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RPlus | Rolle der Nullposition
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Kommentar von Marlitt Wendt

 

Eine der für mich schwierigsten und komplexesten Fragestellungen in Bezug auf unsere Pferde ist die Frage nach dem Anspruch auf ein artgerechtes Leben. Was genau ist eigentlich artgerecht? Welche Haltungsform ist artgerecht? Ist reiten artgerecht? Ist überhaupt irgendein Kontakt zwischen Mensch und Pferd als artgerecht anzusehen?

Ist artgerecht gleichzeitig natürlich?

 

Eines der weitverbreiteten Missverständnisse ist es, den Begriff „artgerecht“ mit dem Begriff „natürlich“ gleichsetzen zu wollen. Auf dieser Ebene wäre gar keine Haltungsform oder Erziehungsmethode „artgerecht“, da in der Natur ein solcher Kontakt zwischen Pferd und Mensch ursprünglich nicht vorgesehen war. Beim Begriff „artgerecht“ geht es jedoch gerade um das Leben des Pferdes in menschlicher Obhut. Die arteigenen Ansprüche der Tierart Pferd sollen auch in der Kulturlandschaft der Menschen möglichst gut erfüllt werden. Das Farm Animal Welfare Council, eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe aus Großbritannien, die sich um die Definitionen von Tierrechten und artgerechter Tierhaltung bemüht, hat aus diesem Grunde fünf Forderungen, die sogenannten „Five Freedoms“ formuliert:

Die 5 Säulen von „artgerecht“

 

Laut dieser Forschungsgruppe bedeutet „artgerecht“ die Freiheit von 1. Hunger, Durst und Fehlernährung, von 2. ungeeigneter Unterbringung, von 3. Schmerz, Krankheit und Verletzung, von 4. unnötiger Belastung und dazu kommt 5., die unbedingte Freiheit zur Ausübung des artspezifischen Verhaltens. Allein diese fünf Forderungen sind äußerst vielschichtig, lassen Spielraum für Spekulationen und sind schwierig umzusetzen und zu kontrollieren, da für jeden von uns einige dieser Punkte vielleicht unterschiedlich ausgelegt werden können. Deshalb haben Gesetzgebende Richtlinien zur artgemäßen Pferdehaltung definiert.

Reichen die Mindestanforderungen aus?

 

Aus meiner Sicht wird in der gesamten Diskussion über das Wörtchen „artgerecht“ viel zu viel Wert auf die Mindestanforderungen gelegt und zu wenig auf die weiterführenden Rechte des Pferdes. Für mich fehlt völlig der Aspekt des Rechtes auf ein glückliches und erfülltes Leben und die Möglichkeit, sich auch als Pferd in seiner Persönlichkeit entwickeln zu können. Die empfundene Lebensfreude durch eine angemessene freie kognitive und emotionale Entfaltung ist aus meiner Sicht die Voraussetzung für eine gesunde mentale Entwicklung. Ein Pferd benötigt nicht nur die Erfüllung von Mindestanforderungen, also den Anspruch auf ein artgerechtes Leben, es sollte zudem das Recht besitzen ein lustvolles Leben führen zu dürfen. Dazu müssen die Bedürfnisse und Entwicklungspotentiale der Pferde viel individueller betrachtet werden.

Einfließen moderner Forschungsergebnisse

 

Es ist ein Anfang bei dem Begriff „artgerecht“ zu beginnen und zu definieren was für die Tierart Pferd essentiell nötig ist. Darüber hinaus brauchen wir aber noch viel mehr Forschung um zu erkennen, wie sich Rassen voneinander unterscheiden und worauf ihre verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale basieren. So werden die Ansprüche, die ein typisches Exmoorpony an seine Umgebung hat andere sein, als die eines Achal-Tekkiners. Beide Rassen unterscheiden sich in ihrer Herkunft, während die Exmoorponys in relativ engen sozialen Verbänden leben und bekanntlich aus dem gemäßigten, aber feucht-mildem Klima Südenglands stammen, lebt der Achal-Tekkiner ursprünglich im extremen Wüsten- und Steppenklima Zentralasiens. Allein diese beiden Pferdetypen haben sehr unterschiedliche Lebensweisen und Ansprüche an ihre Nahrung und Umwelt.

Ein Tinker auf Mallorca?

 

Blickt man auf die Vielzahl unterschiedlicher Rassen in Deutschland, so wird deutlich, dass all diese Tiere nur sehr bedingt unter einem Stichwort zusammengefasst werden können. Wir brauchen mehr Differenzierungen in der Diskussion um die artgerechte Haltung und Umgangsform mit dem Pferd. So müssen wir uns vielmehr fragen, ob es wirklich artgerecht sein kann ein Islandpferd auf energiereichen Marschweiden zu halten oder aber einen Tinker der Hitze Mallorcas auszusetzen. Wo also kann das Pferd sich an unterschiedliche Bedingungen anpassen und wo brauchen wir mehr Erkenntnisse, um ein wirklich erfülltes Leben zu ermöglichen.

Persönlichkeitsrechte!

 

Die Art wie die einzelnen Pferdepersönlichkeiten auf ihre Umwelt reagieren oder welche Umgangsformen sie bevorzugen sind ebenso unterschiedlich wie bei uns Menschen. Was für den einen oder die eine gut ist, muss für andere nicht ebenso sinnvoll sein. Nicht umsonst werden beim Menschen neben den allgemeinen Menschenrechten, die sozusagen die Mindestanforderungen an ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben definieren, auch weitere Persönlichkeitsrechte definiert.

Es kann keine Patentrezepte geben

 

Zudem zeigt sich bereits beim Menschen, dass es keine allgemeingültigen Ernährungstipps oder Lebensweisheiten geben kann, die für jede*n von uns ein gesundes glückliches Leben versprechen. Doch beim Pferd gehen wir noch viel zu oft von Normwerten und Patentrezepten aus, die sich vermeintlich über die Jahrhunderte bewährt haben, aber welche die individuellen Wünsche an ihr eigenes Leben überhaupt nicht in Betracht ziehen. Wir sollten vielleicht eher von einem artgerechten Zusammenleben mit unseren Pferde sprechen, wobei wir uns an ihrem natürlichen Erbe orientieren können, welches nicht nur ihr rein körperliches Wohlbefinden sondern auch ihren Wunsch nach freier Entfaltung umfasst.

Wir müssen uns weiterhin den kritischen Fragen stellen, Marlitt

(1) FARM ANIMAL WELFARE COUNCIL (1992):
FAWC updates the five freedoms.
Vet. Rec. 17, 357

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt