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Wie positive Verstärkung wirkt | RPlus
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Der Greenspoon-Effekt

 

„Verhalten, welches positiv verstärkt wird, wird in Zukunft häufiger gezeigt“ – so lautet eine Grundregel im Clickertraining. Sie ist der Grund dafür, dass wir erwünschtes Verhalten punktuell markern und direkt über Belohnungen verstärken. Schon 1955 hat das klassische Experiment von Greenspoon und seinem Team zur verbalen Verstärkung gezeigt, dass auch eine dem*der Proband*in unbewusste Bestätigung bzw. schlichte Markierung seines*ihres Verhaltens in Form von einem leisen Geräusch oder körpersprachlicher Zuwendung eben jenes Verhalten verstärkt. Der Effekt der Verstärkung funktionierte bei den Studierenden, die sich in der Studie als Proband*innen zur Verfügung gestellt hatten sowohl bei jenen, welche sich kognitiv gemerkt haben, was genau der Versuchsleiter markiert hat, als auch bei jenen welche sich das Ziel nicht gemerkt haben oder sich gar nicht bewusst waren, dass sie überhaupt gemarkert wurden.

Beiläufige Trainingsebenen

 

Interessant im Sinne des positiven Pferdetrainings nach R+ ist hier der Aspekt der unbewussten Beeinflussung. Auf der einen Ebene findet positives Training mit konditioniertem Marker und Belohnungen in Form von Leckerlis statt. Auf der anderen Ebene ist es aus meiner Sicht ganz wichtig, dass dem Pferd gar nicht immer bewusst wird, dass wir überhaupt „trainieren“. Meine eigenen wiederkehrenden Verhaltensantworten auf eine Aktion des Pferdes, z.B. ein Absenken des Blickes oder eine Reduktion des eigenen Muskeltonus führt über den Greenspoon-Effekt zu einer Unterstützung des Lernprozesses. Allein dadurch, dass Verhalten überhaupt beiläufig „gekennzeichnet“ wird – auch ohne konditionierten Marker und folgenden Belohnungshappen – wird es vom Pferdegehirn als „besonders“ im Sinne von „auffällig“ wahrgenommen. Je öfter wir das beiläufig wiederholen, desto stärker wird die unterbewusste Assoziation.

Die Macht des Unbewussten

 

Das Training mit positiver Verstärkung kennzeichnet ja gerade den sehr bewussten Umgang mit Regeln und dem strikten Einhalten von Handlungabläufen, der Kontrolle der eigenen Verhaltensantwort und der des Pferdes und der rationalen Auseinandersetzung mit Trainingszielen und Verstärkerplänen. Aber nach den Untersuchungen von J. Greenspoon und seinen Kolleg*innen wird jede Interaktion zwischen uns und unserem Pferd entscheidend von den unbewussten Ebenen der körpersprachlichen Kommunikation bestimmt. Den Einfluss dieser für uns unbewussten Lernprozesse kann man gar nicht hoch genug bewerten, denn das was wir nicht sagen, den Subtext zwischen unseren Zeilen, unsere mitschwingenden Gedanken und Erwartungen, all die Emotionen die in jedem Augenblick durch Mensch und Tier strömen, Stimmungen und emotionale Narben sind für uns unsichtbare Begleiter*innen, die unser ganzes Leben bestimmen.

Dem Empfinden Raum geben

 

Wir können einen kleinen Einblick in diese unbewussten Prozesse erhaschen, wenn wir versuchen in uns und unser Pferd hineinzuhorchen. Was triggert uns, wo entdecken wir Marker und welche Reaktionen sind damit verbunden, welchen Einfluss haben Stimmungslagen auf unser Training und welche subtilen Signale senden wir uns ständig zu? Vieles davon wird wahrscheinlich für immer unbemerkt neben uns her passieren, aber wir können das Vorzeichen dieser unbewussten Ebene bestimmen, indem wir versuchen R+-mäßig unserem Empfinden stets eine positive Richtung zu geben. Liebevoll unserem Pferd begegnen, sich selbst so akzeptieren wie man ist und negative Gedanken nicht mit auf die Weide schleppen, so reduzieren wir die Wahrscheinlichkeit unsere Umwelt unbewusst mit negativen Schwingungen aufzuladen.

Good vibes only for today, Marlitt

J. Greenspoon: The reinforcing effect of two spoken sounds on the frequency of two responses. In: American Journal of Psychology.Nr.68, 1955,S.: 409–416

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AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt