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Was sind innere Bilder? | RPlus
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Mehr als ein visuelles Abbild

 

Das Thema innere Bilder ist sehr komplex und so steht der Begriff für mich im Zusammenhang mit einer ganzen Reihe von Phänomenen, die sowohl unsere eigene menschliche Vorstellung als auch die Gedankenwelt des Pferdes betreffen. Ein inneres Bild ist einer der wenigen Bestandteile des Denkprozesses, der uns ein Stück weit bewusst zugänglich sind. Das bildhafte Denken und Vorstellen steht dabei parallel neben dem rationalen begriffhaften Denken. Es ist intuitiv, stark emotional geprägt und bildhaft ganzheitlich, da es letztlich nicht wirklich nur ein „Bild“ im Sinne eines optischen Elements ist, sondern eine Art Gesamtkomposition aus sämtlichen wahrnehmbaren Sinneseindrücken und den damit verbundenen Erinnerungen und Gefühlen.

Wir sehen, was wir meinen zu kennen

 

Für mich entstehen dabei je nach Art der Erfahrung ganz unterschiedliche Prozesse. Zum einen die typischen „Standbilder“, also letztlich eine Art Symbol, welches eine Begriffskategorie darstellen oder Stellvertreter einer Begrifflichkeit sein soll, also eine sprachliche Bezeichnung sozusagen verbildlichen. Bei mir taucht beispielsweise, wenn ich an das Wort „Einhorn“ denke immer dasselbe innere Bild als erstes auf. Dieses wird nach und nach je nach Gedankenkontext von vielen weiteren Bildern und Abfolgen überlagert, bis der Begriff so umfassend, wie es der Moment erfordert, dargestellt ist. Dabei habe ich zu den mir emotional nahestehende Themengebieten wie „Pferde“ oder „Familie“ unendlich viele solcher Bilder und Sequenzen, während aus mir fremden Erlebniswelten nur wenige oder sogar gar keine Bilder vorhanden sind, da mir hier der Erfahrungshorizont fehlt.

Aufflackern der Vergangenheit

 

Zum anderen stehen innere Bilder für Erinnerungen. Diese sind noch viel stärker als die fast eindimensionalen „Standbilder“ plastisch, vielschichtig und mit Emotionen verwoben. Denke ich eine solche Sequenz innerer Bilder, so reagiert auch der Körper noch deutlicher spürbar darauf. Unser Geist schafft es rein über die Imagination dem Körper die Illusion eines Gefühls zu verschaffen,. Denke ich an etwas Angenehmes, so beruhigt sich der Herzschlag und entspannt sich meine Muskulatur. Denke ich an etwas Schreckliches, so stresst mich allein dieser Gedanke so sehr, dass es sein kann, dass ich zu schwitzen oder zu zittern beginne. Innere Bilder fügen sich zu einem komplexen Gedankengeflecht zusammen, sie verschwimmen miteinander und sind umso deutlicher, desto mehr Erfahrungen und Emotionen mit ihnen verbunden werden.

Das Säugetierhirn als emotionaler Speicher

 

Obwohl wir natürlich nicht wissen können, wie genau die inneren Bilder der Pferde aussehen, ist die Vorstellung dessen dennoch eine Ebene auf der sich Mensch und Pferd begegnen können. Auch Pferde haben ein typisches Säugetier-Gehirn, welches funktional betrachtet ganz ähnlich zu unserem gebaut ist. Auch sie speichern Erinnerungen und Erfahrungen ab, indem sie die wahrgenommenen Reize aller Sinneskanäle archivieren, mit anderen Erlebnissen abgleichen und in Verbindung setzen und mit ihren Gefühlen verknüpfen. Da sich die Auswirkungen der inneren Bilder auch in unserer Körpersprache und -haltung widerspiegeln, unsere Gefühle sich so verdeutlichen lassen, können wir auf dieser Ebene mit Pferden kommunizieren und auch ihre Gefühle besser lesen, wenn wir auf ihre feinen, subtilen Veränderungen der Körperfunktionen achten. Sie reagieren auf unsere Emotionen ebenfalls mit Gefühlen, die sie ganz direkt in ihrer Haltung und ihrem Verhalten widerspiegeln.

Zurück zum Ursprung

 

Für mich ist es ein sehr wichtiges, ständig präsentes Thema, meine wirklichen Gefühle und Empfindungen authentisch zu erleben und nicht ständig zu versuchen, diese mit rationalen Gedanken zu überdecken, um dem Pferd die Chance zu geben, mir wirklich emotional nahezukommen. Gleichzeitig möchte ich dabei offen für die Gedankenebene des Pferdes bleiben und mich einfühlen in seine Erlebniswelt. Nur so ist meiner Meinung nach ein wirkliches harmonisches Zusammenspiel möglich. Pferde sind meiner Erfahrung nach Meister*innen darin, unsere Gefühle und Intentionen zu lesen und reagieren intuitiv immer richtig. Diese Fähigkeit sollten wir nicht versuchen über Erziehung zu überdecken, sondern im Gegenteil auch in uns wieder entdecken.

Auf dass wir einander wahrhaftig begegnen, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt