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Reiten mit Handpferd | RPlus
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Freude für alle Beteiligten

 

Das Reiten mit Handpferd hat viele Vorteile: Man kann ein Jungpferd neben dem erfahrenen Tier trainieren und ihm so ganz nebenbei die Welt zeigen. Es kann sich am gerittenen Pferd orientieren und lernt so den*die Reiter*in aus einer anderen Perspektive kennen. Auch alte Pferde profitieren vom Handpferdetraining. Sie können so schonend ohne Reiter*innengewicht trainiert werden und dennoch Ausflüge in die Natur unternehmen. Damit das Handpferdereiten für alle Seiten ein positives Erlebnis ist, ist es wichtig die Tiere behutsam aufeinander einzustimmen, sie im Tempo anzugleichen und die Signale mit dem Seil zu etablieren. Darüber hinaus ist es enorm wichtig auf mögliche Stresszeichen in der Mimik und im Ausdrucksverhalten zu achten, um frühzeitig ausgleichend reagieren zu können. In diesem Zoom-Artikel geht es nun um die Mimik der in den Fotos abgebildeten Equiden, ein erfahrenes Muli als Reittier und ein Jungpferd als Handpferd.

Zoom

Exkurs – Neben der Spur

Warum das Schrittreiten so wichtig ist

 

Die Langsamkeit wiederzuentdecken halte ich für essentiell wichtig in der Jungpferdeausbildung und in der Arbeit mit Equiden ganz allgemein. Der Schritt ist die bei weitem vom Pferd in der Natur bevorzugte Gangart. Ich beobachte immer wieder, dass gerade junge Pferde sich in dieser Gangart sehr leicht entspannen können. Natürlich trabe und galoppiere ich auch gerne, dennoch denke ich, dass es für jedes Pferd wichtig ist, im Schritt abschalten zu können und sich im klaren Viertakt losgelassen bewegen zu lernen. Gerade auch auf Ausritten fällt diese Art der Entspannung vielen Reiter*innen schwer – da wird wo immer es geht ein schnelles Tempo geritten, der Schritt scheint gerade mal dazu zu dienen das Pferd etwas aufzuwärmen und über Wegpassagen hinwegzugehen, die von den Bodenverhältnissen nicht für schnellere Gangarten geeignet scheinen. Dabei können wir Reiter*innen von den Pferden viel lernen: In ihrer Lieblingsgangart Schritt lässt sich die Natur auf ganz besondere Art und Weise genießen. Wir können Pflanzen und Tiere um uns herum entdecken und den Ausritt wirklich als gemeinsames Erlebnis entdecken. Gerade auch, wenn man mal gar nicht vor hat schneller zu reiten, sondern bewusst einen Schrittausritt macht, wird man in einen besonderen Genuss kommen.

Moment # 1

Calming Signals erkennen

 

Leckerlis werden als Belohnung auch von oben vergeben. Interessant ist hier zu sehen, dass das Reittier den Kopf sehr deutlich und demonstrativ seitlich abwendet. Das ist ein typisches Calming Signal, ein Beschwichtigungssignal, welches unter Pferden unter anderem dazu dient Spannung aus einer Situation zu nehmen. Das Handpferd zeigt in dieser Situation seine Unsicherheit, indem es die Ohren nach seitlich hinten legt und seine Kaumuskulatur deutlich zeigt.

Moment # 2

Zeichen der Unsicherheit

 

Die eben beschriebene unsichere Ausdrucksweise des Handpferdes ist auch in der nächsten Situation deutlich sichtbar. Hier erhält das Muli seine Belohnung und spitzt die Ohren bei der Futterübergabe. Das Jungpferd untersucht unterdessen mit seinen Lippen den Führstrick.

Moment # 3

Anspannung steigt

 

Beim daran anschließenden Schrittreiten verstärkt sich die Anspannung und damit der Stress des Jungpferdes. Es zeigt hier die typische stressbedingte Ohrenstellung mit an den Schädel gedrückter Ohrbasis und nach seitlich-hinten ausgerichteter Öffnung der Ohren und schreitet mit deutlich erhobenem Kopf hinter dem Reittier. Das Muli bleibt in dieser Situation sehr ruhig, es schreitet mit tief getragenem Kopf, geringer Muskelspannung und kaum Spannung der Gesichts- und Ohrenmuskulatur.

Moment # 4

Eskalation der Situation

 

Wenige Sekunden später eskaliert die Situation, das Jungpferd explodiert stressbedingt und springt mit einem großen Satz nach vorne. Dabei zeigt sich das Reittier ebenfalls wesentlich angespannter als noch einen Augenblick zuvor. Es senkt die Kruppe, die Muskelspannung erhöht sich und die Ohrenstellung verändert sich stressbedingt.

Moment # 5 - 9

Reiter strahlt Gelassenheit aus

 

Wenige Augenblicke später trabt das Muli und das Handpferd drückt den nach wie vor vorhandenen Stresspegel durch ein deutliches Kopfschlagen aus. Dabei verdreht es die Augen und galoppiert an. Das Muli bleibt wesentlich ruhiger, zeigt aber weiterhin ein leichtes Kopf abwenden als Calming Signal und eine leichte Spannung an der Basis der Ohren. Dem Reiter gelingt es die Situation souverän zu meistern und weiterhin Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen und beide Equiden am durchhängenden Führstrick bzw. Zügel zu führen.

Moment # 10

Wieder zur Ruhe kommen

 

Das Durchparieren zum Stehen und das Futter aus der Hand kann in solchen Situationen helfen wieder zur Ruhe zu kommen. Diese deeskalierende Maßnahme kann dabei auch über einige Minuten ausgedehnt werden. Beide Tiere sollten dabei nacheinander zu ihrer Belohnung kommen.

Moment # 11

Orientierung am Reiter

 

Mit viel Lob und sanften Berührungen kann sich das Jungpferd trotz aller Unsicherheiten am Reiter orientieren und nimmt zu ihm in seiner erhöhten Position Kontakt auf. Hat man erst einmal diesen Zustand erreicht, so ist es möglich das zuverlässige Reitpferd sogar ohne Kopfstück zu reiten.

Moment # 12

Nicht mit Belohnungen sparen

 

Damit das Reiten mit Handpferd nach und nach zur Routineaufgabe wird und von beiden Equiden gleichermaßen geschätzt wird, werden die Einheiten bewusst kurz gehalten und mit vielen Belohnungen aus der Hand begleitet.

Und nun raus ins Grüne, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

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AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt