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RPlus | Leckerlisucht
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Primärer Verstärker Futter

 

Futterbelohnungen sind ein ganz zentraler Bestandteil bei unserer Beschäftigung mit der positiven Verstärkung. Aber wie schnell verkommen unsere gutgemeinten Belohnungszuckerl zu einer leblosen Währung im alltäglichen Austausch von Anspruch für Leistung? Unsere Arbeit mit hochwertigen Leckerlis besitzt leider auch ihre Schattenseiten, wenn wir einmal genauer betrachten, was genau in den Köpfen unserer Pferde dabei passiert, und welche erlernten Mechanismen aber auch welches stammesgeschichtliches Erbe hier von uns getriggert wird. Vielleicht können wir uns ein wenig von diesem kapitalistischen System der Entlohnung von Pferden lösen.

Futterbelohungen und Clickertraining gehören zusammen.

Futter wird dabei per se als positiv empfunden.

Deckt sich diese Betrachtungsweise

mit all unseren Erkenntnissen aus

Wissenschaft und Praxis?

Die Macht der primären Verstärker

 

Positive Verstärkung im Clickertraining lässt sich doch ganz banal und einfach auf den Punkt bringen: Nach dem Click wird Futter überreicht und fertig. Wir wollen schließlich alle mit Belohnungen arbeiten und Futter wird doch von uns allen immer als eindeutige Belohnung angesehen. Aber stimmt das so vereinfacht überhaupt?

Die Wahl des Futters

 

Dass ausgerechnet die Auswahl des Futters und die Art und Weise der Futterübergabe einen sehr großen Einfluss auf das Stressempfinden des Pferdes hat, ist vielen menschlichen Trainern zunächst nicht bewusst. Die möglichen Stressfelder und Fehlerquellen sind dabei durchaus vielfältig. Viele Pferde sind von einer unpassenden Futterqualität überfordert und agieren überdreht und hektisch.

Die Übergabe des Futters

 

Andere haben nie gelernt Futter gelassen entgegen zu nehmen, und manche werden von ihren Menschen durch die unbedachte Übergabe geradezu daran gehindert den Sinn einer bestimmten Übung erfassen zu können, weil sie nur auf das Futter an sich konzentriert sind. Zum besseren Verständnis müssen wir uns daher eingehender mit dem Prozess der Futterbelohnung und der Futterübergabe beschäftigen.

Sinn und Unsinn von Futterlob

 

Nicht von ungefähr verwenden wir beim positiven Pferdetraining gerne Futter als Belohnung. Futter ist verhaltensbiologisch gesehen ein primärer Verstärker. Es befriedigt ein grundlegendes physiologisches Bedürfnis des Pferdes und basiert auf dem Millionen Jahre alten Instinkt den eigenen Organismus mit Nahrung zu versorgen. Wird dieser urtümliche Impuls befriedigt, so steigert sich damit die Bereitschaft des Pferdes ein als erfolgreich empfundenes Verhalten in Zukunft häufiger auszuführen. Futter als angenehm wahrzunehmen muss das Pferd also nicht erst lernen. Es ist bereits tief in seiner Natur so angelegt.

Werkzeug oder Manipulation?

 

Mit dieser evolutionären Grundausstattung eines jeden Tieres wird Futter zu einem enorm mächtigen Werkzeug in unseren Händen. Pferde haben eigentlich immer Appetit, ihre Lebensweise ist darauf ausgerichtet kontinuierlich Nahrung zu sich zu nehmen und sie lernen erfahrungsgemäß sehr leicht und schnell, welche Verhaltensweisen ihnen einen Vorteil in Form von Futter versprechen. Dabei bietet Futter auch für uns als menschliche Trainingspartner eine Menge Vorteile. Es ist praktisch in der Handhabung, kann gezielt und direkt überreicht werden und verschwindet durch das Verspeisen von selbst.

Geschickt lenken

 

So können wir es präzise zum Training eines bestimmten Verhaltens nutzen, ohne dass unser Pferd erst einmal lange Zeit mit der Belohnung beschäftigt ist oder wir sehr viel Zeit investieren müssen, um überhaupt einen Belohnungseffekt zu generieren, wie es beispielsweise im Vergleich bei einer Kraulbelohnungen der Fall wäre.

Futter versus Kraulen

 

Diese positiven Rückmeldungen durch Grooming sind nicht so leicht zu dosieren und damit nur bedingt für schnelle effektive Shaping-Prozesse geeignet. Es muss erst eine geeignete Kraulstelle gefunden werden, die dem Pferd wirklich angenehm ist. Dazu ist es leicht möglich das Pferd zu enttäuschen, wenn wir gleich nach zwei Sekunden wieder mit dem Kraulen aufhören. Lerntheoretisch betrachtet ist nämlich dieses Abbrechen des als positiv und angenehm empfundenen Kraulens eine negative Strafe. Etwas für das Pferd Angenehmes würde also entzogen werden. Das kann unter Umständen den vorher erzeugten belohnenden Effekt zum Teil wieder zunichte machen.

Ist Kraulen geeignet?

 

Diese Argumente sprechen aber selbstverständlich nicht gegen das Kraulen als eine mögliche Belohnungsform, sondern nur dafür, dass wir diese Bestärkungsart eben nicht immer so präzise in unsere Lernprozesse mit einbauen können.

Futterbelohnungen und Mindset

 

So betrachtet ist Futterlob ein idealer Begleiter für unsere Arbeit – vielseitig einsetzbar und sehr präzise nutzbar. Genau diese Erfolgsgarantie und das Abzielen auf ein überlebenswichtiges Grundbedürfnis ist meiner Meinung nach aber auch eine mögliche Schattenseite der Futterbelohnung: Es verleitet dazu alles berechnen zu können, quasi eine Gleichung aufstellen zu wollen, wie viel wir dem Pferd „bezahlen“ müssen, damit es tut was wir von ihm verlangen.

Totgeclickert?

 

Die systematische Vorgehensweise im Clickertraining lenkt uns dabei in eine zum Teil problematische Richtung. Sie verleitet uns dazu an einer Art Zahlungsmodell festzuhalten und so analog zu unserem Geldsystem bestimmten Verhaltensweisen einen höheren Wert als anderen beizumessen oder aber Kosten und Nutzen wirklich „buchhalterisch“ abzugleichen, ohne die immer verborgene emotionale Ebene der Tiere auch angemessen zu berücksichtigen.

Geschenke von Herzen

 

Für mich sind Futterbelohnungen zunächst einmal weiterhin Geschenke die von Herzen kommen. Ich möchte nicht immer, einen bestimmten Gegenwert vor Augen haben, wenn ich ein Leckerli überreiche. Es gehört sozusagen zu meinem RPlus- Mindset, dass Futter grundsätzlich frei verfügbar sein sollte.

Wer nichts lernt, kann auch nichts vergessen. Garfield

Die Natur des Pferdes

 

Es liegt eben in der Natur der Pferde ihre Nahrung mit relativ wenig Aufwand zu erhalten und nicht sich für jedes bisschen Grün auf die Hinterbeine zu stellen oder die Distelblüte nach einer erfolgreichen Hetzjagd zu erlegen. Wir dürfen daher für unsere Pferde Futter und die Anwesenheit des Menschen nicht immer an ökonomische Begriffe wie Leistung, Aufwand und Vorteil koppeln.

Leckerli hoch Zehntausend

 

Futter wird von Clickertrainern in der Regel völlig ungefiltert und undifferenziert als vollkommen unproblematisch dargestellt. Ich möchte aber nicht verschweigen, dass wir letztlich nicht wissen können, ob Futter wirklich für jedes Pferd in jeder erdenklichen Situation eine „angenehme Konsequenz“ auf das gezeigte Verhalten darstellt. Letztlich ist ein Verstärker per ethologischer  Definition eine Konsequenz auf ein Verhalten des Pferdes, welche die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens erhöht. Ob es sich bei beim eingesetzten Verstärker um einen Positiv- oder Negativverstärker handelt, kann streng genommen nur der Trainee, also unser Pferd selbst, entscheiden.

Die Umstände entscheiden

 

Allgemein setzen wir zumeist für uns angenehme Dinge wie Zuwendung, Nahrung oder zärtliche Berührungen pauschal mit positiven Erlebnissen gleich, was im Einzelfall jedoch ganz und gar nicht der Fall sein muss. Wir selbst können vermutlich auch aus dem eigenen Empfinden berichten, dass wir je nach Situation durchaus ambivalent zum Thema Nahrung stehen. Wer richtig Hunger hat, für den ist Essen vielleicht gerade einmal mit der Stillung des unangenehmen Hungergefühls gleichzusetzen.

Eine Frage der Wahrnehmung

 

Bis zu einem gewissen Völlegefühl ist es eher eine Verringerung des  unangenehmen Hungers als eine Erhöhung des Wohlbefindens. Von wirklichem Genuss ist da noch keine Rede. In einem anderen Falle wäre ein kleines Leckerli ein Hohn bei einem sehr hungrigen Pferd und würde vermutlich eher als Negativ-Verstäker denn als angenehm empfunden werden. Ebenso wird ein heißgeliebtes Apfelstück bei akutem Völlegefühl nicht seine volle Wirkung haben und vielleicht nur noch widerwillig angenommen werden. Futter wird nun mal von jedem Tier ganz unterschiedlich wahrgenommen bzw. assoziiert, je nach Appetit, den Vorerfahrungen aus anderen Trainingssessions oder der Qualität der Arbeitsatmosphäre.

Die Rolle des Ernährungszustandes

 

Aus meiner Erfahrung mit vielen verschiedenen Pferden heraus kann ich sagen, dass wir einiges beachten müssen, damit Futter in der Pferdeausbildung wirklich problemlos als positiver Verstärker fungiert und eine angenehme Lernatmosphäre ermöglicht.

Intaktes Hungergefühl?

 

Zunächst einmal müssen unsere Pferde artgerecht gehalten und gefüttert werden – das klingt schrecklich banal, ist aber leider viel weniger der Fall als man zu hoffen wagt. Es gibt erschreckend viele Pferde, die fehlernährt sind, Stoffwechselprobleme haben oder laufend „auf Diät“ sind. All diese Tiere haben ein aus meiner Sicht oft mehr oder weniger gestörtes Hungergefühl und reagieren auf Futter nicht mit stiller Freude und ruhiger Befriedigung, sondern häufig hektisch, fahrig oder gar aggressiv.

Existentielles Bedürfnis stillen

 

Viel zu viele Pferde haben im Alltag sehr lange Fresspausen, was sie oft bei ihrer Futteraufnahme im Training gierig und unkontrolliert werden lässt. Sie sind dann stark unter Stress, weil sie im Training möglichst schnell an ihr Futter gelangen wollen. Genau mit diesem Effekt arbeiten übrigens nicht wenige professionelle Trainer im Zirkus, mit Filmtieren oder für die Präsentation bei großen Shows. Sie sollen sich ihr komplettes Futter im Training erarbeiten.

Hoher Anreiz

 

Es wird also davon ausgegangen, dass die Motivation sehr hoch ist, die Lösung einer Aufgabe zu finden, wenn der Anreiz so groß wie möglich ist. Aus meiner Sicht ist das zum einen natürlich ethisch mehr als fragwürdig, zum anderen wird man so zwar eventuell in manchen Situationen schnell das Verhalten des Tieres verändern können, aber eben gleichzeitig auch in Kauf nehmen müssen, dass die beteiligte Gefühlslage für das Pferd nicht unbedingt angenehm ist. Pferde haben sich aus evolutionsbiologischer Sicht als erfolgreiche Dauerfresser etabliert. Sie benötigen daher auch in menschlicher Obhut möglichst lange Fresszeiten im Alltag um so eine gute Sättigung über den ganzen Tag zu gewährleisten, bevor wir mit ihnen arbeiten dürfen.

Im Zwiespalt

 

Auch bei der modernen, automatisierten Fütterung kann es sein, dass jede einzelne Fütterung zu kurz bemessen ist und damit nicht dem natürlichen Fresszyklus eines Pferdes entspricht. Dieser unterscheidet sich ja auch von Tag zu Tag. Aber auch bei achtsamen Pferdeliebhabern ist immer wieder zu beobachten, wie das Futter mit den besten Absichten rationiert wird, und wir dann während der Fütterungszeiten Konfliktsituationen provozieren. Wenn wir viel beschäftigten Menschen dann auch noch genau zu diesen Zeiten unseren vierbeinigen Liebling zum Training abholen, ist eine etwas ambivalente Einstellung zur Nahrungsaufnahme unseres Pferdes nicht verwunderlich – hier ein paar kleine Möhrenstücke und dort das Abendbrot mit der Familie.

Immer rein mit dem Müsli?

 

Ist es eigentlich immer nur gut, ständig hochwertigeres, „besseres“ Futter zu verwenden, damit mein Pferd endlich ein Verhalten überhaupt zeigt oder aber in der gewünschten Form und Geschwindigkeit aufrecht erhält? Bis zu welcher Wertigkeit kann ich Futter nutzen, ohne dass mein Pferd vor lauter Aufregung völlig außer sich ist und sich nicht mehr auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren kann?

Leckerlisucht bei Pferden?

 

Viele Clickertrainer sehen dieses Phänomen anscheinend völlig unproblematisch. Für sie gilt, dass ein Pferd welches noch frisst, keinen Stress haben kann, und dass der Erfolg in Hinblick auf die zu trainierende Lektion wichtiger ist als die ruhige Grundstimmung. Dabei sind die Folgen der unbedachten Gabe von besonderen Futtermitteln noch gar nicht endgültig erforscht. Gerade industriell gefertigte Leckerlis und Müslis mit diversen Zusätzen wie Zucker, künstlichen Aromen oder Süßstoffen können vermutlich ähnliche Probleme verursachen wie bei uns Menschen. Auf Dauer kommt es zu einer Veränderung des Hirnstoffwechsels oder gar zu Suchtverhalten. Natürlich wird nicht ein Bananenleckerli gleich in die Zuckersucht führen, es geht mir hier mehr um das generelle Verständnis des Mechanismus, der hinter all dem unbedachten Leckerlifüttern in Gang gesetzt wird.

Besondere Belohnungen

 

Allgemein betrachtet ist das Pferd zwar ein Dauerfresser, es nimmt in der Natur allerdings fast ausschließlich balaststoffreiche Nahrung mit relativ niedrigem Zuckergehalt zu sich. Besondere Leckerbissen wie süße Früchte oder ölhaltige Samen sind in der Natur zum einen meist selten zu finden oder aber nur auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt. Da sie aber für die Ernährung eine wertvolle Ergänzung darstellen, sind sie bei Pferd und Mensch dafür vorgesehen einen Belohnungsprozess im Gehirn in Gang zu setzen.

Booster fürs Hirn

 

Damit es aus Sicht des Organismus erstrebenswert ist, gezielt auf die Suche nach hochwertigen Energielieferanten zu gehen, haben etwa süße Futtermittel einen starken Einfluss auf den Hirnstoffwechsel. Es gibt zwei verschiedene Mechanismen, wie das Belohnungssystem durch die Leckerligabe im Pferdegehirn und allem voran im Nucleus accumbens maßgeblich beeinflusst wird.

Steuerzentrale Gehirn

 

Der eine Mechanismus steuert die positive Empfindung und die Lust am gewöhnlichen Essen – Tätigkeiten wie die Nahrungsaufnahme aber auch etwa Sex wurden im Laufe der pferdischen Evolution bestärkt weil sie der persönlichen Fitness oder der Arterhaltung dienen. Bei dem anderen Funktionskreis zeigt sich, dass der aufgenommene Zucker eben nicht nur über den gesamten Verdauungsprozess im Pferdekörper wirkt, sondern sogar direkt über spezielle Transportsysteme in das Gehirn gelangt.

Zucker

 

Zuckerkonsum – egal ob beim Menschen in Form von Softdrinks oder beim Pferd in Form von Leckerlis – führen daher zu einer sehr schnellen Aktivierung unseres Belohnungssystems. Es bereitet Freude, bringt aber auch eine gewisse Neigung zu einer erhöhten Schmerztoleranz und einem zwanghaften Suchen nach neuen Gelegenheiten zur Aufnahme von besonderem Futter. Es stellt auch deshalb einen so großen Anreiz dar, weil seine aktivierende Wirkung auf das Gehirn bis zu 20 mal so hoch ist wie die eines „natürlichen“ üblichen Futtermittels gleicher Menge.

Der pushende Effekt

 

Mit anderen Worten nehmen wir beim Clickern mit hochwertigen Belohnungen gezielt in Kauf, dass wir einen extrem pushenden Effekt auf das Belohnungszentrum des Gehirns haben. Und das allein durch die Wahl des Futters und den damit mehr oder weniger für uns ersichtlichen Zuckergehalt des jeweiligen Produkts. Hinzu kommt die erlernte Aktivierung der Aufmerksamkeit durch das etablierte Markersignal und die ebenfalls angeregte Erwartungshaltung an den nun folgenden Arbeitsprozess beim Clickertraining. Wir versetzen Pferde so künstlich in Aufregung und sie sind stark angetrieben, mehr davon zu wollen.

Leistung gezielt steigern?

 

Für mich ist die Frage, ob das wirklich in unserem Sinne ist, wenn wir das Pferd mit immer hochwertigeren Futtermischungen immer stärker kontrollierbar, respektive leistungsfähiger machen wollen.

Bedingungslose Zuneigung?

 

Diese „Sucht“ nach dem ganz Besonderen zwingt manche Clickerteams gerade dazu ihre „Geschäftsbeziehung“ immer weiter zu optimieren zu wollen. Die Bilanz muss eben am Ende stimmen, die Wareneinsatzquote/Leckerli und der Profit/Lektion müssen sich nun mal rechnen. Ich finde es bedenklich, wenn wir uns mit unserem Pferd freiwillig in ein System begeben, wo jegliches Beisammensein von Entlohnungen, dem zeitnahen Ableisten von Aufgaben und der niemals hinterfragten Hierarchie von Belohnungsgeber und Belohnungsnehmer geprägt ist.

Der Belohnungseffekt

 

Ich möchte hier nicht einzelne Futtermittel verteufeln, sondern nur immer wieder darauf hinweisen, dass wir uns zwar einen belohnenden Effekt vom Futter wünschen und es daher etwas „Besonderes“ im Vergleich zum alltäglichen Heu sein kann. Die Futterbelohnung sollte aber aus meiner Sicht eben nicht so viel Raum einnehmen, dass es das Belohnungssystem im Pferdegehirn so übermäßig intensiv stimuliert wie naturbelassene Nahrung es gar nicht könnte. Daher eignen sich meist trocken verfütterbare Heucobs, gepflücktes Gras im Frühling oder getrocknete Hagebutten besser als Industrie-Müsli & Co. Auch hier macht selbstverständlich die Dosis das Gift.

Zur Füttermethode

 

Für mich ist es ganz entscheidend, dass unsere Pferde das Futter ganz entspannt als „nice to have“ empfinden und nicht von uns aufgewühlt ständig auf der Suche nach dem nächsten süßen Futterkick sind. Den Unterschied sehen wir oft schon wenn wir die Art der Futterübernahme vom Pferd beobachten. Mit welchen Futtermitteln wird es übererregt, fahrig oder unruhig? Immer wenn unsere gewohnte Füttermethode dazu führt, dass unser Pferd scheinbar wieder Höflichkeitsübungen braucht, dann sollte man daran denken, ob vielleicht zu viel Zucker im Spiel sein könnte.

Speichel als Stressanzeiger

 

Gestresste Pferde haben oft entweder ein sehr trockenes Maul oder bilden auffällig viel Speichel. Es kann sein, dass der Speichel dabei durch die erhöhte Adrenalinausschüttung unter Stress sehr flüssig aus dem Maul tropft. Schon wenn die eigenen Hände im Training bereits nach wenigen Leckerliübergaben nass sind, kann das ein wichtiges Warnsignal sein.

Unsere Verantwortung

 

Wir haben eine große Verantwortung dem Pferd gegenüber wenn wir Futter im Training einsetzen wollen. Es liegt in unserer Hand dies im Sinne des Pferdes zu tun und uns nicht hinter dem Pauschalurteil des „positiven“ zu verstecken. Ich möchte mir stets bewusst sein, dass ich mit ungewöhnlichen Leckerbissen immer wieder auch etwas absichtlich Hochbestärktes in unser Miteinander mit hineinbringe, welches manchmal zwischen uns steht oder von der eigentlichen Kommunikation ablenkt . Etwas, was primär nicht da wäre wenn ich mich rein mit meinem Körper, meinen Händen, meiner Stimme auf das Pferd einlassen würde.

Mittel zum Zweck

 

Futter ist für mich Mittel zu Zweck und ich möchte damit so achtsam wie möglich umgehen. Es liegt eben auch immer im Auge des Betrachters, ob eine wohlwollende Handlung auch bei unserem Gegenüber so vorbehaltlos positiv wahrgenommen wird. Wir sollten daher immer unsere Rolle und unsere Verantwortung reflektieren, damit nicht Situationen entstehen wie man es leider in vielen Zoos beobachten kann: Spaß haben nur die Zoobesucher, welche unsere Vettern mit Erdnüssen bewerfen, während es sich drüben bei den Bewohnern des Affenfelsens wahrscheinlich eher wie der Kampf um das Dasein anfühlt.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt