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RPlus | Freiarbeit entdecken – Video 3
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Freiheit ohne Arbeit?

 

Freiarbeit bedeutet auch immer Beziehungsarbeit. Beide Seiten profitieren nur dann vom gemeinsamen Bewegungsdialog wenn keiner von beiden dabei mental oder physisch überfordert wird. Daher gilt es immer beim eigenen Pferd herauszufinden auf welchem Ausbildungsstand man sich gerade befindet. Nur so können Lektionen gefunden werden, die motivierend sind durch ihre Aussicht auf kleine Erfolgserlebnisse, und die uns erahnen lassen in welchen Intervallen wir verschiedene Übungen durchwechseln dürfen, ohne unser Pferd zu überfordern.

Untertitel auf Deutsch und Englisch verfügbar

A vision of freedom

Vom Jog zum Trab

 

In diesem Video sehen wir Vollblutaraberstute Salima und ihren Lieblingsmenschen Lea zu Beginn sowohl im flachen langsamen Jog als auch im dynamischeren Trab. Um beides gleichberechtigt entstehen zu lassen, kann man sich den Bewegungsablauf einmal genauer ansehen. Im Jog synchronisieren die beiden ihre Bewegungen in einem ruhigen Tempo. Vor allem kennzeichnend dabei ist der flache Bewegungsablauf, beide heben ihre Hufe/Füße nur relativ wenig vom Boden. Auch der Raumgriff der einzelnen Tritte ist recht gering, die Schwingung im Körper wenig vorhanden. Erst aus diesem ganz bewusst ruhigen Jog entsteht mehr Bewegungsenergie, indem die Körperspannung erhöht wird, die Tritte verlängert werden und die Hufe/Füße mehr vom Boden gehoben werden. Der Schwung fließt durch den gesamten Körper und lässt die schnellere Trabbewegung ungleich elastischer erscheinen.

Brummeln vor Freude

 

Salima brummelt in diesem Video zum allerersten mal während einer Trainingssequenz. Entstanden ist dieses freudige Brummeln direkt nach einer hopsenden Wendung auf der Hinterhand auf die Lea mit Lachen reagiert hat. Das zeigt deutlich, dass die Eigeninitiative des Pferdes, die belohnt wird – sei es mit Futter oder aber wie hier mit einem fröhlichen Feedback und Anerkennung, selbst ein wichtiger Verstärker ist. Das Pferd entwickelt Freude an dem eigenen Bewegungspotential. Salima beginnt kreativ zu werden und Bewegungen bewusst einzusetzen um einen Bewegungsdialog mit ihrem Menschen zu initiieren. Sie teilt uns so ihre Freude und ihre Offenheit für den kommunikativen Austausch mit und lädt auf diese Weise Lea ein sie in ihre Welt der Bewegungsbilder zu begleiten.

Spielerische Bewegungen

 

Im Video geht es nicht um das Erlernen einer festen Choreographie, also einer ganz bestimmten Abfolge von Lektionen und Bewegungsmustern, sondern um das Entwickeln eigener Bewegungsideen. Salima hat beispielsweise in dieser Sequenz mehrfach eine Wendung oder auch nur angedeutete Wendung auf der Hinterhand angeboten. Sie setzt sich dabei tief auf ihre Hinterhand und springt mit der Vorhand mal nach rechts, mal nach links, je nachdem wie Lea diesem „Jagdspiel“ folgt. Die spielerischen Bewegungen in der Freiarbeit sind in gewisser Weise vergleichbar mit den Bewegungen zweier Tänzer. Tänzer synchronisieren ihre Bewegungen, stimmen sie perfekt aufeinander ab, so dass im Idealfall nicht mehr auszumachen ist, wo die Bewegung des einen beginnt und die des anderen aufhört. Die Bewegungen fließen mehr und mehr ineinander. Damit kein Stocken der Bewegungsdynamik entsteht, ist eine hohe Elastizität auf beiden Seiten erforderlich. Jede Bewegungsequenz wird zuerst zu Ende gedacht und ausgeführt, bevor eine neue Idee daraus organisch entsteht.

Spielerische Levade

 

So entsteht hier im Video in Minute 3:29 aus einem hohen Steigen aufgrund von Salimas Einfall eine gesetzte Levade, ein Bewegungsmuster welches wir in dieser Form von Salima noch nie zuvor gesehen haben. Diese könnte nach und nach unter Signalkontrolle gebracht oder aber kultiviert und verfeinert werden. Im Sinne von RPlus werden also neue Bewegungsmuster möglichst beiläufig entwickelt und nicht aus dem Pferd herausgepresst. Jedes Pferd trägt tolle Bewegungsmuster in sich – diese kann man am besten im freien Bewegungsdialog entdecken und durch unsere positive Rückmeldung mit Bedeutung aufladen. Sie waren schon immer in unserem Pferd verborgen und werden nur noch schöner und präsenter, wenn sie von uns zum Strahlen gebracht werden können.

Experimentieren braucht Freiraum

 

Dazu brauchen beide Seiten Freiraum zum Experimentieren, in einem Bewegungsdialog auf Augenhöhe bei dem jede Seite gleichberechtigt Gehör findet. Es ist alles erlaubt, was sich in dieser Partnerschaft gut anfühlt. Bewegungen sind die ursprüngliche Ausdrucksform aller höheren Lebewesen, es entsteht so ein Miteinander ohne auf andere Kommunikationskanäle zurückgreifen zu müssen. Je mehr wir uns auf unterschiedliche Bewegungsmuster auf diesem Wege verständigen, desto mehr „Themen“ können „besprochen“ werden – wir entwickeln ein gemeinsames Vokabular über das wir unsere Absichten und Emotionen miteinander austauschen können.

Zeit zum Genießen

 

Die Verarbeitung und das Verstehen eines solchen Bewegungsdialoges geschieht auch in mentalen Pausen. Salima wird zwischendurch von Lea intensiv gekrault um ihre Aufmerksamkeit vom Handlungsmodus in den Entspannungsmodus zu übertragen. Das unsichtbare Band zwischen Lea und Salima wird dadurch immens gestärkt. Salima erfährt in diesen Situationen, dass sie nicht nur wahrgenommen wird, wenn sie etwas Tolles macht, sondern dass es für Lea eine genauso wichtige und schöne Erfahrung ist einfach mit ihr gemeinsam zu sein und ihr über Berührungen Wohlbefinden zu verschaffen.

… und wieder Zeit für Kreativität

 

Aus der mentalen Pause heraus entsteht Zeit und Raum für erneute Kreativität in der Bewegung. Salima knüpft hier an das Thema Steigen an und entwickelt daraus das Vorwärtslaufen im Steigen. Häppchenweise werden bei der gezielten Freiarbeit so Bewegungsmuster in einzelne Aspekte aufgefächert, die dann immer wieder neu miteinander kombiniert werden können. So lädt Lea Salima im Steigen zu ihr zu kommen, indem sie zunächst das Zeichen zum Steigen zeigt und daraufhin das körpersprachliche Zeichen zum Folgen gibt – so macht Vokabellernen und die Anwendung einer neuen Sprache Spaß.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt