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RPlus | Unsicherheiten in der Freiarbeit
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Ausdrucksverhalten erkennen um stressfrei zu trainieren

 

Freiarbeit mit positiver Verstärkung ist eine wunderbare Möglichkeit sich mit dem Pferd zu beschäftigen und gleichzeitig aktiv die Bewegungsfreude zu fördern. Aber gerade bei generell eher schüchternen oder introvertierten Pferden und Neulingen in Sachen positiver Verstärkung, können schnelle Bewegungen, abrupte Richtungswechsel oder eine angespannte Körpersprache für Stress und Unsicherheit sorgen. Um die besten Momente zum Clicken zu finden, ist es wichtig sich mit der Körpersprache und der Mimik des Pferdes immer wieder genau auseinanderzusetzen, um so Negativtendenzen direkt zu erkennen und stets in der Komfortzone des Pferdes zu trainieren. In den folgenden Fotobeispielen haben wir einmal bei Swantje mit ihrem Friesen Tsjibbe genau hingeschaut und möchten diese Sequenz gerne mit Euch teilen. (Ihr könnt bei unseren Zoom Artikeln mit der Maus oder dem Finger über die Fotos fahren um noch mehr Details zu entdecken)

Zoom
Moment # 1

Hoppla, etwas viel Energie

 

Die Unsicherheit des Pferdes zeigt sich hier sowohl im Gesichtsausdruck mit der typischen Stress-Ohrenstellung als auch in der Körpersprache und im Verhalten. Er springt mit festem Rücken nach vorne, wird hinten sehr flach, aber nicht indem er sich wie beim Imponiergehabe der Fall, in den Hanken beugt, sondern indem er die Hinterhand nach hinten herausschiebt.

Moment # 2

Anspannung auch im Trab

 

Wenige Sekunden später verfällt Tsjibbe in den Trab, die Unsicherheit und Anspannung bleibt aber ähnlich hoch wie auf dem Bild zuvor. Seine Rückenmuskulatur bleibt fest und er trägt den Kopf auffallend hoch. Diese „maximale Aufrichtung“ ist nicht zu verwechseln mit einer echten, biomechanisch sinnvollen Aufrichtung. Hier ist der hoch getragene Kopf Ausdruck der inneren Unruhe. Jedes Pferd braucht unterschiedlich viel Zeit nach einem Schreckmoment oder aufgrund einer inneren Unruhe dann wieder zur Ruhe zu kommen. Bei diesem Prozess können wir ihm jedoch helfen, wie wir in der folgenden Sequenz sehen werden.

Moment # 3

Wieder zur Ruhe kommen

 

Ein guter Weg um die Energie runterzufahren und wieder für mehr Ruhe innerhalb der Einheit zu sorgen, ist ganz schlicht, das Tempo zu drosseln. Zurück im Schritt entspannt sich das Pferd besonders wenn es auch in dieser Gangart Belohnungen verdienen kann. Tsjibbe zeigt hier eine deutlich niedrigere Muskelspannung und einen weicheren Gesichtsausdruck. Etwas Unsicherheit zeigt sich noch in seiner Ohrenstellung.

Moment # 4

Kraulpausen zwischendurch

 

Um vollkommen runterzufahren und zur Ruhe zu kommen hilft es die Bewegungseinheiten immer wieder durch Kraulphasen zu unterbrechen. Dabei ist es wichtig Körperstellen des Pferdes zu finden, an denen das Pferd Berührungen wirklich genießen kann. Tsjibbe genießt hier das Kraulen unterhalb seines Kopfes. Sein Wohlbefinden verdeutlicht er mit der genussvoll langgezogenen Oberlippe.

Moment # 5

Targetarbeit sorgt für mehr Klarheit

 

Ein positiv auftrainiertes Hand-Target hilft dem Pferd sich räumlich zu orientieren. Es hat gelernt einem bestimmten Handzeichen zu folgen. Das gibt Sicherheit und wir können uns so auf die Mimik und den Ausdruck des Pferdes zu konzentrieren und das Verhalten zunächst im Schritt festigen. Die Belohnungsrate sollte dabei zunächst sehr hoch sein und sich nach dem Ausbildungsstand des Pferdes richten.

Moment # 6

Daraus langsam antraben

 

Um den Energie-Level nicht zu sehr hochzufahren und damit leicht in den Stress-Modus zu verfallen, bietet es sich an sich aus dem Schritt zunächst in einen ruhigen Trab fallen zu lassen. Das Pferd trabt hier eher flach und ohne großen Raumgriff und orientiert sich am Menschen.

Moment # 7

Dann erst wieder mit mehr Power traben

 

Erhöht man nun aus dem langsamen Trab das Tempo, so hilft es die eigenen Bewegungen „größer“ und „runder“ zu denken, also in eine flüssige, aber höhere, aktivere Bewegungsart zu wechseln. Das Pferd reagiert darauf mit einer Veränderung der Körpersprache, er macht sich rund und spannt seine gesamte Muskulatur mehr an. Dabei bleibt er in einer schönen Körperhaltung, ohne die Unterhalsmuskulatur zu stark anzuspannen oder sich im Rücken festzumachen.

Conclusio

Sich die vorherrschende Energie bewusstmachen

 

Für mich persönlich ist es ein ganz wichtiger Aspekt der Freiarbeit sich einzufühlen und bewusst wahrzunehmen, welche Stimmung aktuell dominiert. Ich möchte ein fröhlich und locker laufendes Pferd, eines welches sich gerne neben mir bewegt und manchmal sogar in einen Spielmodus verfällt. Und keines welches dauerhaft unsicher ist oder viel zu aufgeregt. Pferde lernen ja permanent in jeder Sekunde. Habe ich erst einmal begonnen negative Stimmungen in mein Training einfließen zu lassen und reagiere ich nicht darauf indem ich mein Verhalten verändere, so wird diese negative Stimmung immer häufiger gezeigt. Die Bewegungen des Pferdes werden immer häufiger verkrampft ausfallen und nicht mehr flüssig und lebhaft. Wir sollten uns bemühen schon die ersten Anzeichen für Anspannung ernst zu nehmen, dann die Energie runterfahren bzw. dem empfundenen Druck wahrzunehmen um so wieder aus einer bewussten Ruhephase erneut freudige Energie aufzubauen.

Viel Freude Euch allen, Marlitt

Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt