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Elemente der Freiheitsdressur | RPlus
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Die Drehung

 

Zunächst einmal beschreibe ich das Zielbild, das du während des Trainings vor deinem inneren Auge aufbaust. Du gehst wie zum Führen neben deinem Pferd, lässt dich dann etwas langsamer zurückfallen etwa auf Schulterhöhe des Pferdes und gibst dein Signal für die Drehung (erhobener Zeigefinger dreht sich über dem Pferderücken). Das Pferd dreht sich von dir weg um die eigene Achse und kehrt in die Führposition zurück. Seid ihr schon fortgeschritten, so könnt ihr dies in allen Gangarten probieren oder auch auf Entfernung, etwa beim freien Longieren, so dass die Drehungen dann außen am Zaun stattfinden oder auch eine Kette an Drehungen hintereinander.

3 Wege zum Ziel

 

Soweit das Ziel, doch nun der Weg. Ich beschreibe 3 verschiedene Wege, die ineinander übergehen und die du ausprobieren kannst, wie sie am besten für dich umsetzbar sind. Sie haben alle Vor- und Nachteile, die ich versuche mit auszuführen. Ich beschreibe die Version, in der du links vom Pferd stehst und es sich nach rechts drehen soll. Wenn ihr andersherum übt, ist alles natürlich umgekehrt. Ich würde mindestens die nächsten Wochen, bis es die Übung perfekt beherrscht nur eine Richtung üben, sonst wird es vermutlich ein Riesendurcheinander und das Pferd wird nicht verstehen in welche Richtung es sich drehen soll:

Möglichkeit #1

Das Locken

 

Dies ist vermutlich die eleganteste Variante, allerdings auch die für den Menschen schwierigste. Voraussetzung dafür ist es, dass ihr beide euch in der Lage seht, konzentriert auf körperliche Veränderungen hin zu reagieren. Du stehst zunächst links neben dem Pferd in deiner Ausgangsposition mit Blick in die Richtung in die ihr gehen wollt, dann gehst du Rückwärts hinter seinen Po und berührst seine rechte Pobacke und zeigst ihm mit ausgestreckter rechter Hand eine Karotte. Vermutlich wird es sich nach rechts zur Möhre drehen, dann clickst du und gibst ihm sein Futter.

Vorwärts bewegen

 

Erst mal ist es egal wie weit es sich zu dir umdreht. Nach und nach berührst du die Pobacke nur noch ohne eine Wurzel in der Hand und clickst für das Herumdrehen des Kopfes zu deiner Hand am Po. Spätestens jetzt würde ich mit dem immer gleichen Ablauf beginnen, also erst dein späteres Signal, dann das Locken. Nach und nach gehst du nicht mehr ganz hinter ihm herum zur rechten Pobacke, sondern berührst nur von deiner linken Seite aus, soweit du halt rüberkommst. Immer wenn du siehst, dass es die Drehung ansetzt, würde ich das begeistert kommentieren und mich selbst in Bewegung setzten in die Richtung in die man ursprünglich geführt hat. So wird es zum Nachlaufen animiert. In diesem Falle clickst du, wenn die Drehung schon fast erkennbar ist. Ist es soweit, dass es eine ganze Umdrehung schafft, würde ich es immer beim Erreichen der normalen Führposition rechts neben dir clicken und belohnen.

Kognitive Höchstleistung

 

Vorteil bei dieser Vorgehensweise ist hier, dass es die Kreativität fördert und du sehr kleinschrittig arbeiten kannst, Nachteil ist, dass es eine hohe Denkleistung erfordert und man ein sehr starkes inneres Bild braucht, um das Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren

Möglichkeit #2

Das Target

 

Als optisches Hilfsmittel kann man für die Übungsphase ein Target verwenden. Dazu eignet sich ein biegsamer längerer Stab, etwa eine Bogenpeitsche oder ein Weidenzweig, an dem du oben einen Schaumstoffball befestigst (einfach Loch reinmachen und dann ankleben). Auch bei dieser Möglichkeit stehst du links neben dem Pferd und gibst zunächst dein späteres Signal. Dann bleibst du allerdings dort stehen und reichst den Stab über den Pferderücken, so dass das Pferd zumindest den Kopf nach rechts drehen muss, um den Ball zu erreichen. Wie mit der Fliegenklatsche clickst du zunächst jede Ballberührung. Nach und nach wandert der Stab (du bleibst möglichst stehen wo du bist) weiter nach hinten über seinen Rücken Richtung rechte Flanke, so dass unser Pferd nur noch rankommt, wenn es einen Ausfallschritt nach rechts macht.

Target ausschleichen

 

Ab jetzt clickst du nur noch für Bewegung + Ballkontakt. Dadurch führst du das Pferd quasi an diesem Target einmal im Kreis neben dir herum. Dabei musst du natürlich aufpassen, weil sein Hintern vermutlich in deine Richtung ausschwenken wird, dass du soviel Abstand wie nötig hältst. Kann es eine ganze Umdrehung neben dir mit Target ausführen, so schleichst du die Verwendung des Targets langsam aus, indem du erst dein Signal gibst, dann einen Moment lang innehältst und ihm erst dann mit dem Target hilfst. Reagiert es auch nur ansatzweise schon auf dein Signal ohne dass du den Stab über seinen Rücken geschwenkt hast, so clickst du auch schon für den Ansatz und führst die Drehung erst dann mit Target zu Ende. Nach und nach wartest du immer länger auf Eigeninitiative vom Pferd, bevor du clickst oder mit dem Stab den Weg weist.

Räumliche Orientierung

 

Vorteil dieser Methode ist es, dass sich das Pferd sehr gut orientieren kann, Nachteil ist es, dass man von dem Hilfsmittel Target wieder loskommen muss und eben auch die eigene Sicherheit beim Ausschwenken des Pos im Auge behalten muss.

Möglichkeit #3

Über Seilkontakt

 

Für diesen Trainingsprozess benötigst du anstelle des Targets ein langes Bodenarbeitsseil oder eine Longe. Zunächst trainierst du indem du neben dem Pferd stehst, dass es einen Click und eine Belohnung bekommt, wenn du Kontakt mit dem Seil zu seinem Kopf aufnimmst und es daraufhin den Kopf in die jeweilige Richtung bewegt. Dazu hängst du wenn du links neben ihm stehst den Strick auf der rechten Seite ins Halfter ein und führst es außen über seinen Hals, so dass es auf der Schulter liegt und du dort das Zügelende anfassen kannst. Nun nimmst du dort Kontakt (also es geht nicht darum zu ziehen, sondern eben um das Clicken für minimalen, sanften Kontakt) auf und clickst für das Kopfwenden nach rechts.

Dem Kontakt folgen

 

Nach und nach führst du das Seil weiter hinten über seinen Rücken und clickst für das Folgen in den Kontakt. Dann führst du das Seil ähnlich wie eine Doppellonge außen hinter seinem Po entlang. Wenn du nun Kontakt aufnimmst, entsteht vermutlich die erste halbe Drehung, für das Bewegen clickst du dann. Damit die Drehung vollständig ausgeführt wird, musst du, sobald es mit der halben Drehung fertig ist und das Seil nicht mehr hinter seinen Hinterbeinen, sondern wieder normal neben ihm ist in die ursprüngliche Führrichtung gehen und es für das Folgen belohnen. Auch hier würdest du nach und nach erst das Signal geben und immer weniger Kontakt mit dem Seil benötigen, das Pferd also immer mehr für das freie Agieren clicken, bis du irgendwann das Seil nicht mehr benötigst.

Klare Aufgabe

 

Vorteil ist hier wieder die sehr klare Aufgabenstellung und die relativ hohe Kontrolle über das Pferd, Nachteil das Ausschleichen der Abhängigkeit vom Führstrick.

Ich bin schon gespannt für welche Variante du dich entscheidest, Marlitt

Positive Verstärkung leben

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt