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RPlus | Protected Contact
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Sicherheit bei der Konditionierung

 

Wir trainieren ja mit Pferden und nicht mit Tigern, braucht es da also besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Arbeit mit Futterlob? Natürlich ist es der Idealfall, dass wir unserem Pferd das Futterlob so langsam und kleinschrittig erklären, dass ein simples Höflichkeitstraining ausreicht, um ihm die Spielregeln zu verclickern. Oft genug gibt es aber Pferde, die bereits sehr aufgeregt oder gar gestresst auf jegliches Futterlob reagieren oder aber solche, die an sich wenig Distanz dem Menschen gegenüber wahren. Mit diesen Kandidaten kann eine Konditionierung auf den Clicker als Markersignal schnell zu einem chaotischen oder für uns Menschen riskanten Unterfangen werden. Denn es ist bei der Arbeit mit positiver Verstärkung sozusagen der worst case, wenn unser Pferd lernt, dass es uns herumschubsen oder aber sich selbst aus der Futtertasche bedienen darf. Gesellt sich zu einem eher futteraffinen und distanzlosen Pferdetyp auch noch ein unsicherer, unerfahrener Clickertrainer, so kann das Projekt Training mit Futterlob schnell zum Desaster eskalieren.

Plädoyer für mehr Sicherheit

 

Wenn Pferde gierig werden, sie die Spielregeln noch nicht verstanden haben oder einfach „schwierig“ im Sinne von schlechten Vorerfahrungen sind, so ist es unbedingt nötig, von vornherein über Sicherheitsvorkehrungen nachzudenken. Unter dem Stichwort „protected contact“ bezeichnet man im englischen Sprachraum alle nötigen Maßnahmen, die unseren Trainee, also das Pferd, vom menschlichen Trainer räumlich trennt. Also alles, was dazu führt, dass es den Trainer nicht bedrängen kann. In manchen Fällen hilft es mit einem angebundenen Pferd zu arbeiten. Klassischer Weise trainiert man jedoch mit solchen Pferden hinter einer massiven Absperrung, einem Zaun oder einer Wand. Das Pferd kann sich dabei auf der einen Seite frei bewegen, der Mensch auf der anderen.

Durch eine Barriere getrennt

 

Für den Konditionierungsprozess kann man nun beispielsweise mit einem langen Target-Stick arbeiten, so dass der Mensch viel Bewegungsfreiheit hat und das Pferd dorthin dirigieren kann wo er möchte. Das Futter wird nach dem Click durch den Zaun hindurch gegeben und das Pferd mit jedem Futterstück etwas auf Abstand dirigiert, wir praktizieren dabei eine Form des feed for position. Nach und nach lernt das Pferd so, dass es höflich Abstand hält und das Scharren, Drängeln oder aufgeregt hin und herlaufen keine Belohnung einbringt. Im Gegenteil können wir nun beginnen nicht nur Targetarbeit zu machen, sondern auch für Ruhe zu clicken oder eine einfache Verhaltensweise wie etwa Kopfsenken oder Rückwärtsgehen trotz Barriere üben.

Ganz nebenbei…

 

Bei dieser Vorgehensweise lernen wir ganz nebenbei auch ohne körperlichen Kontakt zu trainieren. Es ist nämlich möglich – ähnlich wie mit Zootieren üblich – mit Abstand zu trainieren ohne selbst direkt in die einzelnen Bewegungen involviert zu sein. Clickertraining basiert auf dem geschickten Umgang mit den Belohnungen, nicht nur mit dem Einsatz der eigenen Körpersprache. Und genau diesen Aspekt des Trainings können wir in diesem Setting des protected contacts lernen. Wir lernen wirklich kleinschrittig zu arbeiten, tatsächlich auf eine Berührung des Targets zu warten oder auch einen Shapingprozess zu lenken. Ohne uns auf eine schnelle Überdeckung eines Problems mit der Körpersprache zu verlassen. Es ist gewissermaßen eine entkoppelte Lernaufgabe für beide Seiten. Dem Pferd hilft diese strukturierte Vorgehensweise dabei Ruhe zu bewahren und die Spielregeln zu begreifen, uns Menschen hilft es dabei den Fokus auf die lerntheoretisch wichtigen Momente zu richten. Auf die Genauigkeit des Timings, auf die Belohnungsrate oder aber auf die geschickte Wahl eines Kriteriums im Shapingprozess.

Und wie kommt man dann in den direkten Kontakt?

 

Natürlich möchte kaum ein Pferdemensch ewig über eine Barriere hinweg trainieren. Sobald das Pferd die Grundlagen der Höflichkeit verinnerlicht hat und ruhig auf das Leckerli nach dem Click wartet und nicht versucht uns abzudrängen, so können wir entweder die Barrieren ausschleichen, also beispielsweise nicht mehr hinter einem massiven Metallzaun trainieren, sondern das Pferd hinter einem einfachen Band abstellen und später dann ganz frei trainieren.

Angespannte Atmosphäre entschärfen

 

Als Grundregel gilt: Wenn etwas nicht so funktioniert wie gedacht, wir uns unsicher oder gestresst fühlen, dann lieber wieder mit etwas mehr Schutz trainieren. Langfristig gesehen lohnt sich diese Vorgehensweise immer, denn insbesondere die angespannte Atmosphäre durch diese potentiellen Gefahrenquellen belastet jede Trainingslektion. Unsere Pferde geben ja einfach ihrem natürlichen Bedürfnis nach möglichst schnell und direkt an eine Futterquelle zu gelangen, aus ihrer Sicht machen sie also alles richtig, wenn sie Richtung Futter drängeln. Nur wir Menschen neigen dazu diese natürlichen Verhaltensmuster als unhöflich wahrzunehmen und reagieren gestresst darauf. Die Arbeit im geschützten Umfeld hilft uns belastende Emotionen wie Gereitzheit oder sogar Ängste aus unserer gemeinsamen Lernerfahrung herauszuhalten und uns so entspannt auf die schönen Seiten unserer Begegnung konzentrieren zu können.

Bei welchen Pferden würde ich es empfehlen?

 

Ich persönlich gehe immer dann in den protected contact, wenn von einem Pferd beispielsweise bekannt ist, dass es schon einmal aggressiv gegenüber dem Menschen war, wenn es sehr distanzlos ist oder gezielt schnappt, steigt oder ein Austreten anzeigt. Bei unerfahrenen Personen oder bei der Arbeit mit Jungpferden, halbwild aufgewachsenen Pferden oder Hengsten würde ich auch immer überlegen, ob ein Trainingsstart unter solch kontrollierten Bedingungen nicht die besten Ergebnisse liefert. Es ist immer besser über geschicktes Management Unstimmigkeiten von vornherein zu vermeiden als hinterher einem sehr unruhigen oder gar aggressiven Pferd wieder auf die richtige Spur verhelfen zu müssen. Und nebenbei ersparen wir uns gerade in der so immens wichtigen Anfangsphase negative Erlebnisse die dann unseren weiteren gemeinsamen Lernweg überschatten könnten.

Stay safe, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt