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RPlus | Der unbeabsichtigte tertiäre Verstärker
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Der Click-Blick 🙂

 

Immer wenn ich mit Pferd-Mensch-Teams gemeinsam trainiere, versuche ich durch meine Beobachtungen herauszufinden wo aktuell der größte Handlungsbedarf besteht, um ihr Potential aber auch mögliche Fehlerquellen besser verstehen zu können. Das R+ – Training ist dabei nur auf den ersten Blick einfach, da es bei genauerer Betrachtung erst seine wahre Bandbreite und damit auch seine kleinen Stolperfallen offenbart. So wird jedem Clickertrainer zu Beginn beigebracht auf ein gutes Timing zu achten, um ja keinen Moment als Möglichkeit zu clicken zu verpassen in dem das gewünschte Verhalten gezeigt wird. Der sekundäre Verstärker, also in diesem Falle der Click folgt direkt so schnell wie irgend möglich auf das gewünschte Verhalten; der primäre Verstärker, also zum Beispiel die Futterbelohnung direkt danach – soweit die Theorie.

Wenn der Blick zum Verhängnis wird

 

Theoretisch gibt es ja eine endlose Reihe an Verstärkern, denn es kündigt immer ein Verstärker den Nächsten an. So gibt es eben nicht nur die vereinfacht dargestellten sekundären und primären Verstärker sondern eine lange Reihe von Verstärkern. Gerade die tertiären Verstärker, also jene welche den sekundären Verstärker, in diesem Beispiel den Click ankündigen, sind für mich immer wieder einen intensiven Blick im Trainingsverlauf wert. In der Hoffnung vom Timing her so geschickt wie möglich zu werden, merken viele meiner Kursteilnehmer gar nicht, dass sie ihr Pferd bzw. ein bestimmtes Körperteil des Pferdes intensiv anstarren bevor sie clicken. Aber auf der anderen Seite aus Sicht des Pferdes wird niemals ein Click gesetzt, wenn der Mensch seinen Blick abwendet und woanders hin schaut. Dieser ganz bestimmte Click- Blick wird somit zu einem starken tertiären Verstärker.

Weitreichende Folgen

 

Eine mögliche Konsequenz dieser unbewussten Bestärkung unsererseits, die weit verbreitet ist, kann sein, dass unser Pferd immer wieder versucht sich zunächst an den hochbestärkten Ort, nämlich in das Blickfeld des Menschen zu begeben. Viele scheinbare Höflichkeitsprobleme sind im engeren Sinne gar keine, sondern spiegeln einen weitverbreiteten Trainingsfehler des Menschen wider. Das Pferd hat eben einfach nicht gelernt, dass es sich auch lohnen kann einmal nicht im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen. Die Macht dieses tertiären Verstärkers ist so groß, dass viele Pferde unruhig auf diese Weise versuchen ein mögliches Szenario für einen Click zu suchen, um damit eine Belohnung zu erhalten. Geht der menschliche Trainer nun darauf immer wieder ein, so wird sich diese Situation in seiner Gesamtheit natürlich weiter verstärken. Bald ist es kaum noch möglich sein Pferd, welches sich in Trainingsstimmung befindet, nicht mehr ständig hochkonzentriert zu beobachten.

Ein Lösungsweg

 

Für mich ist es daher extrem wichtig immer wieder bewusst Übungen zu finden, in denen der Mensch das Pferd nicht direkt ansieht. Beispielsweise wenn das Pferd auf einer Matte als stationärem Target steht, so kann man beim Umrunden des Pferdes oder beim sich Entfernen bewusst oft in den Konstellationen clicken, in denen man vom Pferd abgewandt ist. So lernt das Pferd nach und nach, dass die intensive Beobachtung des Menschen keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines Clicks hat, sondern im Gegenteil Clicks nun auch in scheinbar unbeobachteten Momenten möglich erscheinen.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt