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RPlus | Rolle der Nullposition
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Hohe Belastung für die Pferdeseele

 

Durch ihr feinstes Gespür für kleine Veränderungen im Umfeld, ihre äußerst leistungsfähigen Sinnesorgane und ihre ausgeprägte Sensibilität was eine emotionale Grundstimmung angeht nehmen Pferde jede kleine Veränderung in ihrem gewohnten Lebensumfeld sofort wahr und reagieren direkt darauf. Veränderungen bedeuten durchaus Stress, da sich das Pferd auf ein neues Lebensumfeld zunächst einmal einstellen muss. Auf viele der in der heutigen Lebensrealität auf die Pferde einwirkenden Stressoren sind die Vierbeiner*innen von Natur aus nicht vorbereitet. So sind Pferd beispielsweise nicht dafür gemacht schnelle kurzweilige Smalltalk-Beziehungen zu führen. Sie fühlen sich unwohl, wenn sie auf engem Raum mit vielen ihnen unbekannten anderen Pferden gehalten werden. Es entspricht außerdem nicht der Natur des Pferdes ständig aus einem Herdenverband herausgerissen zu werden und in eine andere Gruppe integriert zu werden.

Verwirrung auf allen Seiten

 

Jeder Stallwechsel besitzt ein enormes Stresspotenzial – und das sowohl bei dem Pferd welches umzieht, als auch bei jenen welche zurückbleiben oder denen in deren Gruppe es integriert werden soll. Das eine erlebt den Stress des Wechsels direkt, es muss sich mit neuer Umgebung, neuen Menschen, anderem Futter, anderen Pferden auseinandersetzen. Es verliert auf einen Schlag gewissermaßen sein gesamtes bisheriges Leben. Umzug, ohne die Möglichkeit die Freund*innen jemals wiederzusehen. Und ohne zu wissen, ob dieser Umzug nun für immer ist oder wieder nur eine Zwischenstation darstellt. Die „verlassenen“ Pferde suchen ihr bisheriges Herdenmitglied. Sie erleben ebenso eine große Unruhe durch die Ungewissheit, ob es wohl wieder auftaucht oder ob es verschollen bleibt. Die neue Herde muss sich gezwungenermaßen mit dem Neuankömmling auseinandersetzen. Oft genug wird dieser zunächst als Störenfried oder Eindringlich betrachtet und nicht generell freundlich empfangen.

Stallwechsel stressarm gestalten

 

Sicher lässt sich nicht jeder Umzug vermeiden, aber etwas mehr Sorgfalt bei der Entscheidung ob überhaupt eine Notwendigkeit zum Stallwechsel besteht, sollte man walten lassen. Beziehungen unter Pferden sind in der Natur sehr stabil, Freundschaften werden oft über Jahrzehnte gepflegt. Futter steht dem Pferd in freier Wildbahn entweder sowieso zur Verfügung oder es kann sich frei bewegen und sich auf die Suche nach geeigneten Futterstellen begeben. In menschlicher Obhut führt die räumliche Enge und ein begrenztes Futterangebot oft zu sozialen Spannungen, welche besonders empfindliche Pferde nicht kompensieren können.

Problemfelder erkennen

 

Sicher kann man nicht jedes erdenkliche Problemfeld frühzeitig erkennen oder umgehen, aber es ist äußerst wichtig, den Stress des eigenen Tieres wahrzunehmen und zu versuchen im Sinne des Pferdes den Alltag der Tiere positiv zu beeinflussen. Passt vielleicht ein bestimmtes Pferd vom Wesen her nicht zu den übrigen? Ist der Liegebereich wirklich ausreichend groß für alle Pferde? Kann ein einziges Pferd den Zugang zum Heu zu stark kontrollieren?

Resourcen augewogen zur Verfügung stellen

 

Je mehr wir versuchen uns in unser Pferd und seine Wahrnehmungswelt einzufühlen, desto stressfreier und harmonischer können wir sein Leben gestalten. Gibt es alle lebenswichtigen Ressourcen gewissermaßen im Überfluss, so wird auch der Stallwechsel so stressarm wie möglich vonstatten gehen. Jedes Pferd, auch das neu integrierte hat so die Möglichkeit seinen Bedürfnissen nachzugehen und erlebt so Kontrolle über das eigene Leben. Selbstbestimmung und Wahlmöglichkeiten wiederum sind wichtige Faktoren, die das Wohlbefinden beeinflussen und dabei helfen das mit einem Umzug verbundene Stresslevel deutlich zu senken. Ein Pferd welches genug Platz zum Ausweichen hat, viele Futterstellen nutzen kann und nicht permanent getrieben wird, wird sich schneller mit der neuen Situation arrangieren und im neuen Stall leichter einleben.

Individuelle Wesensmerkmale

 

Unterstützend kann es helfen, den Stallwechsel wirklich als Prozess zu betrachten, und nicht unüberlegt zu schnelle eine Vergesellschaftung zu forcieren. Um einschätzen zu können, wie welches Pferd auf die Ankunft im neuen Umfeld reagiert, bietet es sich an die Tiere zunächst zu trennen und zu beobachten. Wer regt sich besonders auf? Wer sucht vielleicht mit wem Kontakt? Wer scheint interessiert, wer ablehnend? So kann am einfachsten entschieden werden, ob man die Pferde nach und nach in einem mehrere Wochen dauernden Prozess aneinander gewöhnt. Erst in Zweierteams zusammenstellt und nach und nach alle Herdenmitglieder kennenlernt. Oder ob man doch die Tiere schon bald insgesamt zusammenführt.

Stresspotentiale reduzieren

 

All das ist auch abhängig von den räumlichen Möglichkeiten. Am wenigsten Stress bringt der Stallwechsel auf einer großen Weide mit sich. Dort haben die Pferde unbegrenzt Futter, sie können laufen, sich gegenseitig beobachten und bei Bedarf frühzeitig ausweichen. Je weniger Platz, Futterstellen und Ressourcen in allen Lebensbereichen, desto mehr Stress bedeutet der Stallwechsel und desto wahrscheinlicher sind Kämpfe und Verletzungen bei den Pferden. Daraus ergibt sich, dass ein Wechsel in den Sommermonaten in aller Regel wesentlich günstiger ist, als ein Wechsel zum Winter hin, wenn die Pferde vielerorts auf kleineren Paddocks gehalten werden und mit Heu gefüttert werden.

Besonders ungünstig: Nirgends ankommen können

 

Bis ein Pferd sich wirklich eingelebt hat und sich Zuhause fühlt ist ein längerwährender Prozess. Man rechnet im Schnitt mit mehreren Monaten und es kann vereinzelt sogar ein Jahr dauern, bis ein Pferd auch emotional angekommen ist und seinen Platz in der Herde gefunden hat. Umso trauriger ist es, dass es sehr viele Pferde gibt, die immer wieder umziehen müssen und dadurch letztlich nirgends mehr ankommen können. Es kann durch mehrfache Stallwechsel gewissermaßen eine Bindungsstörung entstehen. Die vom permanenten Wechsel betroffenen Pferde gehen nach und nach gar keine engeren Beziehungen oder gar Freundschaften ein. Sie kapseln sich ab, werden im schlimmsten Falle sogar krank oder depressiv.

Heimatlose Seelen

 

Diese Probleme entstehen weil die Pferde eben die wiederholte Erfahrung abspeichern, dass kein Aufenthalt irgendwo von Dauer ist. Ein solcher Zustand der „Heimatlosigkeit“ kann Einsamkeit und nach und nach einen Verlust der Lebensfreude erzeugen. Wir sind es, die für die Lebensqualität des eigenen Pferdes verantwortlich sind. Ein stabiles, artgerechtes Zuhause gehört unbedingt dazu. Stallwechsel bergen hohe Risiken für die Pferdeseele und sollten daher wohlbedacht und so selten wie irgend möglich durchgeführt werden. Muss es einmal sein, dann gibt es dem Pferd viel Halt wenn wir es in dieser Zeit aktiv begleiten. Einfach da sein, es liebevoll betrachten, berühren und führen, das gibt unserem Pferd im neuen Umfeld Sicherheit. Dazu empfehle ich es immer sich wirklich Urlaub zu nehmen wenn das Pferd umzieht. Denn so kann man auch mal einige Stunden gemeinsam mit dem Pferd die neue, ungewohnte Umgebung erkunden.

Eine schöne Zeit mit euren Lieblingen, Marlitt

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Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

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AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt