q
Welcome to moose theme.
Enter any text or widget here.
RPlus | Fohlentraining
Marlitt Wendt, Conny Ranz, Pferdsein, RPlus, R+, Clickertraining, clicker training, Clicker, Clickern, Positives Pferdetraining, Positive Verstärkung, Pferdeverhalten, Pferde-Ethologie, Pferdeethologie, Equine ethology, Native horses, Shaping, Target, Pferdetraining, empowered equestrians, Wildpferde, positive reinforcement, positive reinforcement training, Zirkuslektionen, Bodenarbeit, Freiheitsdressur, Freiarbeit, Wenn Pferde lächeln, Belohnung, Belohnungslernen
354534
post-template-default,single,single-post,postid-354534,single-format-standard,eltd-cpt-1.0,ajax_leftright,page_not_loaded,,moose-ver-2.1, vertical_menu_with_scroll,smooth_scroll,side_menu_slide_with_content,width_370,blog_installed,wpb-js-composer js-comp-ver-5.5.2,vc_responsive

Objekttraining mit der Plane

 

Pferde, die schon in ihrer Fohlenzeit locker und entspannt an möglichst viele Außenreize herangeführt wurden, entwickeln sich meist zu gelassenen erwachsenen Pferdepersönlichkeiten. Dabei ist es wichtig behutsam vorzugehen, das Fohlen nicht zu überfordern und in seinem individuellen Lerntempo zu agieren. Die kleine Reitpony-Araberstute Chaba zeigt mit ihrem Herzensmenschen Lea am Beispiel des Objekttrainings mit der Plane in diesem Video wie die ersten Schritte im Gelassenheitstraining aussehen könnten.

Untertitel auf Deutsch und Englisch verfügbar

Entscheidungsfreiheit von Beginn an

 

Chaba ist in dieser so wichtigen ersten Trainingseinheit, in der sie zum ersten Mal die Plane kennenlernt bewusst frei. Sie soll die Gelegenheit haben ihr eigenes Tempo bei der Erkundung der Plane vorzugeben und ebenso die Möglichkeit haben sich einfach zu entziehen, wenn ihr die Situation doch zu unheimlich erscheint. Natürlich werden wir immer alles dafür tun, dass es nicht zu unangenehmen Sinneseindrücken kommt. Man kann allerdings nicht hellsehen und so ist es nicht ausgeschlossen, dass es winzige Momente geben kann, in denen man zu schnell die Anforderungen steigert und das Fohlen so mit den einprasselnden Reizen ein Stück weit überfordert.

Unbekannten Objekten den Schrecken nehmen

 

Ungewöhnliche Trainings-Objekte wie die Plane, die zusammengefaltet werden können, verlieren ihren Schrecken oft allein dadurch, dass man sie anfangs sozusagen in einer Miniversion präsentieren kann. So beginnen wir im Kleinen, erleichtern uns dabei das Hantieren mit der Plane und gewähren gleichzeitig dem Fohlen die Möglichkeit die Aufgabe im wahrsten Sinne des Wortes leichter „begreifbar“ zu erfahren. Lea zeigt Chaba also zunächst die zusammengefaltete Plane und belohnt sie großzügig für die Beschäftigung mit dem unbekannten Gegenstand. Gerade auch das aktive Zugehen von Chaba auf die Plane wird von Lea dabei belohnt. So lernt sie nicht nur die Plane kennen, sondern erfährt unterbewusst, dass es sich lohnt fremde Dinge oder Situationen mutig zu erkunden.

Position verändern

 

Die Position des Gegenstandes in Bezug auf das Fohlen wird dabei immer mal wieder beiläufig verändert. Die Plane kann nach und nach sowohl zu einem Tunnel hochgehoben unter dem Chaba später hindurchgeht, als auch auf den Boden gelegt werden, um einen ungewöhnlichen Untergrund zu schaffen über den Chaba gehen kann.

Erkundung mit allen Sinnen

 

Es gehört zum natürlichen Verhaltensrepertoire der Fohlen ihre Umgebung entdecken und erkunden zu wollen. Ihre Wahrnehmung entsteht nicht nur durch das bloße Betrachten eines Objektes, sondern durch die Erkundung mit all ihren Sinnen. So ist es wichtig, dass sie – sofern es der beteiligte Gegenstand aus Sicherheitsgründen erlaubt – die Gelegenheit bekommen ihn mit den Zähnen zu beknabbern oder ihn auch robust mit den Hufen zu inspizieren. Nur so kann sich ein vollständiges Bild von der Plane in dem noch jungen Geist ausbreiten.

Eigenen Fokus nicht verengen

 

Dabei sollten wir uns selbst beobachten, damit wir nicht uns nicht ungewollt schon auf eine bestimmte Handlungsabfolge oder Zwischenergebnis fixieren. In dieser Phase des Gelassenheitstrainings steht die Beschäftigung mit der neuen Situation und mit dem unbekannten Gegenstand im Vordergrund. Noch geht es um die reine Erkundung im eigenen Tempo, um die Entwicklung von Selbstvertrauen und nicht um eine bestimmte Handlung, die unbedingt in dieser Einheit trainiert werden soll. Die gewünschten Verhaltensweisen entstehen je mehr das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und den Menschen wächst, ganz von selbst. Es geschieht beiläufig, einfach als Folge der gemeinsamen Beschäftigung und der geschickt gewählten Belohnungen.

Aufhören, wenn es am schönsten ist

 

Wir warten im Training nicht ab bis Chabas Konzentrationsfähigkeit nachlässt, da wir so nur die Wahrscheinlichkeit für Fehler und Frustrationsmomente erhöhen und damit das positive Erleben unserer Trainingssession abwerten. Für den Moment reicht es vollkommen, dass sie sich freudig und ruhig der Herausforderung gestellt und Vertrauen in sich selbst entwickelt hat. So beenden wir die Übung mit der Plane einfach in einem besonders schönen Moment, in dem alles wie gewünscht funktioniert und führen Chaba sanft aus der Situation heraus. Hier entsteht ein weiteres Lernfeld, wenn Chaba immer noch dabei sein darf und beobachtet wie die Menschen sich nun ohne ihre Beteiligung mit dem Übungsobjekt beschäftigen. Die Helfer und Lea gehen sehr ruhig und selbstverständlich mit der Plane um. Sie achten auf ihre Reaktionen, geben ihr auch immer wieder die Gelegenheit interagieren zu können. So wird sie nicht ausgeschlossen, sondern kann sich als Teil der Gruppe bestehend aus drei Menschen und einem Fohlen fühlen. Ihre Mutter ist bei dieser Übung immer in Sichtweise gewesen und hat ihr so zusätzlich Sicherheit gegeben.

Ruhe und Zeit

 

Jede neue Lernerfahrung für das junge Pferdekind braucht Zeit und Muße. Fohlen können noch weniger als erwachsene Pferde etwas mit dem Gefühl der Hektik anfangen. Sie geraten unter Zeitdruck sehr leicht in Stress. Dieser Stress kann ihr Lernvermögen blockieren, macht sie unruhig und unsicher und kann so zu gefährlichen Situationen für Mensch und Tier eskalieren. Daher hat die Sicherheit für beide Seiten immer oberste Priorität. Die Arbeit in Ruhe ist dabei der größte Garant für ein sicheres Fohlentraining. Um nicht von den Reaktionen des Fohlens überrascht zu werden, beobachtet Lea ihre Chaba sehr genau. Sie nimmt ihre weiche Körperspannung ebenso wahr wie ihre Fähigkeit das Futter durchgehend ruhig entgegen zu nehmen. Schon erste kleine Anzeichen für Stress oder Unwohlsein sollten wir sofort selbstkritisch auf den Aufbau unserer Übung zurückführen. Wir möchten doch alle, dass sich unser Fohlen noch Jahre später gerne an seine ersten Schritte mit uns zusammen erinnert und diese schönen Momente mit der Nähe zu seinem Lieblingsmensch verknüpft hat.

 

 

 

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt