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RPlus | Einsatz von Futterbällen im Training
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Lernaspekte

 

Ich arbeite im Training mit meinen Pferden und mit den Pferden meiner Schüler sehr gerne auch mit Futterbällen. Diese Bälle bestehen aus stabilem Kunststoff, die eine Öffnung haben durch die man Leckerlis oder Trockenfutter einfüllen kann. Diese Öffnung lässt sich teilweise verengen, so dass es je nach Futterart und Öffnungsgrad mehr oder weniger schwierig ist das Futter durch die Rollbewegungen am Boden herauszukitzeln. Diese Spielzeuge erscheinen auf dem ersten Blick doch recht unspektakulär, aber es ist erstaunlich wie viele verschiedene Lernanreize und kognitive Herausforderungen in dieser kleinen Kugel verborgen liegen. Unser Pferd hat automatisch von sich aus einen hohen Anreiz sich mit dem Ball zu beschäftigen, da immer wieder begehrte Futterbelohnungen wie aus dem Nichts erscheinen. Durch diesen selbstbelohnenden Mechanismus ist dieses Spielzeug vielseitig einsetzbar, um sich selbst und dem Pferd die Vielfalt der positiven Verstärkung zu verdeutlichen.

Aspekt Nummer eins: Aktives Verhalten lohnt sich

 

Lassen wir unser Pferd mit passenden leicht herauszurollenden Leckerlis allein, so wird es schnell entdecken, dass es sich lohnt diesen neuen Gegenstand zu untersuchen. Es fallen immer wieder Leckerbissen auf den Boden und motivieren das Pferd so zu aktivem Verhalten. Generell ist es im positiven Pferdetraining immer unser Ziel, dass unser Pferd seine Selbstwirksamkeit erlebt. Es soll erfahren, dass sich seine Bemühungen direkt lohnen, dass es sich gut anfühlt neugierig zu sein und Dinge auszuprobieren. Später möchten wir diese Empfindungen auch in unserem Training dem Pferd ermöglichen, hier aber wird bei der Beschäftigung mit dem Futterball völlig unabhängig von uns ein unmittelbares Glücksgefühl erzeugt.

Aspekt Nummer zwei: Geduld zahlt sich aus

 

Im Verlauf des Spiels fallen dem Pferd immer wieder Futterbrocken direkt vor die Nase. Hat es einmal den Dreh raus, so wird es den Ball sehr geschickt lenken, um möglichst schnell an die Leckerlis zu kommen. Verkleinern wir nun die Öffnung Stück für Stück, so wird es schwieriger an das Futter zu gelangen. Der Ball muss nun länger gerollt werden, um einen Bissen abzubekommen. Spielerisch lernt unser Pferd auf diesem Wege sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren und geduldig dranzubleiben. Es kann so in seinem eigenen Lernkosmos erfahren, dass Erfolgserlebnisse nicht immer im Sekundentakt erfolgen, sondern manchmal ein gewisses Maß an Geduld erfordern.

Aspekt Nummer drei: Um die Ecke denken

 

Das Spiel mit dem Futterball verdeutlicht dem Pferd ganz nebenbei, dass es immer erst eine Handlung, nämlich das Rollen des Balls mit der Nase erfordert, bevor eine Belohnung, also Futter das aus der Öffnung fällt, erfolgt. So kann unser Pferd auf diesem Wege ganz einfach das Prinzip unseres positiven Pferdetrainings kennenlernen, ohne die manchmal ablenkende Anwesenheit eines menschlichen Trainers mit dessen eigenen Unzulänglichkeiten. Hier erlebt es selbstbestimmt die fundamentale Verknüpfung: Erst konzentriert handeln – dann den verdienten Erfolg genießen.

Aspekt Nummer vier: Bedeutung eines Markersignals

 

Fällt ein Leckerli aus der Öffnung, so gibt es ein je nach Ball und Untergrund charakteristisches Geräusch. Das Pferd clickt sich gewissermaßen mit dem Ball selbst. Es hört einen akustischen Marker auf den eine Futterbelohnung folgt. Wollen wir uns selbst nun schulen, ohne dass wir wie bei anderen Clickerübungen aus der Hand füttern und mit unserer Handbewegung immer auch eine Fehlerquelle einfließen lassen, so können wir unser gewähltes Markersignal immer genau in dem Moment ausführen, wenn das Leckerli eh herausfällt. Damit begleiten wir die automatisch stattfindende Konditionierung beiläufig mit unserem Belohnungston und haben im ersten Arbeitsschritt nicht die möglichen Schwierigkeiten, die eine Handbewegung zum Futter mit sich bringt. Wir etablieren so eine klassische Konditionierung und sind dabei quasi körperlich gar nicht anwesend, sondern begleiten diesen Prozess unsichtbar nur durch den Hauch unseres Markersignals.

Geeignete Futtermittel für den Futterball

 

Das ausgewählte Futter muss mehrere Kriterien erfüllen. Im Idealfall soll es dem Pferd natürlich schmecken, möglichst gesund sein und leicht aus dem Ball herauszubekommen sein. Feuchte Futtermittel wie Möhren- oder Apfelstückchen eigenen sich erfahrungsgemäß nicht, da sie im Inneren des Balls festkleben. Besser sind je nach Größe des Spielzeugs und der Form der Öffnung gepresste Futterpellets, Getreidekörner wie Hafer oder Gerste oder getrocknete Hagebutten. Wenn ich das Spielzeug neu einführe achte ich darauf, dass wir nicht gerade auf ungünstigen Untergründen arbeiten. Gras ist für das Anfängerpferd schwierig, weil die Ablenkung durch das schmackhafte Grün meist zu groß ist und es schnell das Interesse verliert sich anzustrengen, wenn es doch eh Halme zupfen kann. Sand als Untergrund ist ebenfalls ungünstig, da zum einen der Sand leicht in den Ball gelangen kann oder ihn von außen verschmutzt, zum anderen weil auch das herausgefallene Futter einmal sandig geworden nicht mehr gerne angenommen wird. Auch nicht ganz perfekt ist Betonboden, da insbesondere Bälle dort oft mit einem Schwung von der Pferdenase sehr weit rollen und sofort auf einen Dreh Unmengen an Leckerlis herausfallen. Ideal ist der Untergrund auf Paddockmatten oder mit einer großen, an den Seiten fixierten Plastikplane als Unterlage. Mit einer Plastikplane als Untergrund lernt das Pferd so ganz nebenbei auch auf ungewöhnliche Untergründe zu treten und diese mit den Hufen zu erkunden. So entsteht in Anwesenheit unserer magischen Futterkugel eine weitere eine Win-Win-Situation.

Ganz viel Spaß wünsche ich Euch, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt