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RPlus | Pferde Workshop in Sardinien
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Juni 2019

Zauber der Giara di Gesturi und ihren kleinen Wildpferden

 

Anfang Juni war es endlich soweit: Unser lang ersehnter Community-Workshop ist gestartet. Bei schönstem Wetter haben wir uns auf die Spuren der Wildpferde Sardiniens, der Cavallini della Giara begeben. Im Vordergrund stand das Naturerlebnis – einfach mal Gast sein unter Pferden und deren Welt auf uns wirken lassen. Uns war es wichtig diese einzigartige Hochebene und ihre Bewohner zu allen Tageszeiten zu erleben, sie in der Morgendämmerung, der Mittagshitze und am Abend zu begleiten, um ein Gefühl für ihr Leben auf dieser einmaligen Hochebene zu entwickeln.

Wildpferde hautnah erleben

Und so wurden wir belohnt

 

Pferde, Pferde, Pferde… – über 70 dieser wundervollen Tiere haben wir gesehen und dabei einen Blick auf alle denkbaren Konstellationen des Zusammenlebens geworfen. Die Pferde leben meist in Familienverbänden unterschiedlicher Größe. Die kleinsten Gruppen bestehen aus einem Hengst, einer Stute und deren diesjährigem Fohlen. Die größten Familienverbände bestanden aus bis zu 12 Tieren: Ein Hengst streifte beispielsweise mit seinen vier Stuten und deren Nachwuchs der letzten Jahre umher. Auffällig war dabei auch, dass sich die Jährlinge zu dieser Jahreszeit trotz diesjährigem Fohlen weiterhin bei der Mutter aufhielten.

Bachelor-Groups

 

Neben den Familienverbänden gibt es auch auf der Giara die sogenannten Bachelor-Groups, Gruppen von Junghengsten ohne weiblichen Anschluss, die miteinander leben und die gesamte Hochebene durchwandern. An einem denkwürdigen Tag haben wir beispielsweise eine solche Junggesellengruppe sowohl am Vormittag auf der einen Seite der Hochebene getroffen und dieselbe Gruppe dann am Nachmittag etwa 9 Kilometer weit entfernt auf unserer Fahrradtour quer über die Giara wiedergetroffen. Das zeigt uns noch einmal eindrücklich wie tief verwurzelt diese Wanderbewegung in der Natur unserer Pferde verankert ist, wenn sie die Freiheit besitzen dieses Wesensmerkmal auszuleben. Das macht mich immer wieder nachdenklich was unsere Pferdehaltung in menschlicher Obhut angeht. Auch wenn wir es gut machen wollen und den Pferden ein freies Leben ermöglichen möchten – unsere Möglichkeiten sind verglichen mit der freien Wildnis auf der Giara einfach doch sehr begrenzt.

Fohlenzeit

 

Unser Herz lachte beim Anblick der vielen, vielen Fohlen. In diesem Jahr war es vergleichsweise noch feucht auf der Giara, die Wasserstellen noch nicht ausgetrocknet und die Pferde sind sehr wohlgenährt durch den Winter gekommen. So hatte buchstäblich jede erwachsene Stute, die wir gesehen haben ein offenbar gesundes munteres Fohlen bei Fuß. Lediglich zwei tragende Stuten haben wir noch gesehen, die ihre Fohlen vermutlich kurz nach unserer Abreise erwartet haben.

Berührende Erlebnisse

 

Was war für mich persönlich das Highlight der Beobachtungen? An dem Ufer der größten verbliebenen Wasserstellen, auf einer Lichtung trafen wir auf ein denkwürdiges Pferde-Duo: Zwei ungleiche Partner, ein ungewöhnlich großer schwarzer Hengst und sein sehr kleiner männlicher Begleiter, die im Imponiertrab ganz nah an uns vorbeizogen. Wie wir später von den Rangern erfahren haben, sind diese beiden dort wohlbekannt. Es handelt sich um den ältesten Hengst der Giara, der bereits keine eigenen Stuten mehr hat und seinen Kompagnon, einen auffällig klein gebliebenen erwachsenen Hengst. Dieses Paar hat mir einmal mehr bewusst gemacht, wie vielfältig die möglichen Beziehungsformen unter Pferden sind. Die eine Herde mit einer typischen Konstellation gibt es nicht, je nach Rahmenbedingungen ergeben sich viel mehr Facetten des Zusammenlebens.

Die Kraft der Stuten

 

Ein kleiner frei herumlaufender Hund der ansässigen Schäfer hat uns bei einem unserer Ausflüge munter durch die Mittagshitze begleitet. Dabei lief er auch immer einmal forsch auf eines der Pferde zu. Eine der Stuten, die ein Fohlen bei Fuß hatte, wurde es offensichtlich irgendwann zu viel. Doch statt viel Aufhebens zu machen, hat sie sich ihm nur majestätisch zugewendet, ihn intensiv angeschaut und so mit ihrem Körper eine Grenze gesetzt. Dem Hund war die Ernsthaftigkeit ihrer Aussage offenbar voll bewusst, denn er hat sofort aufgehört, die Pferde zu bedrängen.

Mitten unter den Pferden

 

Magisch waren auch die Augenblicke, in denen wir den Pferden so nah waren, dass wir sie fast berühren konnten. Nach Anbruch der Dämmerung begegneten wir auf unserem Heimweg einer Gruppe von acht Tieren die neben unserem Weg grasten und neugierig diese Menschlein in der Dunkelheit betrachteten. Ein wunderbares Erlebnis unter dem Sternenhimmel Sardiniens wie sie sich entspannt unser Gruppe annäherten und sogar den drei Fohlen „erlaubten“ auf dem Weg vor uns rumzutollen. Die Cavallini della Giara sind vorsichtig und aufmerksam, dabei aber nicht scheu, sie kennen den Menschen als Besucher und akzeptieren ihn in ihrer Nähe. So konnten wir manchen Gruppen etwas durch die Korkwälder folgen oder aber an den Wasserstellen in ihrer unmittelbaren Nähe eine Rast einlegen. Und so haben wir auch den Ausklang dieses einmaligen Workshops bei einem abendlichen Picknick oben auf dem Zauberberg der Giara genossen. Wir als Teil der Natur zusammen mit diesen wunderbaren wilden Pferdchen. Und dabei gespürt was wir alles sind: Individuen und Teil einer Gemeinschaft. Ja, mehr noch: Freunde.

Das sagen unsere Teilnehmer

Gross war die Vorfreude auf den RPlus Workshop in Sardinien, umso zauberhafter der Moment, als wir gleich nach dem Parkeingang eine erste Pferdefamilie angetroffen haben. Nur ein paar Meter von uns entfernt standen eine Stute, ein Hengst und ein kleines Fohlen mit flauschigem Fell in der dichten Macchia Vegetation – die Stute und das Fohlen friedlich vor sich hin dösend, der Hengst aufmerksam zu uns herüber schauend. Da waren sie also, die Wildpferde!

 

Wir haben erwartet, die Wildpferde zuerst lange suchen müssen. Umso schöner war es, sie so schnell zu treffen und die Ruhe und Zufriedenheit der Pferde gleich in den ersten Momenten mitzuerleben. Viele weitere zauberhafte Momente sind dieser Erstbegegnung gefolgt. Wir hatten das Glück die Wildpferde zu unterschiedlichen Tageszeiten in ihrem Alltag beobachten zu dürfen. Wie sie auf einer Lichtung gemütlich fressen, aus einem der Seen Gras zupfen, unter einer der zahlreichen Korkeichen ruhen, gemeinsam im Wasser planschen oder im wilden Galopp an uns vorbei ziehen. Besonders niedlich waren auch die vielen Fohlen, die mit ihren Eltern, Tanten und Geschwistern mitzogen, sich gegenseitig das Fell kraulten und sich immer mal wieder auch ein kleines Nickerchen gönnten. Interessant war, dass die jüngeren Fohlen noch ganz nahe bei ihren Müttern standen, während die älteren viel selbständiger unterwegs waren und auch mal alleine neugierig die Gegend erkundeten.

 

Besonders fasziniert hat uns das harmonische und an ihren Lebensraum angepasste Zusammenleben dieser wunderschönen Pferdchen. Wir hatten das Glück insgesamt etwa 60 verschiedene Pferde zu sehen. Hatten wir bisher eher Bilder von riesigen Wildpferdeherden im Kopf, so waren es in der Giara di Gesturi meist kleine Familienverbände – ein Hengst, eine Stute und deren Nachwuchs, manchmal haben wir auch grössere Gruppen gesehen – ein Hengst mit drei oder vier Stuten, einigen Fohlen, Jährlingen und Zweijährigen. Beim Beobachten wurde schnell klar, dass die Betreuung seiner Stuten und Nachkommen für einen Hengst sehr anspruchsvoll ist und dass eine grosse Gruppe natürlich auch mit sehr viel Stress verbunden sein kann. Die grösste Gruppe bestand aus insgesamt zwölf Pferden. Spannend war, dass auch die Hengste unter sich nur in kleinen Gruppen unterwegs waren. So haben wir drei Junghengste angetroffen, die gemeinsam durch die Gegend zogen, und ein anderes Mal ist ein alter Hengst in Begleitung eines Junghengstes an uns vorbei getrabt. Sogar einem Hengst, der ganz alleine unterwegs war, sind wir begegnet.

 

Eindrücklich war auch, wie ruhig viele Pferde waren, obwohl Menschen in ihrer Nähe waren. Irgendwie hatten wir uns die Pferde «wilder» vorgestellt, wobei es durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gab. Manche reagierten kaum auf unsere Anwesenheit. Insbesondere die Hengste behielten uns jedoch genau im Blick und begannen zu markieren oder trieben ihre Stuten weiter.

 

Spannend fanden wir einerseits die Vielfältigkeit der Gruppenzusammensetzungen und Rollenverteilung, andererseits die Harmonie und subtile Kommunikation untereinander. Beeindruckt hat uns auch, wie gut sich die Pferde doch in diesem dichten und für uns immer gleich aussehenden Gestrüpp der Macchia orientieren können. Die Ruhe und Zufriedenheit der Cavallini della Giara wünschen wir uns auch für unsere Pferde zuhause. Die wichtigsten Erkenntnisse diesbezüglich sind, unseren Pferden eine abwechslungsreiche Umgebung mit genügend Platz und der Möglichkeit zur ständigen Futteraufnahme zu bieten sowie die Herden eher klein zu halten und sinnvoll zusammen zu setzen.

 

Insgesamt nehmen wir für uns die magische Stimmung dieses ganz besonderen Erlebnisses auf der Giara di Gesturi mit und hoffen unseren Pferden zuhause ein bisschen was davon mitbringen zu können. Es war ein unglaublich toll, während drei Tagen am faszinierenden Leben der Wildpferde in Sardinien teilzuhaben und das beobachtete untereinander auszutauschen. Ganz besonders waren auch die vielen Erläuterungen von Marlitt, um so das Gesehene besser verstehen und einordnen zu können. Vielen herzlichen Dank liebe Marlitt, Conny und Patty für diese einmalige Gelegenheit!

 

Lea und Chantal

Vielen Dank Ihr lieben Mitreisenden – es war ein fantastisches Erlebnis mit Euch gemeinsam dort gewesen zu sein! Auf Bald!

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt