit dem Cavaletti bewegt er sich frei neben Anja. Galopparbeit wird möglich und er macht einige verspielte Bocksprünge. Und dass sogar obwohl es beim Dreh dieses Video sehr heiß gewesen ist und übermäßige Sommerhitze bei Isländern meist nicht gerade die bevorzugte Arbeitstemperatur darstellt.

Das Spiel mit der Bewegung

 

Pferde sind Bewegungstiere. Sie drücken ihre Gefühle – positive wie negative unter anderem auch in ihren Bewegungen aus. Große, lebhafte, energetische und dabei kontrollierte und runde Bewegungen sind dabei typisch für Freude, dagegen hektische, angespannte eher bei Angst oder Verspannungen und zeitlupenartige, sehr verlangsamte entweder bei Vertretern des passiven Stresstyps oder aber bei depressiven Verstimmungen. Darüber hinaus ist es für den Muskelaufbau im Allgemeinen sehr wertvoll möglichst vielfältige Bewegungen mit ins Training aufzunehmen. Gleichförmige Bewegungsmuster können leicht zu Überlastungen und damit wieder zu Verspannungen führen. Übergänge zwischen den Gangarten, Tempowechsel innerhalb einer Gangart, Sprünge oder Richtungswechsel helfen dabei, die Muskulatur systematisch zu lockern. Darauf aufbauend können später Stellung und Biegung als weitere Trainingsfelder hinzugenommen werden.

Fröhliche Grundstimmung

 

Entscheidend für den Trainingserfolg ist die eigene positive Einstellung und das Erschaffen einer fröhlichen Grundstimmung. Gerade gehandikapte oder ältere Pferde fühlen sich sehr schnell überfordert und bedrängt, sie sehen unsere Einladungen zur Bewegung eben nicht mehr als ein gutgemeintes Angebot, sondern als Forderungen an. So kann es leicht passieren, dass wir uns in den Augen des Pferdes in einem Druck-Szenario wiederfinden. Gut ist es wenn das Pferd frei entscheiden kann ob es mitarbeiten möchte oder aber aus dem Training aussteigen möchte. Das gelingt oft am besten wenn wir gar kein Halfter und Führstrick dabei haben, sondern frei mit dem Pferd kommunizieren. Bei den oft leicht zu übersehenden passiven Stresstypen bedeutet schon ein leichtes Nachlassen in ihrer Mitarbeit oder ihrer Bewegungsfreude, dass sie wieder beginnen sich der Trainingssituation zu entziehen und sich in sich selber zurückziehen. Hier benötigen wir viel Fingerspitzengefühl und müssen diese kleinen Anzeichen von Stress bei unserem Pferd präzise erkennen können, um zu entscheiden ob wir es noch in diesem Stadium zur Mitarbeit motivieren können oder doch lieber unser Training hier beenden sollten solange sie noch Spaß an unserem Miteinander haben.

Alles Liebe, Marlitt

Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt