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RPlus | Blicktarget nach Marlitt Wendt
Video und Artikel zum Blicktarget nach Marlitt Wendt
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Ein grundlegendes Prinzip erarbeiten

 

Ganz gleich um welche Lektion es im Training mit dem Pferd auch geht, wichtig ist es sich Gedanken über das spätere Signal und die damit verbundene Signalkontrolle zu machen. Denn unser Pferd soll ja lernen ein bestimmtes Verhalten nicht nur generell irgendwann einmal auszuführen, sondern nur dann, wenn es auch explizit von uns abgefragt wird. Wir brauchen also ein bestimmtes, eindeutiges Signal für jede trainierte Verhaltensweise, gewissermaßen eine Vokabel für das Pferd. Das kann ein Wortsignal ebenso sein wie ein Handzeichen, eine bestimmte Bewegung des Führstricks oder unsere Körperposition. Haben wir ein Signal einmal trainiert, so geht es um die Signalkontrolle. Dabei unterscheidet man wissenschaftlich gesehen zwischen der aktiven Signalkontrolle, bei der das Pferd lernt, dass ein definiertes Signal zu einer einzigen definierten Lektion gehört, und der passiven Signalkontrolle, bei der das Pferd versteht, dass im Umkehrschluss das Präsentieren einer Lektion eben nicht zu einer Belohnung führt, wenn nicht vorher das Signal dafür gegeben wurde. Vollblutaraberstute Salima und ihr Lieblingsmensch Lea üben im folgenden Video daher das grundsätzliche Prinzip der Signalkontrolle, welches man analog natürlich bei allen anderen gelernten Lektionen und Tricks ebenfalls trainiert.

Eine sehr einfache Übung auswählen

 

In diesem Video präsentiert uns Lea ausschließlich das Grundprinzip der Signalkontrolle. Es geht also nicht darum besser in einem bestimmten Trick zu werden, sondern darum die Lerntheorie und deren praktische Umsetzung im Training mit RPlus zu verstehen und einzuüben. Deswegen wählt man für diesen Arbeitsschritt eine besonders einfache Lektion, wie beispielsweise die hier gezeigte Berührung eines Targets mit der Nase. Wichtig ist, dass wir uns ganz auf uns selbst konzentrieren können und nicht ständig einen Shaping-Prozess im Hinterkopf haben. In unserem Beispielvideo können wir die erste Stufe der Signalkontrolle eindeutig beobachten, nämlich dass Salima die Aufgabenstellung bereits verstanden hat und die Fliegenklatsche konstant berührt. Bisher ist für sie das Signal einfach das Vorhandensein des Targets. Sie würde also immer, wenn sie die Fliegenklatsche irgendwo liegen sieht, hingehen und diese berühren. Bei unserem Trainingsprozess geht es nun darum ihr zu vermitteln, dass sie die Fliegenklatsche nur noch dann berühren soll, wenn das dazugehörige Signal gegeben wurde.

Schritt 1: Definiertes Signal geben

 

Um diesen Trainingsschritt zu etablieren entscheidet man sich für ein eindeutiges Signal, welches bisher nicht in einem anderen Zusammenhang gebraucht wird. Hier im Video entscheidet sich Lea für ein Zeichen mit dem Zeigefinger hin zum Target, in diesem Falle zur Fliegenklatsche. Im ersten Schritt schleicht Lea das Zeichen ein, das bedeutet, sie gibt es in dem Moment in dem Salima eh bereits auf dem Weg zum Target hin ist. Ein neues Zeichen wird generell immer dann etabliert kurz bevor das bereits trainierte Verhalten gezeigt wird.

Schritt 2: Das Anstupsen clicken

 

Zeitgleich mit dem Berühren des Targets von Salima clickt Lea und geht zum Pferdmaul hin. Statt aber wie gewohnt direkt an Ort und Stelle das Leckerli zu überreichen, etabliert sie nun zur Erarbeitung der Signalkontrolle einen Zwischenschritt, das Zurückfüttern.

Schritt 3: Vom Target zurückfüttern

 

Das Zurückfüttern übt man am besten bereits vorher ohne diese Übung der Signalkontrolle bis das Pferd sich geschmeidig mit der Leckerlihand zurückbewegen kann. Es geht bei diesem Arbeitsschritt darum auf der einen Seite wie gewohnt direkt nach dem Click zu Füttern, aber gleichzeitig zurück in die Ausgangsposition zu gelangen, um eine erneute Trainingsrunde direkt starten zu können oder aber das Abwerten zu üben, was ebenfalls zum Training der Signalkontrolle gehört.

Schritt 4: Inaktivität ebenso clicken

 

Das Warten können ist nun der Teilschritt dieses Übungsaufbaus, der nach und nach zur passiven Signalkontrolle führt. Dazu clickt Lea auch das ruhige Verharren neben sich. Salima soll also mit direktem Blick hin zur Fliegenklatsche stehenbleiben und abwarten bis sie erneut das Zeichen bekommt sich in Bewegung zu versetzen.

Schritt 5: Erneut klares Signal geben

 

Um die Unterscheidung ob die Berührung des Targets gerade gewünscht ist oder nicht gibt Lea nun nach einer kurzen Wartezeit für Salima erneut das gewählte Signal mit dem Zeigefinger. Damit das Pferd die Intention des Menschen möglichst leicht erfassen kann, ist es wichtig ein klares, eindeutiges Signal auszuwählen, welches sich von dem eigenen Verhalten in der Wartezeit deutlich abhebt.

Schritt 6: Abläufe wiederholen

 

Ist der Trainingsdurchgang prinzipiell verstanden, wiederholt man das Gelernte aus unterschiedlichen Positionen heraus. Zunächst verändert man den eigenen Startpunkt nur ganz minimal, später soll Salima natürlich von jedem Standort in der Halle hin zum Target geschickt werden können. Das Fingerzeichen allein soll Zeichen für das Berühren des Targets werden.

Schritt 7: Ablenkungen schaffen

 

Um das gewählte Signal noch mehr in den Mittelpunkt von Salimas Aufmerksamkeit zu bringen, beginnen wir nach einiger Zeit bewusst unter Ablenkung zu arbeiten. Die Wartezeit vor dem Geben des Signals wird nun nicht nur immer an unterschiedlichen Orten verbracht, sondern Lea beginnt auch ihren Arm immer wieder anders zu bewegen. Egal wie sie ihren Arm auch hält, für Salima soll einzig das „magische“ Fingerzeichen der Hinweis sein zum Target zu gehen. Alle anderen Armbewegungen sollen keine Bewegung bei Salima auslösen, daher clickt Lea weiterhin ihr Abwarten.

Schritt 8: Stehen bleiben belohnen und Schritt 9: Richtiges Signal geben

 

Diese beiden Arbeitsschritte sind von großer Bedeutung, da Salima hier lernt, dass nicht irgendeine Handbewegung ihr Zeichen sein soll, sondern nur eine ganz bestimmte subtile Fingerbewegung Signalcharakter haben darf. Bei fortgeschrittenen Pferden können nun auch unterschiedliche Verhaltensweisen abwechselnd mit dem ruhigen Verharren abgefragt werden. Eher einfach ist das Abwarten, wenn sich die menschliche Bewegung stark vom Zeichen unterscheidet. Schwieriger wird es, wenn sehr ähnlich aussehende Handzeichen voneinander unterschieden werden sollen. Dann spricht man im speziellen von einer Diskriminierungsleistung, also einer besonderen Unterscheidungsfähigkeit des Pferdes.

Schritt 10: Richtige Reaktion bestärken

 

Egal für welches Zeichen man sich letztendlich entscheidet, es ist von großer Bedeutung immer wieder die richtige Reaktion des Pferdes zu bestätigen. Am besten ist es bei diesem Übungsszenario wirklich jede richtige Reaktion direkt zu markern und zu belohnen, da Fehlclicks leicht zu Verwirrung führen können und die Signalkontrolle infolge dessen wieder eher geschwächt als gestärkt wird.

Ganz viel Spaß bei der Arbeit, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt