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RPlus | Das echte Spiel
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Spielzeit

 

Das Spielen ist ein elementares Erlebnis für Mensch und Pferd. Es bereitet uns wahrhaftig viel Freude, es beschenkt uns mit ganz außergewöhnlichen Erlebnissen und fördert die Kreativität des Einzelnen und die Beziehung der Spielpartner zueinander. Zudem finden Pferd und Mensch über das gemeinsame Spiel häufig zu neuen Bewegungsmustern oder zu mehr Bewegungsfreude. Stellen sich nur die Fragen: Ab wann ist ein Spiel wirklich frei und selbstbestimmt? Wie kann ein Spiel mit einem Pferd aussehen? Und welche Rolle kann überhaupt das Thema Clickertraining dabei spielen?

Spielst Du tatsächlich mit Deinem Pferd?

Oder nennst Du Spiel,

was in Wirklichkeit kein Spiel ist?

Clickertraining ist kein Spiel!

 

Oft genug verwenden auch wir beim Clickertraining oder Anhänger der  Methoden der positiven Pferdeausbildung Begriffe wie „spielerisch“, oder „im Spiel“. Dabei ist das Training an sich natürlich zumeist kein Spiel im Sinne der biologischen Definition. Das echte Spiel ist charakterisiert durch das  Vorhandensein einer Vielzahl von spezifischen Merkmalen. Es werden scheinbar sinnlos keinem aktuellen Zweck zuzuordnende Bewegungsabfolgen miteinander kombiniert. Dabei wechseln die Spielpartner immer wieder ihre Rollen und versichern sich gegenseitig ihrer positiven Absichten. Das Spiel an sich folgt keinen allgemeingültigen Regeln. Es ist frei gewählt und nicht von einem Part dominiert oder gesteuert.

Aspekte des Spiels nach Caillois

 

Für den französischen Philosophen Roger Caillois lässt sich das Spiel unter verschiedenen Aspekten betrachten. Für ihn gehören die folgenden Punkte zu den fundamentalen Eigenschaften des menschlichen Spiels, was sich aber auf das übergeordnete Prinzip des Spiels der Tiere untereinander übertragen lässt.

Die Merkmale des Spiels

 

Die Merkmale des Spiels sind die freiwillige Teilnahme der Mitspieler, der nicht zielgerichtete unproduktive Ausgang des Spiels, die räumliche sowie zeitliche Begrenzung des Ereignisses, das Vorhandensein unausgesprochener Spielregeln, die Schaffung einer fiktiven Wirklichkeit und der ungerichtete Ablauf, sowie das Fehlen eines feststehenden Ziels. Kennzeichnend sind weiterhin die Grundlagen eines jeden Spiels: Wettkampf (Agon), das Zufallsprinzip (Alea), das totale Glücksgefühl des erlebten Vergnügens (Ilinx) wie auch das Schlüpfen in eine andere Rolle (Persona).

Jenseits von Regeln

 

Das echte Spiel und die daraus erst entstehende Spielfeude lässt sich nicht in strenge „Wenn das passiert, dann mache ich immer das“ – Regeln einteilen. Dafür sind die möglichen, beteiligten Elemente viel zu vielschichtig. Selbstvergessen leitet beim tatsächlichen Spiel das Vergnügen die Bewegung der Pferde.

Unser Pferd als Spielball?

 

Beim Clickertraining gibt es in den meisten Fällen klar definierte Rollen, jede Bewegung ist zielgerichtet und damit reproduzierbar. Obwohl Pferde der Mimik zufolge viel Freude am Clickertraining zu haben scheinen, spielen sie zumeist aber nicht, sondern zeigen einen sehr hohen Grad an Konzentration und Aufmerksamkeit. Die Frage dabei ist immer, ob wir selbst nicht das Pferd zu einer Art Spielball degradieren, wenn wir uns daran festhalten, unser Training unbedingt als eine Art Spiel zu betrachten. Wenn nur einer spielt, sein eigenes Vergnügen im Vordergrund steht und man selbst im Moment total aufgeht, kann es dazu kommen, dass wir quasi vom Rausch des Moments mitgerissen werden. Sehr viele Clickertrainer berichten davon, nach und nach „Trainings-süchtig“ zu werden.

Gemeinsames Glück?

 

Wir halten es für sehr gefährlich einen ekstatischen Rausch um seiner Selbst willen immer wieder ausleben zu wollen, ohne darauf zu achten, dass auch für den anderen ein Glücksmoment geschaffen werden kann. Reines Clickertraining erfordert auf beiden Seiten extrem viel Konzentration und die Einhaltung genau festgelegter Abläufe – also ist hier somit wenig Raum für wirklich echte Spontanität. Während der Mensch sich zum einen aus freien Stücken für das Ausleben dieser Eigenschaft entscheiden kann und zum anderen von der Beschaffenheit seines Gehirns als durchaus rational arbeitenden Geistes eher für eine konzentrierte Art der Beschäftigung geschaffen ist, ist der für das Clickertraining nötige hohe Konzentrationslevel für das Pferd nicht gerade der alltägliche und vermutlich dadurch auch nicht angenehmste Zustand. Überforderung ist so sehr leicht möglich.

Sich gemeinsam entfalten dürfen

 

Daher möchte ich neben wirklichen Trainingssessions, bei denen ich eine bestimmte Verhaltensweise trainieren möchte und so eine Richtung des Prozesses vorgebe, auch immer wieder mit meinen Pferden spielen. Denn im freien Spiel erfahren wir viel über die Persönlichkeit des Pferdes und über uns selbst. Hauptsache wir begegnen den Tieren nicht immer in unserem Trainingsmodus, sondern bleiben aufmerksam für ihre Stimmung und die Bedürfnisse uns auch mal auf eine andere Weise erleben zu dürfen.

Unzählige Möglichkeiten

 

Es gibt schier unendliche Möglichkeiten Pferde zum Spielen zu animieren. Wir können eine kleine Schnitzeljagd veranstalten und auf einem Spaziergang Möhrenstücke verstecken, einen Apfel aus einem Wasserbottich herausfischen lassen, mit einem großen Gymnastikball „Fussballspielen“ oder ein Spielzeug apportieren. Im folgenden Text möchte ich aber eher ungewöhnliche Spielerlebnisse schildern, die sich viele von uns noch nicht zutrauen oder von denen viele nicht wussten, dass auch Pferde daran Spaß haben könnten.

Echtes Spielen aus Pferdesicht

 

Tief auf die Vorderfußwurzelgelenke gebeugt knien die beiden Kontrahenten voreinander. Total auf ihr Gegenüber fokussiert, alle Muskeln aufs Äußerste gespannt und die Oberlippe rüsselartig verlängert. Schnell umkreisen sich die beiden Pferde, steigen sich gegenseitig an und gehen komplett im ausgelassenen Spiel auf. Sie sind voll und ganz in ihrem Element, sprühen vor Energie und zeigen eindrucksvoll ihre Beweglichkeit und Schnelligkeit. So wird aus so manchem gemütlichen Wallach im Spiel ein wilder Hengst. Doch wie kann man sich das Spiel aus Pferdesicht vorstellen? Was erleben sie während des Spiels und wie können wir diese Vorstellung auch auf das Miteinander zwischen Pferd und Mensch übertragen?

Spielerisch die Welt erkunden

 

Pferde erkunden spielerisch ihre Welt, indem sie unterschiedliche Verhaltensmuster testen und ihre Reaktionsfähigkeit schärfen. Das funktioniert nur, wenn das Pferd voll in die Spielwelt eintauchen kann, es sich also vom Spielthema mitreißen lässt und mit Genuss seine Rolle auslebt. Erst dann wird die Spielwelt zu einem mentalen Raum der Fantasie und das Pferd Teil des spielerischen Geschehens. Pferde messen im Spiel untereinander ihre Kräfte, indem sie in einen angedeuteten Wettkampf treten.

Raum für Spontanität

 

So erproben sie ihre eigenen Fähigkeiten, lernen sich selbst von einer anderen Seite kennen und knüpfen enge Beziehungen zu ihrem Spielpartner. Spiel bedeutet auch immer eine Beteiligung des Elements Zufall.

Ein fröhlicher Spritzer Lebensenergie, ein extraköstliches Schlückchen Glück breitet sich über das Belohnungszentrum im Gehirn und damit im gesamten Körper aus.

Das Spiel unter Pferden ist immer dann besonders anregend, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht und die Partner ähnliche Spielarten bevorzugen. Dabei spielen sie im Objektspiel mit einem geeigneten Gegenstand, wechseln die Rollen im sozialen Spiel mit einem Artgenossen. Hier stehen gerade Laufspiele hoch im Kurs, bei denen ständig zwischen Jäger und Gejagtem gewechselt wird und auch der Pferdesenior nochmal zu einem rasanten Draufgänger werden kann.

Element Bewegung

 

Im echten Spiel kann ein Pferd bestimmte Anteile seiner Persönlichkeit ausleben, die vielleicht im Alltag wenig Beachtung finden würden. Es kann mutig, wild und rasant sein und frech und fordernd auch ein starkes Gegenüber gefahrlos mal herausfordern. Im Spiel unter Pferden dreht es sich oft um das Element Bewegung.

Ausleben der Fantasie

 

Es geht um Geschwindigkeit, Ausstrahlung, Wendigkeit und den damit verbundenen Nervenkitzel vielleicht schneller, stärker oder eleganter als der Spielpartner zu sein. Viele Pferde blenden im Rausch eines solchen Bewegungsspiels für einen Moment die tatsächliche Erlebniswelt aus und geben sich voll dem Spiel mit den Bewegungen hin. Das Ausleben der eigenen Fantasie regt als kreativer Prozess immer auch sehr viele unterschiedliche Hirnregionen an und fördert so neben seiner Wirkung auf die Bewegungsfähigkeit und die Ausdrucksmöglichkeiten des Pferdes auch seine kognitiven Fähigkeiten.

Individuelle Vorlieben

 

So ist es ideal wenn sich in einer Herdengemeinschaft für jedes Pferd ein passender Spielpartner finden lässt. Erwachsene Stuten spielen dabei wesentlich seltener als erwachsene Wallache oder Hengste, bzw. ist ihr Spiel sehr oft von uns Menschen gar nicht immer leicht als solches zu erkennen. Ihnen reicht es häufig schon vollkommen eine lange gerade Strecke auf der Weide im gestreckten Galopp an der Seite ihrer Freundin zurückzulegen und auf die ungestümen Wallachspiele zu verzichten. Auch das Bocken und Steigen kann ein solcher Ausdruck der Freude sein und als spielerisches Element mit einbezogen werden.

Unsere Rolle als Spielpartner

 

Wir Menschen können zu vertrauensvollen Partner unserer Pferde werden und ihre Intelligenz fördern, wenn wir passende Spielvariationen erfinden, schon bekannte Spielarten abwandeln und so spielerisch möglichst viele Bewegungsmuster und Aspekte des pferdischen Lebens im Spiel beschreiben.

Quelle Grafik: Designed by Freepik

Spielst Du schon?

 

Viele Pferdemenschen spielen entweder aus Sorge, dass ihr Pferd außer Kontrolle geraten könnte gar nicht mit ihrem Pferd oder aber sie spielen immer wieder genau dieselben Spiele mit immer dem gleichen Ablauf. So können oft nur wenige Spielvarianten entstehen und es kann schnell Langeweile aufkommen. Daher ist es sinnvoll sich immer wieder neue Spielstrategien zu überlegen und gemeinsam mit
dem Pferd zu entdecken.

Die Spielfreude herauslocken

 

Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für ein gelöstes Spielerlebnis mit Pferden ist dabei, dass unser Spielpartner Pferd keine Angst vor dem Menschen, vor Gegenständen oder seinen Bewegungsmustern haben darf. Ein vorsichtiges, ängstliches Pferd wird immer eher abwartend reagieren und wenig zum Spielen aufgelegt sein.

Unbeschwert spielen

 

In Spielstimmung zu kommen setzt bei Pferden eine generelle Entspannung voraus. Gerade dieser Faktor wird häufig unterschätzt, wenn es heißt „Mein Pferd spielt nicht“ oder „Es lässt sich nur schwer motivieren“. Viel zu viele Pferde haben unterschwellig Stress in Gegenwart von uns Menschen, sie fürchten womöglich eine unklare Aufgabenstellung, die Trainingsmethoden oder aber schlicht eine hohe Erwartungshaltung. In den allermeisten Fällen spielen auch erwachsene Pferde sehr gerne – nur nicht mit jedem, in jeder Situation und in jeder Stimmung.

Schwingungsbarometer Pferd

 

Viele Pferde reagieren äußerst empfindlich auf die emotionalen Schwingungen ihres Zweibeiners. Sie schaffen es dann zum Beispiel nicht sich vollkommen auf ein Spiel einzulassen, wenn sie spüren, dass auch der Mensch nicht selbstvergessen spielt und so seine Wünsche und Zielvorstellungen auf das Tier projiziert.

Siuationsabhängige Spiellaune

 

Manche können sich nicht auf das Spiel konzentrieren, wenn andere Pferde oder Menschen um sie herum intensiv mit anderen Dingen beschäftigt sind und so viel Ablenkung oder Unruhe entsteht. Wieder andere Pferde brauchen Sichtkontakt zu ihren Herdenmitgliedern um sich auf ein Spiel mit dem Menschen einlassen zu können. Die genannten Situationen können dann dazu führen, dass ein Pferd entweder gar nicht auf Spielaufforderungen des Menschen eingeht oder aber nur sehr gehemmt teilnimmt. So kann es nicht völlig aus sich herauskommen und sich ungezügelt seiner wilden Fantasie hingeben, sondern vielleicht nur vorsichtig mit den Blicken dem Spielzeug folgen oder mal zwei,
drei Schritte mit dem Menschen mitlaufen.

Faktor Selbstbestimmung

 

Um die Spiellaune bei unseren Pferden zu wecken, ist eine entspannte Atmosphäre und ein behutsames, nicht aufdringliches Spielangebot nötig. Spielstimmung kommt etwa dann oft auf, wenn man selbst versunken mit einem Spielzeug spielt, ohne das Pferd zunächst aktiv mit einzubeziehen oder zu bedrängen. Oder indem man Blickkontakt sucht, den Blick wieder abwendet und selbst in dem Laufen oder Hüpfen aufgeht. Doch Vorsicht: All das wird nur funktionieren, wenn die eigene Energie nicht völlig unterschiedlich zur Energie des Pferdes ist, und nur dann wenn man es schafft, das Pferd nicht zu überrumpeln und zu nötigen. Es ist eben ein Unterschied, ob jemand bespielt wird oder ob man gemeinsam spielt. Pferde erkennen das ganz genau.

Die Pferdefantasie wecken

 

Der Reiz der plötzlichen Bewegungsdynamik und das Spiel mit dem Unvorhergesehenen ist der Antriebsmotor der Pferdefantasie. Viele Pferde werden unwiderstehlich von einer Reizangel, also einem mit einem Seil an einen langen Stab befestigten Gegenstand wie einem Plüschtier oder einer Plastiktüte, die der Mensch schwenken und vor dem Pferd hinwegziehen kann, angezogen. Der Reiz liegt darin, dass die Reizangel sich zwar im Feld der Aufmerksamkeit befindet, aber eben eher unauffällig bewegt wird oder deren Ende erst einmal vorwitzig hinter einer Pylone am Boden hervorlugt. Fast jedes Pferd wird da aufmerksam einen ersten Blick riskieren.

Töte die Schlange!

 

Hält sich der Mensch nun an die Pferdeetikette, so kann er beobachten wie der gemütliche Träumer zu einem mutigen Wildpferd mutiert und bockend herumsprint. Vielleicht wird es sich zunächst auf das Beobachten beschränken, schnell aber folgt es dieser Einladung in diese archaische Welt der Jagd und taucht ein in das seit Pferdegedenken heißgeliebte „Töte-die-gefährliche-Schlange“-Spiel.

Ausgelassenheit

 

Umso realistischer und variationsreicher der Mensch diese Reizangel bewegt, desto intensiver und spannender wird das Spielerlebnis für das Pferd. Vorteil bei dieser Art des Spiels ist außerdem, dass das Pferd durch den Stab an dem das Spielzeug befestigt ist auf Abstand zum Menschen bleibt und so ein ausgelassenes Spiel ohne Verletzungsrisiko für den Menschen entstehen kann.

Bewegungsdynamik entstehen lassen

 

Wie bei einer echten Situation im Wildpferdeleben, in der das Leben eines Fohlens durch die Schlange am Boden bedroht ist, wird der innere Erregungslevel steigen, das Pferd wird sich aufmerksam auf das Objekt fokussieren. In diesem intensiven Erleben wird es vielleicht einen riesigen Sprung auf das Spielzeug zu machen um mit den Vorderbeinen danach zu treten, es im schnellen Galopp verfolgen oder nach einem Treffer bockend zur Seite springen. Ein solcher Spielmoment wird oftmals sehr dynamisch und zielgerichtet erfolgen, denn aus Pferdesicht ist aus dem Spielzeug an der Angel schon lange eine prickelnde kleine Bedrohung geworden, die vom mutigen Pegasus im Fluge bekämpft werden kann. Ein solches Spiel fördert damit auch das Selbstbewusstsein des Pferdes ungemein.

Mit den Augen des Pferdes

 

Pferde empfinden eine solche Spielsequenz nur dann als lustvoll und befriedigend, wenn es in sich stimmig ist und der Mensch alles dafür tut, dass die Fantasie weiter angeregt wird und es nicht abrupt zurück in die Realität geholt wird. Es muss eine Spielwelt entstehen, in der das Pferd sich als handlungsfähig, mutig und zielsicher erleben kann ohne gleichzeitig Angst zu verspüren.

Schlummernde Instinkte wecken

 

Es geht dabei zum einen um Authentizität, also dass wir uns im Klaren darüber sind welche Art von Spiel wir gerade spielen. Also ob wir uns quasi eine Schlange an unserer Angel vorstellen, die sich am Boden bewegt und nicht fliegen kann. Diese Art des Spiels würden viele von uns eher nur unseren Hauskatzen zusprechen, aber hier werden tief im Pferd schlummernde uralte Verhaltensmuster aktiviert wenn sie ein Plüschtier betrampeln oder einen Gymnastikball nachjagen. Wir bemühen uns immer das Spielzeug so agieren zu lassen dass die Illusion möglichst perfekt ist. Daneben geht es aber auch darum bei dieser Beschäftigung die richtige Art von Bewegung zu finden. Es ist wie bei uns Menschen: Der eine fürchtet sich schon in der Geisterbahn für Kinder, der nächste kann nachts jeden Horrorfilm schauen ohne sich zu gruseln. Ein solches Jagdspiel für Pferde darf etwas prickeln, also etwas Spannung erzeugen um es interessant zu machen, aber auf keinen Fall zu aufregend oder gar furchteinflößend werden. Das Pferd soll sich als Herr der Lage erleben und eben immer den imaginären Feind beherrschen.

Emotionen werden zur Bewegung

 

Generell reagieren Pferde im Spiel ob mit oder ohne Spielzeug stark auf Bewegungen. Sie orientieren sich an der Geschwindigkeit, der aufgewendeten Energie und den Bewegungsmustern. Es können sich beispielsweise schnelle Bewegungen mit einem kurzen Verharren und einer spontanen Richtungsänderung abwechseln. Ein elementarer Fehler im Spiel mit einem Gegenstand ist, die Spiel-Erlebniswelt massiv zu stören, also wenn das Spielzeug gewissermaßen die Oberhand gewinnt und das Pferd sich bedroht fühlt. Im anregenden „Kampfspiel“ wird generell viel Adrenalin ausgeschüttet. Es verschafft dem Pferd diese euphorisierten Momente. Dabei sind alle Sinne des Pferdes geschärft und hochaufmerksam.

Angst als Lust

 

Geschieht nun etwas unerwartet Ängstigendes, so wird dieser Moment ebenfalls sehr intensiv wahrgenommen. Insbesondere sensible Pferde empfinden dann einen Anflug von Angst, ihnen ist das vorher noch ausgelassene Spiel dann nicht mehr geheuer. Pferde erleben alles was in einer solchen Spielsituation geschieht als sehr existentiell. Eben dieses Phänomen hat vermutlich jeder schon einmal bei einem extrem spannenden Film selbst erlebt.Gibt man sich dem Thrill, dieser Art von „Angstlust“ hin, so wird man nicht etwa abgehärtet was das Erschrecken angeht, weil man es ja erwartet, sondern das eigene Herz beginnt immer heftiger zu pochen, je unheimlicher die Situation ist und schon eine unbedarfte Berührung des eigenen Partners kann dann zu einer Kreischattacke führen.

Sensible Pferde

 

Bei sensiblen Pferden kann aus einem kurzen Erschrecken in einer Spielsituation schnell eine generelle Vorsicht gegenüber dem Spiel mit dem Menschen entstehen. Nach einem solchen Erlebnis erscheinen viele Pferde erst einmal reserviert und schalten in einen Modus der Vorsicht um sich dann wieder der Herausforderung zu stellen. Hier gilt es immer abzuwägen wie viel Aufregung bzw. Anregung wir unserem Pferd zumuten dürfen. Im Spiel können wir in der Sicherheit unserer gewohnten Umgebung und mit vertrauten Personen für uns ungewöhnliche Verhaltensstrategien erproben und uns an mental anspruchsvolle Herausforderungen wagen.

Unterschiedliche Spielphasen

 

Jedes Spiel, ob ein Objektspiel mit einem Spielzeug oder aber ein Laufspiel hat verschiedene Spielphasen. So gibt es meist ein warming-up, also eine Sequenz in der beide Seiten erst einmal auftauen und sich gegenseitig kennenlernen. In dieser Phase einigen sich die beiden Spielpartner nonverbal auf die Spielregeln und kommen wirklich in die Spielstimmung. Dann erst folgt die ausgelassene Haupt-Spielphase, die geprägt ist von der Interaktion – entweder mit dem Spielobjekt oder dem Spielpartner. Viele Menschen vergessen aber die abschließende Endsequenz, die für das Pferd eine ungemein große Bedeutung besitzt.

Selbstbestimmte Spielergebnisse

 

Beim Objektspiel etwa brauchen Pferde das Erfolgserlebnis, das Erreichen eines vom Pferd selbstbestimmten Spielergebnisses. Beim Laufspiel folgt der Phase, welche von hoher individueller Energie geprägt ist, das Stadium der Synchronisation der Bewegungen. Hier versichern sich die Spielpartner gegenseitig, das Spiel ruhig zu beenden. So können wir oft beoachten, dass die am Spiel beteiligten Pferde noch einige Runden im Gleichschritt oder parallel in einen großen Kreis auslaufen.

Der Kreativität freien Lauf lassen

 

Das Spiel bietet uns ein enorm großes Potential die Kreativität unseres Pferdes zuzulassen und zu fördern, aber vor allem können wir so unserem vierbeinigen Partner unser Einfühlungsvermögen und Vertrauen kommunizieren – die Grundlagen für eine achtsame Beziehung von Pferd und Mensch.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt