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RPlus | Halftergewöhnung
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Das Halfter als Target

 

Wie praktisch ist es doch wenn unser Pferd mit seinem Kopf selbstständig ins Halfter schlüpft und nicht mit hochgerecktem Kopf „angezogen“ werden muss, wie man es leider so oft sieht. Und noch praktischer, wenn die Halftergewöhnung gleich eine Möglichkeit ist dem Pferd unser Target-Konzept zu verdeutlichen. Ganz gleich was für ein Target, ob eine Bodenmatte, die mit den Hufen betreten werden soll, ein Stick, der mit der Nase berührt werden soll oder eben ein Halfter, in dessen Öffnung der Kopf hineinpasst, jeder Target-Übung gemein ist, dass unser Pferd das Prinzip der Objektorientierung erfahren kann. Im positiven Pferdetraining basiert das Targettraining auf der freiwilligen Annäherung an ein Objekt mit dem von uns definiertem Körperteil des Pferdes – unser Target übt so einen positiven Sog auf die Bewegung des Schülers aus. Beim Anlegen des Halfters wird es also seinen Kopf so in das angebotene Halfter recken, dass die Pferdenase hineinschlüpft und wir nur noch den Genickriemen anlegen müssen.

Wie also starten?

 

Zunächst präsentieren wir dem Pferd gar nicht das komplette Halfter, sondern falten es so, dass der Nasenriemen quasi als einzelner Ring wahrgenommen wird. Wir markern und belohnen nun zunächst jede Annäherung des Kopfes an diesen Ring, später dann nur noch die Versuche, bei denen die Pferdenase mittig ist und es nicht mehr den Riemen des Halfters mit den Lippen berührt. Hat das Pferd einmal diese mittige Position gefunden, so kann das Futter nach dem Click von unten gegeben werden, so als würde es seine Nase von selbst durch die Öffnung stecken. Ab diesem Zeitpunkt kann man während die eine Hand unten am Pferdemaul das Futter langsam bröckchenweise überreicht die andere Hand mit dem Genickriemen langsam über den Kopf in Richtung Ohren gleiten lassen. Nicht sofort einfach über die Ohren streifen, sondern zunächst einfach nur bewegen, erneut clicken und erneut füttern. Erst wenn das gut klappt die Berührung der Ohren und schließlich das Überstreifen des Halfters über die Ohren mit einbeziehen und das Halfter schließen.

Warum hier mit Belohnungen arbeiten?

 

Ist das Pferd in dieser Art trainiert, so haben wir den Vorteil, dass es das Halfter als etwas Positives abgespeichert hat. Das Halfteranlegen wird zu einer Art Lieblingsübung des Pferdes, weil es dort auf eine relativ wenig anstrengende Art und Weise im Verhältnis zum körperlichen Aufwand viele Belohnungen verdienen kann. Dabei ergibt sich nun fast von alleine, dass sich unser Pferd immer leichter aufhalftern lässt, es wird zu uns kommen um seinen „Halftertrick“ zu zeigen und muss nicht wie schon so oft gesehen mühsam eingefangen und unwillig aufgehalftert werden.

Apropos Halftertrick

 

Ganz allgemein ist es aus meiner Sicht immer sehr hilfreich, sich Ausbildungsziele und Erziehungsaufgaben als Tricks vorzustellen. Unser Pferd weiß ja nicht, ob wir gerade an einem netten, aber verzichtbaren Trick üben, oder ob es sich um einen für uns essentiellen Ausbildungsschritt handelt. Lernen kann es das eine ebenso wie das andere. Uns hilft es aber an einen Trick zu denken, denn wenn es uns nicht übermäßig wichtig, sondern lediglich ein „nice to have“ ist, dann sind wir in der Regel wesentlich entspannter und lockerer bei der Sache. Es wird dann nicht jeder Fehler auf die Goldwaage gelegt, sondern kreativ ausprobiert und dem Pferd die Zeit gegeben, die es braucht um sich wirklich an seinen Part der Aufgabe zu gewöhnen. Und so bringt uns das „Trick-Feeling“ auch dazu etwas mehr herumzuspielen. Also zum Beispiel nicht einfach Halfter anziehen und direkt losgehen, sondern ganz oft im Wechsel Nase aktiv hineinstecken lassen, markern und Keks, dann Halfter wieder ausziehen. Ein paar Schritte an einen anderen Ort gehen, wieder anziehen und wieder ausziehen und so weiter.

Immer dran denken: Sogwirkung erzeugen

 

Im positiven Pferdetraining und besonders bei jeglichem Targettraining ist es wichtig sich immer wieder klarzumachen, dass wir eine Sogwirkung erzeugen wollen. Wir wollen also den als Target gewählten Gegenstand – hier das Halfter – so interessant und attraktiv für das Pferd werden lassen, dass es sich aktiv darauf zu bewegt. Es soll eben kein Meideverhalten zeigen oder gar vor uns weglaufen, sondern im Idealfall bereitwillig zu uns kommen um beim Training mitzumachen. Trainingszeit soll Vergnügen für das Pferd bedeuten, keine Einschränkung oder Stress verursachen. Und gerade ein so elementares Ausrüstungsteil wie das Halfter sollte bei jedem Pferd absolut positiv besetzt sein. Denn es wird in unserem Alltag nicht immer möglich sein das Pferd frei auf der Anlage zu führen.

Vollkommene Akzeptanz

 

Unbehagen, welches eindeutig durch Ausrüstungsgegenstände verursacht wird, kann sich nämlich negativ auf das gesamte Training auswirken. Erst wenn es das Halfter akzeptiert und sich damit frei und locker bewegt, kann man mit dem Basisführtraining, dem Anhalten, Richtungswechsel oder Rückwärtsrichten beginnen. Denn für mich ist es sehr wichtig, dass mein Pferd auch verstehen lernt was unterschiedliche Bewegungsrichtungen des Führstricks am Kopf bedeuten sollen. Und diese kann ich erst dann auftrainieren, wenn das Halfter an sich positiv besetzt ist. Wenn wir alles richtig gemacht haben, dann fühlt sich das Halfter vielleicht nicht mehr wie ein schnöder Ausrüstungsgegenstand an sondern wie ein Lieblingskleidungsstück – einmal reingeschlüpft fühlt es sich sofort gut an und man weiß: Jetzt beginnt der Spaß!

Viel Spaß euch allen beim Ankleiden, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt