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RPlus | Unterschiedliches Lebenstempo
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Die Quelle für tausende Missverständnisse

 

Um Pferde wirklich zu verstehen, sich vollständig auf sie einlassen zu können und seinen eigenen gemeinsamen Weg zu finden, hilft es mögliche Ursachen für typische Missverständnisse zu erkennen. Eine solch grundsätzliche Problematik mit der sehr viele Menschen Schwierigkeiten haben, weil sie es gar nicht als Thema erkennen: Das komplett unterschiedliche Lebenstempo von Pferd und Mensch als biologische Einheiten und das charakteristische Zeitempfindens eines jeden einzelnen Individuums. Die vielen kleinen Aktivitäten und sozialen Interaktionen eines Pferdes über den ganzen Tag verteilt erscheinen uns Menschen unspektakulär und wirken wie ein Leben in Zeitlupe. Pferde stehen aus unserer Sicht endlos herum, sie schauen in der Gegend herum, atmen gemeinsam und nehmen sich sehr viel Zeit zum Umherwandern und zum gemeinsamen Grasen.

Der Alltag der Pferde erscheint uns wie ein Leben in Zeitlupe.

Fehlende Geduld

 

So kommt es ganz typischerweise oft schnell zu einem Interessenskonflikt. Für uns soll sich immer etwas Aufregendes oder zumindest Anregendes abspielen und nicht die immer gleichen Handlungen gezeigt werden, die uns aus menschlicher Sicht noch nicht einmal etwas bedeuten. Der Alltag der Pferde erscheint vielen von uns in seiner Langsamkeit schlichtweg langweilig. Wer aber von uns schon einmal Kontakt mit einem lebenslustigen Frettchen hatte, sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, wie es sich anfühlt wenn das Gegenüber ein viel schnelleres Lebenstempo vorlebt. Alles an diesen aufgedrehten Wesen kommt uns hektisch vor und wir kommen gar nicht hinterher zwischen all dem was sich da in kürzester Zeit vor unseren Augen abspielt. Für das Frettchen reagieren wir Menschen wie in Zeitlupe und wahrscheinlich langweilen sich die erlebnisfreudigen Tierchen schnell an unserer Gegenwart.

Zeitreise

 

Erst wenn wir uns darüber bewusst werden dass sich Pferde und wir Menschen in ganz unterschiedlichen Zeitströmen bewegen, können wir ihren Alltag für uns entschlüsseln. Dazu noch ein kleines Beispiel: Selbst für viele Pferdeliebhaber gibt es wohl kaum etwas Langweiligeres als Pferden beim Grasen zuzusehen. Aber was passiert wenn man jetzt den Zeitraffer betätigt? Der vormals schleppende Pferdealltag erscheint uns nun als wären wir auf einer Party gelandet: Da stecken ein paar eingeschworene Freunde ihre Köpfe wie für einen Plausch zusammen und werfen dem Neuankömmling verstohlene Blicke zu, aus einer unbedarften Bewegung entsteht eine harmlose Spielerei, da wird ein bisschen gepöbelt, gedroht und aus Spass weggeschubst.

Auf der Party

 

Ein Haffimädchen hat plötzlich Durst bekommen und macht sich auf zur Tränke, da schließen sich ein paar andere „Gäste“ gerne an und schnattern miteinander, auf dem Weg zu den Getränken zetteln dabei ein paar Jungspunde ein Laufspiel an. Die älteren Semester können über soviel Ausgelassenheit nur die Augen rollen und stellen sich dösend in den Wind, einfach nur atmen, ein paar Kleinigkeiten knabbern und den Gesprächen der anderen Partygästen lauschen. Schnurrt man so einen ganzen Nachmittag auf der Weide auf 5 Minuten zusammen erscheint das „langweilige“ Pferdeleben auch uns Menschen auf einmal richtig spannend und abwechslungsreich.

Erkenntnis der eigenen Zeitempfindung

 

Erst das Gefühl für den eigenen Umgang mit Zeit und der eigenen zeitlichen Wohlfühlzone, hilft uns das Erleben des Pferd zu verstehen und mit ihm gemeinsam eine Zeitzone zu schaffen, in der wir das Lebenstempo des anderen wertschätzen und wir uns nicht für das Pferd wie ein Frettchen benehmen. Erst dann, wenn uns der ganz normale, natürliche Tagesablauf eines Pferdes nicht mehr „langweilig“ oder „ereignislos“ vorkommt, sondern aufgrund seines unterschiedlichen Zeitempfindens anerkannt wird, können wir den Zauber des Pferdseins entdecken. Das was passiert, wenn man sich Zeit lässt – die Entdeckung der Langsamkeit.

 

Marlitt & Conny

AUTHOR: Conny & Marlitt