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RPlus | Anspannung im Clickertraining
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Strategien gegen den Stress im Training

 

So schön das Pferdetraining mit Futterbelohnungen auch ist – je nach Pferd und Durchführung kann das Futter auch viel Aufregung, Anspannung und damit auch Stress verursachen. Ist das Pferd zu stark auf das Futter fokussiert, leidet die Konzentration ebenso wie die innere Ruhe. Daher ist es sehr wichtig sich selbst immer wieder die Frage zu stellen, ob das Pferd wirklich noch freudig mitmacht, oder aber bereits eher aufgeregt und übermotiviert ist. Pie-Casso und Anja zeigen im folgenden Video einmal, wie mögliche erste Sofortmaßnahmen für mehr Ruhe im Clickertraining aussehen können. Denn eines ist klar, ist eine unterschwellige Anspannung erst einmal etabliert, so ist der langfristige Weg zurück zur Gelassenheit im Clickertraining ein Weg über viele selbstgemachte Hürden.

Untertitel auf Deutsch und Englisch verfügbar

Hibbeln, Hampeln und scheinbare Unhöflichkeit

 

Merkmale für Stress im Clickertraining sind ebenso vielfältig wie die möglichen Ursachen. Einige Anzeichen fallen aber selbst dem ungeübten Betrachter direkt ins Auge. Alles was Unruhe beim Pferd ausdrückt, also eine erhöhte Körperspannung, schnelle Bewegungen, Herumhampeln auf der Stelle, Betteln oder das ständige Präsentieren von bereits gelernten Lektionen kann nicht nur ein Zeichen noch mangelnder Signalkontrolle sein, sondern meist ebenso auf ein Stressproblem hindeuten. Bei Pie-Casso sehen wir im Video sowohl seine Freude anhand seiner weichen Gesichtsmuskulatur, seinem freudigen Brummeln oder auch seinem regen Ohrenspiel und der häufigen Kontaktaufnahme zu Anja, aber eben auch deutlich den bereits erhöhten Stresslevel, der sich hier an seinem ausgeschachteten Schlauch beobachten lässt.

Lernfragment – Die kleinen Dinge

Schlauchspannung

 

Dieses „kleine“ pikante Detail kann bei Wallachen und Hengsten Aufschluss über den Stresspegel innerhalb des Clickertrainings geben: Die Schlauchspannung. Ganz allgemein wird der Schlauch des männlichen Pferdes aktiv über die Muskulatur im Körper festgehalten. Bei Entspannung – wie beispielsweise unter Sedierung, fällt der Schlauch und baumelt locker hinunter. Das entspannte „Hängenlassen“ kann auch aufgrund von positiven Empfindungen, wie sie bei der Arbeit mit Futterbelohnungen typisch sind, entstehen. Dann hängt der Schlauch allerdings schlaff nach unten und „hopst“ in schnellerer Bewegung vor sich hin. Ist der Schlauch dagegen fester, dicker und steifer, so ist es kein Zeichen für Entspannung mehr, sondern für eine beginnende Anspannung. Der Schlauch wird stärker durchblutet und die Schwellkörper vergrößern sich, schlägt bei schnelleren Bewegungen der Penis des Pferdes eher von links und rechts gegen den Bauch.

Der Click als Trigger

 

Schnell wird in der Kurssession im Video mit Pie-Casso klar, dass ein vielleicht zunächst kleines unterschätztes Detail weitreichende Folgen haben kann. Der Click als Geräusch, die gesamte Lernsituation sowie die Anwesenheit von Belohnungen kann mehr und mehr zum Trigger für Unruhe werden. Immer aufmerksamer wird das Pferd nach den kleinen Vorboten suchen, welche die Aussicht auf einen Click und damit eine Belohnung versprechen. Solange ein Pferd nicht gelernt hat in Ruhe mit der Futterbelohnung im Training konstruktiv umzugehen, wird es wie aus dem Nichts heraus in Aufregung geraten, etwa weil eine Futtertasche in einem ganz anderen situativen Kontext in sein Blickfeld tritt. Fatal an dieser verborgenen Verknüpfung ist dabei auch, dass sich diese Aufgeregtheit nach und nach durch sämtliche Lektionen zieht und praktisch „mittrainiert“ wird. Das gesamte Beisammensein mit dem Menschen wird nun von einem erhöhten stressbedingten Erregungslevel bestimmt. Die Folgen sind eine fehlende Impulskontrolle, Schwierigkeiten bei der Signalkontrolle und die schon erwähnte permanente Unruhe.

Glossar – Kurz gesagt

Trigger

 

In der Psychologie bezeichnet man einen Auslöser für eine bestimmte Empfindung oder Handlung als Trigger. Dieser Wirkmechanismus führt zu spezifischen, oft komplett unbewusst ablaufenden körperlichen Reaktionen. Trigger haben Signalcharakter und so können bestimmte Sinneseindrücke ganz punktuell Erinnerungen wecken und starke Gefühle in uns auslösen. Dadurch kann ein bestimmter Duft von Apfelkuchen mich beispielsweise sofort gefühlsmäßig in die Geborgenheit von Omas Küche zurückversetzen.

Verschiedene Lösungsstrategien bei Stress im Training

 

Unterschiedliche Lösungsstrategien ergänzen sich gegenseitig und verhelfen dem Pferd über einen längeren Zeitraum zu mehr Ruhe und Entspannung im Training. Ein wichtiger Aspekt ist das Markieren von Passivität. Das Pferd wird dabei möglichst wenig beachtet und bekommt seine Futterbelohnungen so beiläufig wie nur irgend möglich. Es werden keine ständigen Tricks oder kognitive Leistungen abgefragt, sondern das gemeinsame Herumschlendern und Stehen wird mit Bedeutung versehen. Darüber hinaus soll wie hier im Video der „Arbeitsplatz“ Reithalle auch für Kraulpausen genutzt und damit emotional neu besetzt werden. Pie-Casso lernt so einen Ausweg aus dem ständigen Handlungsmodus kennen und kommt vom permanenten Tun ins entspannte Sein. Er erkennt, dass es möglich ist, trotz Vorhandensein von Futter im Blickfeld in sich hineinzuhorchen und mehr Körperlichkeit zu empfinden.

Das Entspannungsquadrat nach Marlitt Wendt

 

Eine Sonderform der Kraulpausen findet im Entspannungsquadrat statt. Das Pferd lernt dabei einen bestimmten Ort als Raum für angenehme Berührungen kennen. Dieser Ort kann nun im Verlaufe des Training immer wieder aufgesucht werden, bevor das Pferd sich nicht mehr konzentrieren kann und der Stresspegel ansteigt. Später können wir statt der Stangen am Boden ein ganz persönliches Berührungsritual für uns etablieren, also eine immer gleichbleibende Abfolge an Berührungen oder Annäherung, welche zuverlässig einen Entspannungsmoment einleiten.

Marlitt Wendt & Conny Ranz

AUTHOR: Conny & Marlitt