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RPlus | Fohlentraining
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Aller Anfang…

 

Der Start ins Pferdeleben gestaltet sich Dank positiver Verstärkung von Beginn an motivierend für das Pferdekind. Die grundsätzlichen Erziehungsaufgaben wie Führen, Hufe geben oder Aufhalftern sind dabei ebenso Thema wie Trainingsfragen wie etwa das Verständnis des Markersignals oder aber das Kennenlernen der inneren Ruhe in Anwesenheit von Futter. Die kleine 10 Monate alte Reitpony-Araberstute Chaba zeigt ihrem Mensch Lea was und wie ein Pferdekind besonders gerne lernt. Sie kennt bereits Futterlob, den Einsatz eines Markersignals und Kraullob. Im folgenden Video geben wir einige Einblicke in ihren Pferdekindergarten:

Untertitel auf Deutsch und Englisch verfügbar

Kraullob ist essentiell wichtig

 

Fohlen lieben es in der Regel gekrault zu werden. Lernen sie die Berührungen des Menschen so wie die kleine Chaba bereits in den ersten Tagen nach der Geburt als positiv kennen, so werden sie höchstwahrscheinlich ihr Leben lang die Berührung durch den Menschen mögen. Besonders leicht lernen sie das Kraulen zu schätzen, wenn wir versuchen herauszufinden wo die Lieblingskraulstellen am Körper des Fohlens sind. Diese Lieblingsstellen können sich durchaus je nach Jahreszeit ändern – mal juckt es im Fellwechsel vielleicht an der Bauchnaht, ein anderes Mal wird eventuell die Schweifrübe die bevorzugte Körperpartie des Fohlens sein. Chaba etwa genießt aktuell besonders das Popo-Kraulen. Wichtig ist auch die Dosierung des Drucks. Manche Fohlen mögen es kräftig gekrault zu werden, andere eher zarte Berührungen. Wir versuchen uns im Alltag möglichst viel Zeit zum Genießen zu lassen. Das Kraulen beenden wir bewusst nicht abrupt, sondern lassen es nach und nach weniger intensiv werden, bevor es komplett beendet wird.

Freies Arbeiten

 

Auch mit Fohlen kann in einem umzäunten Terrain frei gearbeitet werden. Das Üben ohne Halfter und Führstrick zeigt uns so direkt eigene Fehler auf, wir erhalten ein wichtiges Feedback des Fohlens darüber wie lange es sich konzentrieren kann oder wie leicht es in bestimmten Situationen gestresst ist. Dabei hat es immer die Gelegenheit sich frei im eigenen Tempo zu bewegen oder zu den anderen Pferden zurückzukehren. Die grundsätzlichen ersten Lektionen bei der Freien Bodenarbeit mit Fohlen sind in der Regel das freie Folgen im Schritt, das daraus prompt Anhalten, ein leichtes rückwärts Gehen und Wendungen in beide Richtungen.

Training mit Chaba

 

Mit Chaba trainieren wir das Spiegeln der Körpersprache des Menschen als Signal für die jeweilige Lektion. Sie lernt also Lea im vorgegebenen Tempo zu folgen oder auch auf ein Anhalten von Lea ihrerseits anzuhalten. Die intuitiv korrekte Reaktion von Chaba wird dabei hochfrequent gemarkert und mit Futter belohnt. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir in dieser Lebensphase der sanften und vor allem ruhigen Futterübergabe. Die Futterbelohnungen sollen kein Anlass für Chaba sein immer aufgeregter zu werden, sondern als Geschenke wahrgenommen werden. Um die innere Verfassung zu überprüfen und möglichen Stress rechtzeitig zu bemerken ist es wichtig immer wieder auf die Mimik, die Muskelspannung und die Körpersprache des Fohlens zu achten. Chaba ist in dieser Einheit fast durchgehend in einer ruhigen, angenehmen Stimmung. Sie ist aufmerksam, fährt aber nicht künstliche hoch.

Wachstumsschübe beachten

 

Fohlen wachsen ständig, daher ist es bedeutsam, immer wieder darauf zu achten wie es um das aktuelle Körpergefühl des Pferdekindes bestellt ist und wie es sich losgelassen bewegen kann. Dabei ist es besonders wichtig die eigene Schrittlänge an die des Jungpferdes anzupassen und nicht umgekehrt. Fohlen sind wachstumsbedingt unausbalanciert, es fällt ihnen schwer ihr Gleichgewicht zu halten und sich gleichzeitig vom Tempo her an andere anzupassen. So fällt es Chaba ebenso schwer, wenn sie zu untertourig laufen soll oder wenn man sie auffordert in einem zu hohen Grundtempo zu folgen. Ein ruhiges Folgen erreichen beide Partner immer dann wenn es im Einklang mit ihrer aktuellen Schrittlänge geschieht. So kann dann auch das freie Stehen und die daraus entstehenden Trainingspausen beiläufig erarbeitet werden und das Fohlen mit Futter gezielt in Wendungen hinein geführt werden.

Exkurs – Neben der Spur

High value point – Der hochbestärkte Ort

 

Der high value point ist mehr als nur ein bestimmter Ort, den die kleine Chaba mit positiven Erfahrungen verknüpft. Das ganze Pferdeleben ist durchzogen von Eindrücken, Beziehungen und Situationen die als angenehm und erstrebenswert empfunden werden, sie bestärken das Individuum dieses Erlebnis zu wiederholen. Wir kennen diesen Mechanismus von uns selber, jeder von uns hütet diese besonderen Orte auf seiner sozialen Landschaft, wir genießen die Nähe unserer Freunde, sehnen uns zu unserem tollen Urlaub zurück oder lieben nichts mehr als auf dem Rücken unseres Lieblings zu sitzen. Aber diese hochverstärkten „Orte“ gibt es auch in der negativen Variante, nur wenige von uns freuen sich auf den anstehenden Zahnarztbesuch oder die nächste Steuererklärung. Jede Situation der man nicht gleichgültig gegenübertritt ist bereits als positiv oder eher negativ in unseren Gehirnen verortet. Im Umgang mit unseren Pferden befinden wir uns daher auf einer ständigen Reise zu hochverstärkten Orten aller Geschmacksrichtungen und wir können diese mit positiver Bedeutung aufladen oder neu belegen.

Bodentarget kennenlernen

 

Die Matte dient uns hier als Bodentarget und wird somit als hochbestärkter Ort an dem sich Chaba im Raum orientieren kann und später auch als Pausenplatz etabliert. Dazu belohnen wir sie für das Stehen mit den Vorderbeinen in Position. Vorsicht: Hier passieren ganz leicht Fehler im eigenen Timing! Wenn wir zu kurz nach einem möglichen Scharren clicken und belohnen, dann kann es passieren, dass dieses Scharren mitbestärkt wird und sich so immer weiter manifestiert. Deshalb ist es wichtig, möglichst viele echte, korrekte Erfolgserlebnisse zu markern und die eigene Position in Bezug auf Fohlen und Bodentarget dabei unauffällig zu verändern. Oft ist eine erste Positionsveränderung am einfachsten in dem Moment zu realisieren in dem die Futterhand gerade am Pferdemaul ist. Nach und nach werden beiläufig auch Berührungen des Pferdekörpers mit ins Training eingebaut. Wichtig ist es zudem von Anfang an auch das Herunterrufen vom Bodentarget zum Teil der Lektion zu machen und es ebenfalls zu bestärken, da man sonst in kürzester Zeit zwar ein sicher auf dem Bodentarget stehendes Pferd haben wird, welches sich aber eventuell nicht wieder herunter rufen lässt. Ein solcher hochbestärkter Ort kann daher Fluch und Segen zugleich sein.

 

 

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt