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RPlus | Die echte Pause
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Ruhe in sich finden

 

Futter ist ein riesiger Motivator für Pferde, daher ist es auf der einen Seite so einfach Pferde über Futterlob zu trainieren, auf der anderen Seite aber so schwierig, das Training dennoch mit einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit zu gestalten. Ich treffe auf meinen Seminaren immer wieder Pferde bei denen es kaum möglich ist, in Anwesenheit von Futter neben dem Menschen einfach zu entspannen. Eine echte Pause ist nicht mehr möglich, es werden pausenlos entweder Lektionen abgespult oder aber in einer inneren Anspannung verharrt, in der das Pferd quasi innerlich mitzählt und so auf den nächsten Click wartet. Eine solche konzentrierte, aufgeregte Aufmerksamkeit ist nicht nur mental äußerst anstrengend für das Pferd, sie birgt auch die Gefahr, dass sich Unruhe- bedingte Unachtsamkeiten häufen und sich nach und nach in die gemeinsame Zeit einschleichen. Im folgenden Video möchte ich einmal zeigen, wie ich mir ein entspanntes Pferd in einer Trainingspause vorstelle. Vollblutaraberstute Salima und ihr Lieblingsmensch Lea zeigen uns hier einen Ausschnitt aus ihrem Alltag an einem meiner Kurstage.

Was sind die Merkmale einer entspannten Pause?

 

Salima zeigt uns hier im Video sehr schön die wichtigsten Aspekte, auf die ich in Trainingspausen innerhalb einer Session gerne achte:

Untertitel auf Deutsch und Englisch verfügbar

Körpersprache

 

Salima bewegt sich relativ wenig, sie bleibt in der Nähe des Menschen stehen ohne andauernd anzufragen, was denn die nächste Aufgabe sein könnte oder gar eine Person zu bedrängen. Dabei hält sie den Kopf relativ niedrig und balanciert sich immer wieder neu aus. Es geht also nicht darum, dass das Pferd wie in Stein gemeißelt minutenlang in immer derselben Position verharrt, sondern einfach bequem steht. Angenehmes Stehen bedeutet auch wiederholte Positionsveränderungen, damit der Körper nicht einseitig belastet ist und schnell ermüdet. Daher trainiere ich in Pausensituationen die Körperhaltung nur nebenbei und ungefähr. Das Pferd soll also gar nicht eine exakt definierte Position einnehmen, sondern selbst zur Ruhe kommen und eine angenehme Haltung für sich selbst finden.

Glossar – Kurzgesagt

Schildern

 

Ein mögliches Merkmal von Entspannung in Trainingspausen ist das sogenannte Schildern, das Aufstellen eines Hinterbeins. Salima macht es sich im Stand bequem und zeigt uns so dass sie nicht davon ausgeht, dass sofort wieder eine Anfrage unsererseits zu erwarten ist. Sie kann sich für ihre eigene Entspannung Zeit nehmen und total zur Ruhe kommen.

Freiheit

 

Salima bleibt ohne Halfter und Führstrick (meistens ;-)) bei uns. Eine Pause im Training bedeutet für mich auch, dass wir mit offenen Sinnen beobachten ob das Pferd freiwillig bei uns bleibt und sich der Stimmung anpasst, oder ob und wann es weggeht. Daraus können wir viel über die Trainingsstimmung und die unterschwelligen Anforderungen, die ein Pferd verspürt, lernen. Salima kann sich in dieser Situation frei entscheiden ob sie stehenbleibt oder weggeht. Bleibt sie bei uns, so wird ihr keine genaue Postion vorgegeben, sondern sie findet ihren eigenen Platz.

Die menschliche Rolle

 

Lea zeigt uns hier alle wichtigen Merkmale einer geschickten Pausengestaltung. Ihre Körpersprache ist reduziert, langsam und ruhig. Sie stellt weder neue Anfragen an Salima, noch lenkt sie die Aufmerksamkeit des Pferdes ständig auf sich, indem sie sie beispielsweise berührt. So kann Salima erleben, dass es Phasen im Training gibt, die keine besondere Konzentration erfordern, sondern geprägt sind vom Nebeneinander und Miteinander.

Fokus und Aufmerksamkeit

 

Die hohe Kunst der Trainingspause erfordert es selbst entspannt zu bleiben und sich selbst nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sich Zeit nehmen, den Moment zu genießen und sich vorzustellen man könnte wenn nötig auch stundenlang einfach mal nichts tun, hilft auch dem Pferd sich in einer Ruhepause einzufinden. Das gemeinsame gleichmäßige ruhige Atmen findet ebenso Raum wie ein sanfter, nicht fokussierender Blickkontakt. Ruhe und Entspannung ist für mich ein so wichtiger Baustein im Training, dass ich immer wieder solche Pausen einbaue und diese bewusst auch nach „aufregenden“ Einheiten oder schnellen Bewegungen als Insel der Ruhe ansteuere. Als Richtlinie bemühe ich mich gerade bei Anfängerpferden mindestens genauso viel Zeit in die Pausen zu investieren, wie in das eigentliche Training konkreter Verhaltensweisen. Nur so bleiben die meisten Pferde weich und ausgeglichen und können sich auf ihre Aufgaben ausgeruhter konzentrieren. Ich versuche auch meine eigene Aufmerksamkeit bewusst vom Futter wegzulenken, um wirklich Momente zu schaffen, in denen diese sonst so wichtige Komponente der positiven Verstärkung einmal keine Rolle spielt. Das Futter ist zwar natürlich auch in der Pause da, der Futterbeutel ist sichtbar und das Pferd riecht die unterschiedlichen Futtermittel vermutlich sehr intensiv, es wird aber nicht ständig eingesetzt ein konkretes Verhalten aufzubauen, sondern nur hin und wieder überreicht um die gesamte Atmosphäre positiv zu belegen und den Fokus des Pferdes nicht auf einzelne Verhaltensdetails zu lenken.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt