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Stress bei Pferden | RPlus
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Verstehen und vermeiden

 

Erschreckend viele Pferde sind in der einen oder anderen Form von Stress betroffen, natürlich in unterschiedlichen Ausprägungen und in sehr verschiedenen Bereichen. Daher halte ich es für unsere Pflicht als Pferdeliebhaber*innen uns sehr intensiv mit dem Thema Stress auseinander zu setzen. Ich glaube nicht unbedingt, dass der Gesamtstress zugenommen hat, sondern sich verlagert hat. So nimmt z.B. zumindest im Freizeitsektor die generell positiv zu bewertende Offenstallhaltung gegenüber der Boxenhaltung zu. Mit ihr kommt es aber zu ganz neuen Stressfeldern wie z.B. wechselnde Herdenmitglieder, Integration von neuen Tieren, zu wenig Platz, ungünstige Herdenkonstellationen uvm. Durch die Bank können alle Pferdetypen vom Stress betroffen sein.

Schauplätze identifizieren

 

Generell gilt, je weiter Haltung, Fütterung von der Lebensweise in der Natur abweicht, desto potentiell höher ist der zu erwartende Stressfaktor. Aus meiner Sicht gibt es mehrere Hauptschauplätze: Zum einen die haltungsbedingten Stressfaktoren wie Boxenhaltung, zu wenig Bewegungsmöglichkeiten oder die oben schon erwähnten Herausforderungen optimaler Gruppenhaltung. Zum anderen die Überforderung vieler Pferde in Bezug auf das Reiten – sei es im Leistungssport durch verschleißfördernde Trainingsmethoden oder aber schlicht durch „schlechtes reiten“ ohne Kenntnisse der Biomechanik oder aber untrainiert. Weiterhin bereiten Schmerzen Stress und leider sind viel zu viele Pferde chronische Schmerzpatient*innen, einfach weil noch viel zu wenig auf das Wohlbefinden der Tiere geachtet wird und „Faulheit“, „Widersetzlichkeit“ oder „Temperament“ oft genug nicht hinterfragt werden.

Anpassungsmöglichkeiten unserer Pferde

 

Pferde können sich bis zu einem gewissen Grad an ungünstige Bedingungen anpassen und stressige Phasen kompensieren. Irgendwann entgleist jedoch ein Stressgeschehen. Wenn es keine Möglichkeiten der Erholung gibt, das Pferd also nicht von seinem Stresslevel herunterkommt, dann beginnt sich der Stress chronisch zu manifestieren – mit allen negativen Konsequenzen die es auch in körperlicher, gesundheitlicher Hinsicht mit sich bringt.

Stresssymptome erkennen

 

Bei akutem Stress wird der Körper vereinfacht gesagt in Alarmbereitschaft versetzt, der Blutdruck steigt, die Muskulatur spannt sich an, Pupillen weiten sich, Durchblutung wird erhöht. Jede adrenalinbedingte körperliche Veränderung, wie etwa Unruhe, Schwitzen, häufiges Wiehern, stärkeres Speicheln kann ein Zeichen für akuten Stress sein. Auch Calming signals wie häufiges Gähnen, Kopf abwenden, Blick abwenden können Hinweise auf Stress sein. Gerade chronischer Stress äußert sich oft entweder in depressiven Zuständen und Lethargie oder aber in einer Neigung zu diversen gesundheitlichen Problemfeldern von Kolikneigung über Kotwasser bis hin zu Allergien, Hautproblemen oder wiederkehrenden Infekten.

Stresstypen beachten

 

Am einfachsten ist es zu erkennen welchem Stresstyp das eigene Pferd weitestgehend entspricht, wenn man es aufmerksam beobachtet. Es ist ja unmöglich jeglichen Stress von einem Tier fernzuhalten, daher wird es immer Situationen geben, in denen man das Verhalten studieren kann, wie z.B. bei der Integration eines neuen Herdenmitgliedes oder aber bei der Konfrontation mit Kühen auf einem Ausritt. Der aktive Stresstyp reagiert unmittelbar mit erhöhter Erregung, herumtänzeln und deutlich beschleunigter Atmung und Körperspannung. Passive Stresstypen reagieren scheinbar gar nicht, sie wirken auf Laien ruhig und gelassen. Ihren Stress erkennt man beispielsweise an einem schlaffer werdenden Muskeltonus, einem in sich gekehrten Blick oder aber an zeitlupenartigen Bewegungen.

Pferde brauchen Zeit

 

Ist es schon soweit, dass ein Pferd an echten Verhaltensstörungen leidet, kann meist nur eine umfassende professionelle Verhaltenstherapie einen Weg aus dem Dauerstress aufzeigen. Dazu gehört vor allem und in allererster Linie eine Haltungsoptimierung. Die Haltung muss sicher gar nicht „perfekt“ sein, denn sicher hat kaum jemand die Möglichkeit seinem Pferd eine natürlich gewachsene Herdenstruktur auf mehreren Quadratkilometern naturbelassener Fläche zur Verfügung zu stellen. Daher ist es für mich in erster Linie wichtig jeden einzelnen Lebensbereich zu beleuchten und diesen bestmöglich zu gestalten. Dabei geht es vor allem auch um die individuelle Planung, welches Pferd sich mit welchem am besten versteht, welche Fütterungsform umsetzbar ist usw.. Für mich am aller wichtigsten ist der Faktor Zeit. Pferde brauche Monate und oft genug Jahre sich wirklich einzufinden und anzukommen. Erst wenn sie sich sicher fühlen, wirkliche Freunde gefunden haben und ihren individuellen Bewegungsdrang ausleben können reduzieren sich nach und nach die Stressfaktoren.

aus „Pferdsein reloaded“

Ein entspanntes Miteinander wünsche ich euch, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

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Energielevel im Clickertraining

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt