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RPlus | Miteinander bewegen
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A vision of freedom

Gemeinsamer Tanz ohne Führung

 

Freiarbeit mit Pferden basiert immer auf der komplexen intuitiven Interaktion beider Partner. Der entstehende Bewegungsdialog ist dabei aus meiner Sicht nicht allein von der Führung der einen Seite abhängig, sondern ergibt sich aus der wechselwirkenden Feinkoordination beider Körper. Das hat nichts mit übersinnlichen Fähigkeiten zu tun, es ist eine elementare Fähigkeit eines sozialen Lebewesens auf sein Gegenübers einzugehen und gemeinsam mit ihm etwas Größeres entstehen zu lassen. Immer wenn wir es zulassen, dass die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmale von Mensch und Pferd sich gegenseitig inspirieren, entsteht aus der Summe ein Tanz, der die unterschiedlichen Charaktere widerspiegelt.

Persönlichkeitseigenschaften

 

Sehr viele unterschiedliche Faktoren haben Einfluss auf die Bewegungsrichtung und räumliche Struktur von Pferdeherden. Immer wenn sich zwei Individuen oder Gruppen von Menschen oder Tieren zusammen bewegen kann man eine scheinbar unerklärliche Abstimmung ihres Bewegungsvektors beobachten. Die Verhaltensstudie von Jolles und weiteren Forschern hat am Schwarmverhalten von Stichlingen zeigen können, dass die Struktur der einzelnen Persönlichkeiten innerhalb des Schwarms Einfluss auf die Bewegungsdynamik, den Zusammenhalt und die Geschwindigkeit der Bewegungen hat. Während eher ruhige Individuen, welche einen engen Kontakt zu anderen hielten, eine eher langsame Gruppenbewegung erzeugten, zeigten sich bei den Stichlingen, die beispielsweise eher unabhängige Persönlichkeitstypen darstellten, wenn sie in der Gruppe in der Überzahl waren, eine geringere Vernetzung des Schwarms, aber dafür eine höhere Fortbewegungsgeschwindigkeit

Gruppendynamik oder Teamgeist?

 

Ähnliche Beobachtungen können wir auch in den verschiedenen Pferdegruppen wiederfinden, je nach Zusammensetzung der Miniherde aus vorsichtigeren Charakteren oder eher mutigeren Typen zeigt die Gruppe ganz unterschiedliche Bewegungsmuster. Bei ungewöhnlichen Situation verhält sich dieser „Pferdeschwarm“ mal abstandhaltend und eher fluchtbereit, während dagegen erlebnisorientierte Artgenossen auch mal die gesamte Gruppe zur Annäherung und ausgeprägtem Erkundungsverhalten animieren können. Übertragen auf die Zweier-Konstellation bei der freien Bodenarbeit mit unserem Pferd heißt das für mich, dass wir uns immer fragen müssen, welche Persönlichkeiten dort miteinander interagieren. In großen Gruppen gleicht sich die Gesamtbewegung durch das sogenannte Schwarmverhalten aus, das heißt extreme Verhaltensweisen einzelner Individuen werden durch die Reaktionen der vielen anderen Tiere abgemildert. Aber bei dem Zusammensein mit unserem Pferd kann sich jeder der beiden ungleichen Wesen aber nur an seinem Trainingspartner orientieren und so bestimmen schon kleine Unsicherheiten oder spontaner Übermut den Bewegungsimpuls des gesamten Teams. So entscheidet eben auch unser Temperament und unser Charakter, ob wir den Bewegungsdrang eher fördern oder ob wir in dem Pferd eigentlich unser eigenes Sicherheitsbedürfnis und die eigene Zurückhaltung wiedererkennen.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

Jolles et al., ‘Consistent Individual Differences Drive Collective Behavior and Group Functioning of Schooling Fish’, Current Biology (2017).

Link zur Studie

AUTHOR: Conny & Marlitt