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RPlus | RPlus = Positive Verstärkung?
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Eine Frage des Mindsets

 

Wer die Idee von RPlus wirklich leben möchte, kommt nicht umhin sein eigenes Mindset genauer zu hinterfragen. RPlus ist für uns mehr als ein Synonym für Clickertraining im engeren Sinne oder generell für das Training mit positiver Verstärkung. Aus unserer Sicht kann ein wirklich für alle Seiten beglückendes Miteinander nur dort entstehen, wo wir uns über das gesamte Lernverhalten und die Kommunikation von Mensch und Pferd und über die daran beteiligten Emotionen bewusst werden. Es ist ganz im Sinne von RPlus zunächst immer darüber nachzudenken, ob etwas überhaupt zielgerichtet trainiert werden muss, oder ob es ohnehin entsteht, wenn man sich selbst und dem Pferd liebevoll die Zeit gibt es beiläufig zu erfahren. Für uns beinhaltet das Mindset von RPlus die Freiheit nicht überall die Notwendigkeit zu sehen eine Verhaltensänderung seines Pferdes möglichst schnell erreichen zu wollen.

Beispiel Futterübergabe

 

Um zu verdeutlichen was wir damit meinen, wenn wir von zielgerichtetem und beiläufigen Training sprechen, kann man sich das Thema Höflichkeitstraining ansehen. Das unerfahrene Clickerpferd soll in der Regel möglichst schnell lernen, dass auf den Click das Leckerli folgt und es das Leckerli ruhig entgegen nehmen soll. Daneben soll es entspannt und fokussiert seine Aufgabe erledigen und nicht zwischendurch irgendwie unruhig werden oder gar unhöflich nach dem Futter suchen. Hierfür gibt es im Clickertraining eine Reihe von expliziten Höflichkeitsübungen, wie etwa die Nullpositions-Übung oder aber den Halftergriff, die dazu gedacht sind, schnell das gewünschte höfliche Verhalten des Pferdes aufzubauen.

RPlus bedeutet sein Pferd in Liebe begleiten.

Damals…

 

Was man sich allerdings oft nicht bewusst macht, dass wir selbst das Pferd ja erst in eine solche komplexe Lernsituation gebracht haben. Während ich früher ein neues Pferd in meiner Obhut direkt mit Click und Futter und all den beteiligten Nebenschauplätzen vertraut gemacht habe, sehe ich die Situation seit vielen Jahren etwas anders. Um es deutlich zu machen: Ich würde aus meiner heutigen Sicht, mit dem RPlus-Mindset, überhaupt kein Pferd mehr direkt in einer ersten Trainingssession mit allen Komponenten „Verhalten“ „Click“ und „Futter“, „ruhige Futterübernahme“, „Höflichkeit“… bombardieren.

…und heute

 

Bekomme ich ein Pferd anvertraut, so möchte ich zunächst, dass es generell Futter aus der Hand kennenlernt, ohne dass es sofort die Verknüpfung zu seinen Handlungen herstellt oder dass das Futter durch den Click angekündigt wird. Ich bringe also einem solchen Pferd beiläufig in seinem gewohnten Lebensumfeld „Geschenke“ in Form von Futter, aber auch in Form von Aufmerksamkeit und liebevollen Berührungen. Und zwar in einer unaufgeregten, selbstverständlichen Art und Weise. Nur wenn das Pferd durch eine solch beiläufige Futterübergabe nicht mit Suchverhalten, Unruhe oder gar Aufregung reagiert, gehe ich langsam einen Schritt weiter, indem ich das Futter in Trainingssituationen im engeren Sinne integriere.

Beiläufig entstehen lassen

 

Natürlich findet Lernen und Training ständig statt, da es keinen Moment im Leben gibt, in dem wir als Lebewesen nicht lernen – unsere Gehirne sind immer aktiv und reagieren auf unsere Handlungen und Außenreize. Aber es ist ein Unterschied, ob ich dem Pferd etwas „bewusstmachen möchte“, es also in einer aktiven Rolle sehen möchte, und dazu auch selbst aktiv werde, oder ob ich ein Thema langsam wachsen und entstehen lasse.Der bewusste Trainingsansatz verweist ja immer auf ein bestimmtes Ziel und Rahmenbedingungen, welche wir vorher für uns festgelegt haben, das bedeutet viel Input und kognitive Höchstleistung. Es ist ein bisschen so als würde man einem Kleinkind gleich zu Beginn das Thema „Essen“ mit einem Vortrag erklären: wie die Speisen zubereitet werden, welche Geschmacksrichtungen es gibt, wie die zugehörigen Pflanzenfamilien heißen, welche Tischmanieren man einhalten sollte, welches Besteck man benutzt, usw … Ein langes, umständliches und wenig kindgerechtes Verfahren, womit man aber auch zum Ziel gelangen kann. Aber in Bezug auf ein pferdegerechtes Lernen können wir viele dieser nötigen Lerninhalte in unsere gemeinsame Zeit mit einbeziehen und über unsere positiven Alltagserfahrungen, Umgangsformen und situativen Kontexte dem Lernen authentisches Leben einhauchen.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt