q
Welcome to moose theme.
Enter any text or widget here.
RPlus | Signaleinführung im Pferdetraining
359282
post-template-default,single,single-post,postid-359282,single-format-standard,eltd-cpt-1.0,ajax_leftright,page_not_loaded,,moose-ver-2.1, vertical_menu_with_scroll,smooth_scroll,side_menu_slide_with_content,width_370,blog_installed,wpb-js-composer js-comp-ver-5.5.2,vc_responsive

Kleiner Blick auf das Lernverhalten: Signaleinführung

 

Im Laufe des Trainingsprozesses knüpft das Pferd immer wieder Assoziationen: Es erkennt, dass ein Signal mit einer bestimmten Verhaltensweise gekoppelt ist. Immer wenn man nun das Signal gibt, soll das Pferd im Idealfall die gewünschte Reaktion ausführen. Das wird es allerdings nur dann tun, wenn zum einen die Motivation hoch, die Ablenkung gering und die Assoziation zwischen Signal und Verhalten stark genug ist. Was genau stärkt nun eine solche Assoziation? Alles was oft genug wiederholt wird, wird irgendwann quasi zum Automatismus. Buchstäblich tausende, möglichst konstante Wiederholungen führen dabei zu besonders starken Assoziationen. Aus einem verwilderten Pfad wird so ein vertrauter breiter Lernweg.

Starke Assoziation

 

Ein weiteres Detail, dem gar nicht genug Beachtung geschenkt werden kann, ist die Tatsache, dass Assoziationen immer dann besonders deutlich wahrgenommen werden, wenn das spätere Signal selten oder fast nie ohne das dazu gehörige Verhalten wahrgenommen wird. So erklärt sich eine der Grundregeln im Clickertraining, die besagt, dass ein Signal im Idealfall erst dann hinzugefügt werden sollte, wenn das Verhalten zumindest einigermaßen sicher etabliert ist. Fügt man es zu früh hinzu, so bleibt die Assoziation meist schwächer, das Signal wird folglich so auf Dauer ebenso vergleichsweise schwach bleiben. Daher sollte man auch sehr vorsichtig sein, ob man in Situationen, in denen das Pferd durch Stress oder Ablenkung sowieso nur sehr unwahrscheinlich auf ein Signal reagieren wird, überhaupt versucht ein „Kommando“ zu geben oder ob man nicht lieber versucht das Verhalten mit anderen Methoden zu initiieren. Als Beispiel: Wenn das Pferd nicht auf das angebotene Handtarget reagiert, sollte man es lieber nicht 20 Mal versuchen, sondern dann z.B. lieber direkt mit einem Leckerli in der Hand locken.

Und wie führt man nun generell ein neues Signal ein?

 

Wir trainieren wie schon erwähnt zunächst komplett ohne das spätere Signal die Verhaltensweise, indem wir die Mechanismen der positiven Verstärkung zu Hilfe nehmen. Wir können also zum Beispiel über Shaping arbeiten und ein Verhalten formen, über luring, also unser Pferd in eine bestimmte Position locken oder aber mit Hilfe eines Targets trainieren, dem das Pferd folgen soll.

Ausschleichen der Hilfen

 

Dann erst entscheiden wir uns welches Zeichen zum Signal für die neu trainierte Verhaltensweise werden soll. Haben wir uns entschieden, so geben wir unser neues Signal direkt bevor wir das Pferd mit unseren „Hilfssignalen“ vom Trainingsprozess in die Verhaltensweise führen. Diesen Vorgang wiederholen wir einige Male. Erst wenn wir einige Durchgänge fehlerfrei geschafft haben beginnen wir die Hilfen langsam auszuschleichen. Sie verlieren so an Bedeutung, während wir unser neu gewähltes Signal deutlich hervortreten lassen. Gewissermaßen verblassen also die alten Hilfen, wir deuten sie nur noch an, nutzen den Target-Stick nicht mehr so konzentriert oder locken nur noch angedeutet. Nach und nach bleibt nur noch das neue Signal übrig. Dieses neue Signal sollte sich natürlich möglichst klar von allen anderen bereits verwendeten Zeichen und Signalen unterscheiden, damit die Assoziation für das Pferd möglichst einfach ist.

Beteiligte Gefühlslage

 

Wie gut das Pferd auf ein Signal reagiert, hängt auch von der konditionierten emotionalen Reaktion ab. Immer wenn ein Signal mit etwas Angenehmen verbunden ist, so wird das Pferd vereinfacht gesprochen ein positives Gefühl abspeichern. Wird das Verhalten erneut abgefragt, so wird es sich nicht nur an das Gelernte erinnern, sondern vor allem auch das verknüpfte positive Gefühl verspüren. Diese konditionierte emotionale Reaktion bezieht sich dabei allerdings immer auf die gesamte Situation. Wir können also nicht entscheiden, was das Pferd im Zusammenhang mit einer Verhaltensweise wie empfindet, sondern es wird alles so abspeichern, wie es es eben fühlt.

Eine Gefühlskette entsteht

 

Ein Leckerli quasi als Entschuldigung nachdem wir das Pferd auf den Pferdeanhänger gezogen oder geschoben haben, wird zwar vermutlich gerne angenommen, es verbessert aber eben nicht die gesamte verbundene Gefühlskette. Gerade wenn wir eine neue Verhaltensweise trainieren und dafür ein neues Signal einführen wollen, ist es ganz wichtig, die beteiligte Gefühlslage zu beachten und vor allem auch das Training so zu planen, dass unser Pferd nicht versehentlich in Aufregung gerät, wenn die zu trainierende Verhaltensweise eigentlich mit Ruhe und Gelassenheit korrespondieren soll. Der Weg ist also auch im positiven Pferdetraining das Ziel. Lieber in Ruhe aber konstant trainieren, als durch eine übereilte Trainingsphase schnell ein Signal einführen, welches dann aber immer mit einer hektischen, unruhigen Grundstimmung verknüpft ist.

Immer schön achtsam bleiben, Marlitt

Deine Spende hilft uns

Liebe Leserin, lieber Leser!

Unsere Fach-Artikel und Videos stehen allen Interessierten zur freien Verfügung. Allerdings erfordert das alles im Hintergrund viel Arbeit, Organisation und auch viel Geld. Deshalb benötigen wir eure finanzielle Unterstützung um weiterhin unsere Vision im Sinne der Pferde in die Welt hinauszutragen. Unterstützt uns deshalb jetzt mit einer einmaligen Spende oder richtet ein monatliches, freiwilliges Abo auf unserer Seite ein. Danke! Marlitt und Conny

Marlitt Wendt

 

 

Ich bin Verhaltensbiologin und eine Pionierin auf dem Gebiet des Trainings mit positiver Verstärkung für Pferde. Das was zunächst als private Leidenschaft begann, ist seit fast 20 Jahren meine Berufung. Ich habe meinen Traum verwirklicht und durfte mein Wissen und meine Erfahrung als Autorin in vielen Sachbüchern und Fachartikeln veröffentlichen und als Dozentin auf Seminaren im gesamten deutschsprachigen Raum in der Praxis umsetzen. RPlus ist nun die Quintessenz meiner bisherigen Arbeit. Mit RPlus als Idee, positive Verstärkung in ihrer Gesamtheit darzustellen und den Grundgedanken des Gebens wirklich zu leben, veröffentliche ich hier lerntheoretische Inspirationen, meine eigenen Ausbildungskonzepte und persönliche Einblicke in meine Pferdewelt.

Conny Ranz

 

 

Ich bin Pferdefotografin und Grenzgängerin. Mit meiner Kamera bewege ich mich zwischen den Welten. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Traum und Realität. Pferde ihrer Natur entsprechend in ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, begeistert mich damals wie heute. Dazu bin ich unter anderem europaweit auf den Spuren der Wildpferde unterwegs. Diese Begegnungen erwecken stets den Mut zur Freiheit in mir. Mit meinen Bildern durfte ich bereits an einigen Buchprojekten namhafter Verlage sowie in diversen Pferdemagazinen mitwirken. Vor allem aber verleihe ich damit unserem gemeinsamen Herzensprojekt RPlus aus vollster Überzeugung Flügel.

Wir haben dir hier noch ein paar ähnliche Beiträge rausgesucht!

Signalkontrolle
Wann ein Signal einführen?
Assoziation

AUTHOR: Conny Ranz & Marlitt Wendt