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RPlus | Futterautomat fürs Pferd
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Berechtigte Sorge?

 

Eine Sorge beim Gedanken an die untrennbar mit dem Clickertraining verbundenen Futtergaben aus der Hand des Menschen ist die Frage nach der vielleicht verschobenen Wahrnehmung und Assoziation des Pferdes. Ist es vielleicht möglich, dass Pferde uns Menschen nach und nach nur noch als eine Art Futterautomat ansehen und wenn ja, wie kann ich verhindern, dass dies geschieht? Pferde lernen im Verlauf des Clickertrainings, dass sie für verschiedene gezeigte Handlungen eine Rückmeldung des Menschen in Form eines Markersignals und einer direkten Belohnung meist in Form von Futter zu erwarten haben. Sie gewöhnen sich so an das Erlernen von Zusammengehörigkeit von dem Vorhandensein des eindeutigen Signals, der darauf folgenden prompten Ausführung des gefragten Verhaltens, der gleichzeitigen Betrachtung der Haltung des Menschen, der Wahrnehmung des Markersignals und das Entgegennehmen der eigentlichen Belohnung.

Alles Facetten des Zusammenseins einbeziehen

 

Je öfter wir als Menschen uns also nur als Clickertrainer präsentieren und nur diese eine einzige Informationskette in unser Beisammensein mit dem Pferd mit einbeziehen, desto stärker wird sich das Pferd auf diesen Automatismus und auf die Notwendigkeit der Futtergabe fokussieren. Pferde sollten aus meiner Sicht idealerweise lernen, dass es viele verschiedene Formen der Belohnung gibt, sie können durch die Wahl unterschiedlicher Schwerpunkte, durch Entspannungstechniken oder Körperarbeiten lernen, dass das Zusammenarbeiten und das Leben mit dem Menschen nicht nur aus eng gestrickten Aufgabenfeldern und dem Reiz-Reaktions-Prinzip besteht, sondern dass immer wieder Raum für andere Formen der Entfaltung geschaffen werden.

Fütterungstechnik in den Fokus rücken

 

Darüber hinaus hilft es sich intensiv mit der eigenen Fütterungstechnik und der Futterübergabe zu beschäftigen. Jede Futtergabe ist eine Gelegenheit dem Pferd Mitteilungen auf verschiedenen Lernebenen zu senden. Einmal in Hinblick auf die Verhaltensebene, als Rückbezug auf das geleistete Verhalten, dann auf die emotionale Ebene als Verstärkung der Gefühlsebene innerhalb der erlebten Situation. Und nicht zu vergessen die Auswirkung auf die Beziehungsebene, welche besonders durch die unterschwellige Stimmung zwischen den beteiligten Individuen beeinflusst wird.

Verhaltensebene und Beziehungsebene

 

Sicher kann man auf der Verhaltensebene beispielsweise sehr effektiv und geschickt trainieren, verhält man sich selbst jedoch gestresst oder etwa ungeduldig, so wird entweder auf der emotionalen oder auf der Beziehungsebene ein nicht übereinstimmendes Bild vermittelt und eine vermeidbare Unruhe kann leicht auf der Seite des Pferdes entstehen. Kurzgefasst: Wer sich roboterhaft wie ein Futterautomat verhält bzw. eben sich nicht authentisch verhält, sondern steril reagiert, der wird leicht Unruhe und Stress beim Pferd verursachen, wenn in anderen Sinnzusammenhänge gerade nicht die Verhaltensebene, sondern beispielsweise vor allem die Beziehungsebene benötigt wird.

Das Überreichen des Futters

 

Deshalb übe ich mit allen mir anvertrauten Pferden sowohl das klassische Trainingssetting mit vielen Clicks und schneller, präziser Futterübergabe nach dem Markersignal als auch das betont zeitlupenartige, beiläufige Füttern aus der Hand ohne für das Pferd erkennbaren Trainingszusammenhang. Futter soll für mich nicht nur mit der gespannten, aufmerksamen Trainingsstimmung assoziiert werden, sondern es soll einfach da sein können ohne das Pferd in eine erhöhte Aufmerksamkeit zu versetzen. Egal ob bei der einen oder der anderen Version: Ich versuche immer das Futter liebevoll und achtsam zu überreichen. Hastige, ruppige Berührungen der Lippen mit der Hand oder dem Futter führen nicht selten zu Stress beim Pferd und in der Folge zu Unlust oder gar zum Schnappen. Ich lasse die Pferd auch gerne in Ruhe fertig kauen und das Futter abschlucken, bevor ich die nächste Anfrage in Form eines Signals stelle. Daher nehme ich möglichst kleine, schnell zu kauende Futterbrocken und keine riesigen, harten Stücke.

Das Pferd soll’s für mich tun

 

Ablehnung gegenüber dem Clickertraining und vor allem der Futtergabe aus der Hand entsteht auch durch eine weit verbreitete Vorstellung der Kameradschaft, Dankbarkeit oder Anhänglichkeit des Pferdes. Nach dieser Vorstellung soll das Pferd sich korrekt verhalten, weil es uns gefallen will und unsere angeblich höhergestellte Position im Beziehungsgeflecht damit unterstreicht. So romantisch der Glaube an die Selbstlosigkeit des Pferdes auch ist, so verzerrt wird dadurch oft die Realität wahrgenommen. Sicher gibt es immer mal wieder scheinbar selbstloses, partnerschaftliches Verhalten unter Pferden, bei dem das eine etwas tut ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten. In den meisten Fällen – besonders wenn wir an unsere typischen Aufgabenstellungen gegenüber Pferden denken – wird es sich aber für das entscheiden, was ihm in irgend einer Weise lohnenswert erscheint und was ihm am meisten Wohlbefinden verspricht. Wir geben mit unserem Training immer diverse Rückmeldungen. Sei es wie beim Clickertraining positiver Natur oder wie bei vielen anderen Trainingsmethoden negativer Natur. Pferde sind Meister der Anpassung, sie werden aus unseren Rückmeldungen den für sie bestmöglichen Weg herausfinden.

Viel Freude euch miteinander, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt