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RPlus | Erste Arbeit mit Futterpunkten
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Verständnis für ein Konzept beim Jungpferd

 

Nach und nach soll unser Jungpferd sehr viele verschiedene übergeordnete Trainingsinhalte kennenlernen. Es braucht ein Konzept dafür, in welche Richtung es sich bewegen soll, in welcher Geschwindigkeit oder in welcher Gangart. Ebenso ist es gerade bei der Arbeit mit positiver Verstärkung entscheidend, dass es lernt, wie unterschiedliche Lektionen unterschiedliche Rollen von Pferd und Mensch voraussetzen. Bei manchen Übungen, wie etwa wenn das Pferd am stationären Target warten soll, agiert der Mensch aktiv und das Pferd bleibt passiv. Bei anderen, wie bei der späteren Freiarbeit oder beim Longieren, agiert dagegen das Pferd aktiv und der Mensch eher passiv. Bei wieder anderen Gelegenheiten synchronisieren beide Partner ihre Bewegungen, beispielsweise beim Führen oder dem nebeneinander Stehen. Eine Möglichkeit das spätere Konzept der aktiven Rolle des Pferdes und dem eher passivem Part des Menschen zu entdecken, lässt sich bei der ersten Arbeit mit Futterpunkten und dem Stangenquadrat realisieren. Die zweijährige Islandstute Kátina wird in diesem Video von ihrem Herzensmenschen Barbara auf diesem Weg begleitet.

Untertitel auf Deutsch und Englisch verfügbar

Geschickter Übungsaufbau bei Jungpferden

 

Das Stangenquadrat soll vom Pferd im späteren Trainingsverlauf selbstständig umrundet werden. Damit das möglichst schnell gelingt, ist es wichtig, mögliche Fehlerquellen von vornherein auszuschließen. Kátina hat in ihrer bisherigen Zusammenarbeit mit dem Menschen wie fast alle positiv trainierten Jungpferde die Erfahrung gemacht, dass sie häufig und direkt in der Nähe des Menschen belohnt wird. Folglich lohnt es sich für sie zunächst am meisten ganz eng in Kontakt mit Barbara zu bleiben und sich vor allem an ihrer Nähe zu orientieren. Die Aufmerksamkeit von Kátina überhaupt auf die Stangen zu lenken und darauf, dass sie sich etwas von Barbara lösen und die Entfernung zu ihr erhöhen darf ist hier ein elementar wichtiges Lernniveau. Dazu wird das Stangenquadrat von Barbara geschickterweise relativ klein und angepasst an Kátinas Körpergröße gewählt und die Ecken werden durch beschwerte Ständer markiert. Durch diesen Umgebungsprompt wird Kátina sehr wahrscheinlich wesentlich seltener überhaupt versuchen über die Ecken abzukürzen, als es allein mit den Stangen am Boden der Fall gewesen wäre.

Exkurs – Neben der Spur

Konzept-Training

 

Ein wichtiger Aspekt bei Rplus ist das sogenannte Konzept-Training. Wir bringen unseren Pferden nicht nur ganz bestimmte eng gefasste Signale für eine definierte Handlung bei, sondern wir trainieren in vielen Fällen das Verständnis für grundsätzliche Denk-Konzepte, also der Einsicht in unsere gemeinsamen Ziele und dem Verstehen der eigentlichen Trainingssituation. Solche Grundvorstellungen können beispielsweise wie hier beim Stangenquadrat „innen und außen“ sein. In erster Näherung versteht das Pferd das Konzept rein auf dieses Übungsszenario auf die Stangen am Boden bezogen. Je mehr unterschiedliche Trainingsaufgaben das Konzept stützen und erweitern, desto schneller wächst das Verständnis für diese für das Pferd abstrakte Kategorie generell. So kann das Pferd später auf ein Signal für „außen“ beispielsweise im Agility-Parcours vom Menschen weg durch eine Gasse geschickt oder an einem Zaun vorbei gelenkt werden. Ein anderes Konzept wäre eine Grundvorstellung von „links und rechts“ zu trainieren, wie es bei Holzrückepferden sehr üblich ist. Der Mensch möchte dort allein durch sein Stimmsignal hinter dem Pferd stehend sein Pferd in eine der beiden Richtungen dirigieren. Viele weitere denkbare Möglichkeiten ergeben sich so aus diesem Konzept-Training, wir können so dem Pferd ganz unterschiedliche Aufgabensettings verdeutlichen oder die Bedeutung menschlicher Kategorien wie etwa klein und groß, das Konzept der Farbe oder die Formenvielfalt von Objekten unterscheiden lernen.

Futterpunkte geschickt wählen

 

Im Video wählt Barbara die Futterpunkte auf Höhe der einzelnen Ecken sehr geschickt. Damit Kátina zum einen möglichst gar nicht auf den Gedanken kommt die Ecken abzukürzen und zum anderen ihre Kreisbahn möglichst rund und damit am wenigsten anstrengend wird, ist es sehr sinnvoll, das Futter nach dem Click so weit wie möglich außerhalb des Stangenquadrats zu überreichen. Barbara geht also jeweils nach dem Click sehr zügig zum gewählten Futterpunkt und füttert Kátina am ausgestreckten Arm außerhalb der Stangen. Dazu verlässt sie selbst nur kurz zum Füttern ihre Position innerhalb des Quadrats und versucht im weiteren Verlauf möglichst in der Mitte des Quadrats zu bleiben. Die Fortgeschrittene Variante der Arbeit mit Futterpunkten zeigen uns Moon und Mirjam in diesem Kurs-Video:

Nicht vergessen: Konzept-Lernen ist anstrengend

 

Nicht nur für Jungpferde, sondern generell für alle Pferde und auch für uns Menschen ist jegliche Beschäftigung mit dem Konzept-Lernen mental anstrengend. Es ist eine kognitive Höchstleitung eigene Grundvorstellungen für abstrakte übergeordnete Lernthemen zu entwickeln. Daher sind Lernpausen mindestens genauso wichtig wie die Trainingseinheiten an sich. Das gesamte kleine Video mit Kátina und Barbara dauert gerade einmal gute zwei Minuten. Natürlich ist es von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich wie lang es sich konzentrieren kann, ganz allgemein kann man allerdings die Faustregel „je kürzer desto besser“ gelten lassen. Immer aufhören bevor Fehler auftauchen, das Pferd überfordert ist oder die Freude verliert, so bleiben wir gemeinsam motiviert und erreichen eine langfristige Steigerung der kognitiven Möglichkeiten.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt